Bundesliga : Werder im Winterschlaf

Bremen droht nach fünf sieglosen Spielen in Folge im Mittelmaß zu versinken.

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Bremer vor Brücke. Werders Torsten Frings kommt nicht am Frankfurter Benjamin Köhler vorbei. -Foto: Reuters

Clemens Fritz wischte sich erst eine Menge Schweiß aus dem gut gebräunten Gesicht. Dann holte der Rechtsverteidiger von Werder Bremen tief Luft, um seine Sicht der Dinge darzulegen: „Es fehlt der absolute Wille und die letzte Konsequenz. Wir haben schlecht miteinander gespielt. Wenn wir so weiterspielen, brauchen wir nicht davon zu reden, oben anzugreifen.“ Wenn schon der 29-Jährige, der gemeinhin nicht zu den Wortführern an der Weser zu zählen ist, Klartext redet, ist Gefahr für die Grün-Weißen im Verzug.

Während des 0:1 bei Eintracht Frankfurt, der dritten Niederlage in Folge, hatte Trainer Thomas Schaaf so erstaunt wie erschrocken feststellen müssen, dass es in manch einer Trainingseinheit bissiger und energischer zugegangen war als zum Rückrundenauftakt auf dem Platz. Was Schaaf dazu veranlasste, am Sonntag ein Sondertraining anzusetzen und mit seinen Profis ein 20-minütiges Gespräch zu führen. Unmittelbar nach dem Spiel war Klaus Allofs in den Frankfurter Katakomben bereits deutlich geworden. Seine Grundsatzschelte gipfelte schließlich in den Worten: „Das war gar nichts, so geht das nicht. Wir sind nicht bereit die Dinge zu machen, die uns stark gemacht haben.“

Werder im Winterschlaf. So sei nur Platz acht möglich, sagte Allofs und führte ein hanseatisches Horrorszenario aus. Der Vorsitzende der zur Jahreswende neu formierten Geschäftsführung vermisste überdies Elementartugenden wie den totalen Einsatz. Und mäkelte unverblümt am nervigen Vertragspoker der jungen Herren Aaron Hunt und Mesut Özil herum: „Uns hilft es nicht, wenn vom großen Potenzial erzählt und geredet wird, wer von wem alles umworben wird, wenn man dann auf dem Platz kein Gas gibt.“ Es war bezeichnend, dass ein zwischen Hunt und Özil missglücktes Zusammenspiel am eigenen Strafraum erst den biederen Gastgebern die Möglichkeit gab, den Treffer durch Marco Russ zu erzielen.

Dass Jungstar Özil einfach stehen blieb und Routinier Torsten Frings sich den Ball durch die Beine spielen ließ, passte zum betrüblichen Bild, das die Bremer abgaben. Gerade der enttäuschende Auftritt von Özil darf als Beleg gewertet werden, dass weder die Jubelarien noch die von Berater Reza Fazeli maßgeblich verursachten Zukunftsspekulationen dem Deutsch- Türken guttun – der schmalbrüstige 21-Jährige kann mit dieser Last offenbar nicht umgehen. Und Werder ist in der Causa Özil machtlos, weil die Gegenpartei den 2011 auslaufenden Kontrakt partout nicht zu verlängern gedenkt. „Wir können nicht einschätzen, wie das weitergeht“, sagte Allofs. In nächster Zeit wolle er nichts mehr von magischen Drei- oder Vierecken hören. In der Verfassung der jüngsten fünf sieglosen Liga-Spiele ist Werder nur Mittelmaß. Das aber können sich die auf Einnahmen aus dem internationalen Geschäft dringend angewiesenen Norddeutschen nicht leisten. Wie in der vergangenen Spielzeit müsste schon einer der beiden Pokal-Wettbewerbe die Rettung bringen, um die Zutrittsberechtigung zum Europapokal zu erlangen.

Im Grunde wirkte der Rückrundenstart im verschneiten Frankfurter Stadtwald wie eine Blaupause der 1:2-Peinlichkeit vor einem Jahr gegen Arminia Bielefeld. Kurz darauf fokussierten sich Klub und Kader ganz auf das Fortkommen in DFB-Pokal und Uefa-Cup. Nach dem Spiel am kommenden Sonnabend gegen den FC Bayern könnte sich dieses Szenario wiederholen. „Noch“, insistierte Allofs, „ist es mir dafür aber viel zu früh.“

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