Bundesligisten im Test (10) : SC Freiburg: Allergisch gegen Stars

Der SC Freiburg setzt auf Nachwuchs und einen nahezu unbekannten Trainer. Von "Fußball-Stars" hält der Verein nicht viel - seine Spieler spielen auch so teilweise überragend.

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Torwart Oliver Baumann hechtet vergeblich nach einem Ball.
Torwart Oliver Baumann hechtet vergeblich nach einem Ball.Foto: dpa

Am 5. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir täglich Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Heute: SC Freiburg.

Was hat sich verbessert?

Der Marktwert einiger Angestellter. Stürmer Papiss Demba Cissé ist nach einer grandiosen Saison 15 Millionen Euro wert, Trainer Robin Dutt machte mit seiner Arbeit Leverkusen auf sich aufmerksam und steht jetzt bei Bayer an der Linie. Die Frage nach seinem Nachfolger beim SC Freiburg wäre momentan bei Günther Jauch wohl 64 000 Euro wert. Marcus Sorg heißt der neue Coach und ist in der Branche bislang reichlich unbekannt. Aber das war beim Amtsantritt seines Vorgängers Dutt nicht viel anders.

Wer sind die Stars?

Auf das Wort „Star“ reagieren sie in Freiburg allergisch, bestes Beispiel dafür ist die Posse um Mohamadou Idrissou. Als der für die Freiburger im Frühjahr 2010 nach Belieben traf und andere Vereine ihr Interesse anmeldeten, sprach Idrissou davon, bald in der Champions League zu spielen. Trainer Robin Dutt stauchte den Stürmer vor versammelter Mannschaft zusammen, Idrissou wechselte nach Mönchengladbach. Als er mit der Borussia dann in der letzten Saison in Freiburg antrat, höhnten die SC-Fans: „Idrissou spielt Champions League, auf PS3, die ganze Nacht, von zwölf bis acht.“ Freiburg besiegte Gladbach, Spielkonsolenliebhaber Idrissou traf nicht, dafür sein Nachfolger Cissé zwei Mal. Cissé sticht nun aus dem Team heraus, ebenso wie Oliver Baumann, der in seiner ersten Saison als Stammtorwart teilweise überragend hielt.

Wer hat das Sagen im Verein?

Sorgs Vorgänger Volker Finke und Robin Dutt haben gezeigt, dass der Trainer in Freiburg nicht nur vollstes Vertrauen genießt, sondern auch über weitreichende Kompetenzen verfügt. Die Berufung Sorgs bestätigt den Trend, dass Stuttgart ein fruchtbarer Boden für Deutschlands Bundesligatrainer ist. Ende der achtziger Jahre spielte Sorg für die Amateure des VfB Stuttgart, in dieser Zeit war Ralf Rangnick dort erst Amateur-, später A-Jugend-Coach. Damals spielte ein 19-Jähriger bei den Amateuren vor, der das Probetraining allerdings nicht bestand: Jürgen Klopp. Mit Robin Dutt arbeitete Sorg dann bei den Stuttgarter Kickers zusammen. Thomas Tuchel verbrachte bei den Kickers seine aktive Zeit als Spieler, bevor er später in die Jugendarbeit des VfB wechselte. So könnte Sorgs Stuttgarter Vergangenheit also ein gutes Omen für eine erfolgreiche Trainerkarriere sein.

Wie steht es um die Finanzen?

Die Freiburger haben in diesem Sommer den teuersten Transfer ihrer Vereinsgeschichte getätigt: Stürmer Garra Dembele kommt von Lewski Sofia – für zwei Millionen Euro. Das zeigt die Größenordnung, in der sich die Freiburger bewegen. Der Personaletat der Freiburger liegt bei 13,5 Millionen Euro, damit sind sie Liga- Schlusslicht.

Was erwarten die Fans?

Stolz tragen sie derzeit in Freiburg das T-Shirt mit der Aufschrift „LandeSChmeister 2011 – Schön hier oben“ – ein kleiner Hinweis an die nahe gelegenen Klubs aus Hoffenheim und Stuttgart, dass der SC in der Tabelle vor ihnen landete. Der neunte Platz aus der Vorsaison wird schwierig zu wiederholen sein. Das wissen auch die Fans und verfolgen zunächst einmal den Klassenerhalt als Ziel. Doch den Titel in der Bundesliga-internen Baden-Württemberg-Meisterschaft wollen sie verteidigen.

Was ist in dieser Saison möglich?

Erklärtes Ziel ist es, Jugendspieler in der Bundesliga herauszubringen. Sowohl Trainer Sorg als auch Kotrainer Christian Streich kommen aus dem Juniorenbereich und wollen nach Freiburger Sitte den Nachwuchs weiter fördern. Mit Christian Bickel und Simon Brandstetter sind bereits zwei Juniorennationalspieler zu den Profis gestoßen. Dafür verließ mit Ömer Toprak ein Talent Freiburg in Richtung Leverkusen, den Innenverteidiger soll Neueinkauf Beg Ferati aus Basel ersetzen.

Und sonst?

Linksverteidiger Felix Bastians wird eine große Zukunft vorausgesagt. Abseits des Platzes kümmert sich der 23-Jährige um die Zeit nach der Karriere. In der Sommerpause hielt er sich an der englischen Universität Stoke auf, um seinen Bachelor in Sportjournalismus zu Ende zu bringen. Bastians wird also auf alle Reporterfragen gut vorbereitet sein.

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