Bundesligaspielplan : Aus dem Mittagessen wird ein Brunch

Die geplanten Anstoßzeiten der Fußballprofis am Sonntagmittag verärgern Fans - Kirchen und der Amateurfußball stören sich noch nicht daran.

Lars Spannagel,Friedhard Teuffel

BerlinNoch ist Profifußball kein Frühsport, aber von 2009 an sollen zum ersten Mal Spiele am frühen Sonntagmittag stattfinden. Die geplanten vier Zweitligaspiele um 12.30 Uhr kommen vor allem zwei Institutionen bedrohlich nahe: der Kirche und dem Amateurfußball. Dazu wird auch die Bundesliga am Sonntag früher spielen, um 14.45 Uhr. Einige sonntägliche Gewohnheiten werden sich ändern.

Die evangelische und die katholische Kirche sehen der Reform des Spieltags jedoch ohne Sorge entgegen. „Die neuen Anstoßzeiten sind vertretbar“, sagt Pfarrer Hans-Gerd Schütt, der Sportbeauftragte der katholischen Kirche, „eine gewisse Schonzeit ist ja noch vorhanden. Außerdem gibt es auch samstags und am frühen Sonntagmorgen Gottesdienste, mit etwas gutem Willen ist also Gottesdienst und Stadionbesuch möglich.“

Sein protestantischer Kollege sieht es nicht anders. „Das Wichtigste ist, dass die Gottesdienstzeit zwischen zehn und elf Uhr geschützt bleibt“, sagt Valentin Schmidt, der Sportbeauftragte der evangelischen Kirche. „Für den Amateurfußball dürften die neuen Spielzeiten problematischer sein als für uns.“ Hermann Korfmacher, der für den Amateurfußball zuständige Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), sagt allerdings: „Die Aussage, dass der Sonntag der Kirche und dem Amateurfußball gehört, gilt schon jetzt nicht mehr.“ Zumal der DFB herausgefunden habe, dass immer mehr Amateurvereine den Sonntag als Spieltag verlassen und auf den Freitagabend oder Samstag ausweichen. Vom frühen Termin der Zweiten Liga am Sonntag ist Korfmacher jedoch überrascht. „Das macht eine Menge mit Familie und Fans“, sagt er. Gerade über diesen Termin werde daher das DFB-Präsidium am Freitag bei seiner Sitzung sprechen.

In Berlin spielt derzeit ohnehin kein Zweitligaklub, betroffen wäre der Amateurfußball, wenn Hertha BSC am Sonntagnachmittag spielt. „Das wird vielleicht vier-, fünf- oder sechsmal im Jahr der Fall sein, ich rechne daher nicht mit gravierenden Auswirkungen“, sagt Dirk Brennecke, der Geschäftsführer des Berliner Fußball-Verbands. „Es wird sicher Unruhe bei manchen Vereinen geben, aber unsere Klubs haben sich bisher auf alle Veränderungen gut eingestellt, das werden sie auch weiter tun“, sagt Brennecke.

Der größte Protest kommt bislang aus dem Kreis der Fans. Für das „Bündnis Aktiver Fußballfans“ (Baff) sind die Pläne der Deutschen Fußball-Liga (DFL) „nicht hinnehmbar“ und ein „Schlag ins Gesicht“ der Anhänger. Das Bündnis plant sogar schon, zusammen mit anderen Fangruppierungen an einem der ersten Spieltage der kommenden Saison in allen Stadien von der Ersten bis zur Dritten Liga zu protestieren. „In beiden vorgestellten Verwertungsszenarien zeigt die DFL einmal mehr, dass Fußball anscheinend nur noch für das Fernsehen gespielt wird“, teilt Baff mit. Ein Anpfiff um 12.30 Uhr sei für Auswärtsfans kaum realisierbar und für Familien unerträglich. „Für die DFL gilt man anscheinend nur noch als Fan, wenn man vor dem Fernseher sitzt“, sagt Baff-Sprecher Mathias Radowski. Der Anhänger des Zweitligisten FC St. Pauli glaubt, dass mit der neuen Regelung die Zahl der Gästefans in den Stadien zurückgehen wird.

Milan Sasic, der Trainer des 1. FC Kaiserslautern, kann die Sorgen der Fans verstehen. Allerdings freut er sich auch, wenn die aus seiner Sicht „einmalige“ Zweite Liga im Fernsehen so präsent wie möglich ist. „Natürlich muss man das Training ebenfalls auf eine frühere Anstoßzeit umstellen“, sagt Sasic. „Und die Spieler müssen an solchen Tagen Frühstück und Mittagessen zusammenlegen.“

So sieht es auch Harald Strutz, der nicht nur Präsident des FSV Mainz 05 ist, sondern auch die Zweite Liga in der DFL als Vizepräsident vertritt. „Statt Mittagessen wird es zukünftig eben sonntags Brunch geben“, sagt er. An die Anstoßzeit muss aber auch er sich erst einmal gewöhnen. „Auf den ersten Blick kann man sagen: 12.30 Uhr kann eigentlich nicht sein“, sagt Strutz. Doch der Gesamtplan der DFL biete gerade der Zweiten Liga etwa durch das Livespiel am Samstag um 13 Uhr neue Chancen. „Es ist eine Aufwertung der Zweiten Liga.“ Etwas zu Nörgeln könne man immer finden. „Aber man kann sich doch auch so einen schönen Sonntag machen“, sagt Strutz, „und man ist nach dem Fußball früher zu Hause.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar