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Bundesligist TSG Hoffenheim : Trainer Kurz und Manager Müller entlassen

Der abstiegsbedrohte Bundesligist TSG Hoffenheim hat sich von Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller getrennt. Der Nachfolger hat sich schon vorgestellt.

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Da lachte er noch. Hoffenheims entlassener Trainer Marco Kurz.
Da lachte er noch. Hoffenheims entlassener Trainer Marco Kurz.Foto: AFP

Peter Hofmann gilt bei der TSG Hoffenheim nicht als Entscheider, obwohl er Präsident ist. Seine Stunde schlägt meist erst, wenn es Heikles zu verkünden gibt, das die Herren im Hintergrund, jene ohne Amt und mit Entscheidungsgewalt, verfügt haben – und das sie selbst nicht verkünden wollen. Leute wie Dietmar Hopp. Der Mäzen bekleidet offiziell zwar nur die Funktion als Gesellschafter, trotzdem besitzt Hopp mit seinem einflussreichen Beraterumfeld weiterhin Richtlinienkompetenz in Hoffenheim, während Hofmann die Rolle als Sprachrohr zukommt.

Auch am Dienstag hat Hofmann jene Funktion wieder eingenommen. Er saß auf dem Podium im Trainingszentrum und setzte die Öffentlichkeit über ein weiteres kurioses Kapitel aus dem chaotischen Innenleben eines Fußballklubs in Kenntnis, der immer mehr Linie und Substanz verliert und sieben Spieltage vor dem Saisonende vor dem Abstieg in die Zweite Liga steht. Neues aus der Anstalt, quasi. Am Dienstagvormittag entließ der Klub nun nicht nur seinen Trainer Marco Kurz nach gerade einmal drei Monaten, sondern auch Manager Andreas Müller, der seit September 2012 im Amt war.

Nachfolger wird der ehemalige TSG-Nachwuchstrainer Markus Gisdol, dessen Vertrag auch für die Zweite Liga gilt. Gisdol ist nach Markus Babbel, Frank Kramer und Kurz bereits der vierte Cheftrainer in dieser Saison. Der 43-Jährige soll die TSG zu ihrer ursprünglichen Ausrichtung zurückführen, die die Arbeit mit Talenten vorsah. Wie Gisdol erhielt auch Alexander Rosen, bisher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, künftig Bindeglied zum Profibereich mit Management-Aufgaben, einen Vertrag bis 2016.

Müller hatte Kurz im Januar als Trainer durchgesetzt und sich gegen den Kandidaten Gisdol ausgesprochen. Seither war die Zukunft des Managers eng mit jener vom Trainer verknüpft. Von ihrem Rauswurf waren beide völlig überrascht, was durchaus als Zeichen für die interne Isolation des Duos zu deuten ist, das gegen den Einflüsterer Hopp aufbegehrt hatte. „Ich kann die Trennung bestätigen, mehr möchte ich nicht sagen“, sagte Müller. Marco Kurz teilte per SMS mit, es gäbe „nichts zu kommentieren“. Am Montagabend hatte Hofmann Müller und Kurz für den nächsten Morgen einbestellt. Spätestens da dürften beide gewusst haben, was folgen würde. Sie hatten den Machtkampf verloren.

Gleichwohl fällt es schwer das Argument zu widerlegen, sportliche Gründe hätten bei der Entlassung keine Rolle gespielt. Unter Kurz rutschte Hoffenheim auf einen direkten Abstiegsplatz, in zehn Spielen holte der Klub nur acht Punkte. Trotzdem hatte wenig auf die plötzliche Trennung hingewiesen, abgesehen von leichten Ausschlägen des Vereins-Seismographen. Ein letzter war am Ostersonntag die Meldung, der seit der Winterpause aus dem Kader gestrichene Torhüter Tim Wiese würde ins Mannschaftstraining zurückkehren. Einst von Babbel verpflichtet und zum Kapitän gemacht, sollte Wiese der TSG zum Sprung in einen europäischen Wettbewerb verhelfen. Stattdessen folgten zahlreiche Pannen. Im Winter soll es Pläne gegeben haben, Wiese loszuwerden, was die Gegenfraktion von Kurz und Müller verhinderte.

Allerdings gab weder das entlassene Duo noch der Klub im Torwart-Theater ein gutes Bild ab. Zunächst landete Wiese wegen des „unmenschlichen Drucks“ auf der Tribüne, dann kamen sportliche Gründe und Eskapaden hinzu, die sich der Keeper leistete. Müller und Co. hatten versucht, durch zwölf Millionen Euro teure Wintereinkäufe die Wende zu schaffen. Bis auf Torwart Heurelho Gomes erfüllte jedoch kein Zugang die Erwartungen.

Nun müssen Kurz und Müller also gehen, weil sie zu wenig Perspektive lieferten. Und weil sie sich gegen inzwischen erdbebensichere Strukturen innerhalb eines Klubs zur Wehr setzten, der seinen Präsidenten weiter Dinge verkünden lässt, die andere entschieden haben.

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