Bundesligisten im Test (14) : FSV Mainz 05: Das englische Gefühl

Der FSV Mainz 05 hat ein neues Stadion gebaut. Nun möchte der Verein ein Dauerüberraschungsklub werden.

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Wackeliger Start. Beim 1:1 gegen den rumänischen Klub Medias im Hinspiel der Europa-League-Qualifikation konnten die Mainzer nicht überzeugen. Foto: dpa
Wackeliger Start. Beim 1:1 gegen den rumänischen Klub Medias im Hinspiel der Europa-League-Qualifikation konnten die Mainzer nicht...Foto: dpa

Am 5. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir täglich Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Heute: FSV Mainz 05.

Was hat sich verbessert?

Die eigenen vier Wände. Höher und steiler jetzt, denn die Mainzer sind in ein neues Stadion umgezogen. 34 043 Plätze hat die neue Spielstätte. Sie soll ein englisches Gefühl bieten. Der Name des Stadions hat sich allerdings kaum verbessert. Bruchwegstadion klang ja schon nach Trümmerhaufen. Jetzt heißt das Stadion Coface-Arena, weshalb man nicht weiß, ob man es deutsch oder englisch aussprechen soll. Der Verein hat deshalb noch schnell „Mainzuhause“ wortgespielt.

Wer sind die Stars?

Wahrscheinlich das Stadion. Jedenfalls sind viele Führungsrollen in Mainz zu besetzen. Die in der vergangenen Saison zum Chartbreaker gewordene Mainzer Boygroup von der Eckfahne hat sich aufgelöst, André Schürrle spielt jetzt in Leverkusen, Lewis Holtby auf Schalke. Das ist so, als wenn John Lennon und Paul McCartney zu den Stones und zu Police gewechselt wären.

Wer hat das Sagen im Verein?

Kapuzenpulli-Trainer Thomas Tuchel. Die Macht, die er hat, verpackt er allerdings in kommunikative Kompetenz. Also so lange mit den Spielern reden, bis sie es verstehen, warum sie auf der Bank sitzen. Hat bisher bestens geklappt. Das Wort der letzten Saison, „Matchplan“, stammt jedoch nicht von ihm. Tuchel hat die Urheberschaft Urs Siegenthaler zugeschrieben. „Ich selbst habe den Begriff genau einmal bei meiner ersten Pressekonferenz verwendet.“

Wie steht es um die Finanzen?

So gut wie noch nie. Allein für Schürrle haben die Mainzer zehn Millionen Euro bekommen. Der Personaletat ist von 22 auf 28 Millionen gestiegen. Neues Stadion heißt auch neue Einnahmemöglichkeiten. Aber Mainz wird trotzdem erst mal Mainz bleiben. Ein Verein, der Spieler günstig verpflichtet und sie für einen höheren Preis wieder abgibt.

Was erwarten die Fans?

Zuerst Stimmung. Dann guten Fußball. Und eigentlich mehr Erfolg als früher. Schon ein 0:1 gegen Hannover wollten sie sich in der vergangenen Saison nicht mehr bieten lassen. Ins Stadion passen jetzt 14 000 mehr. Wenn das alles schnöselige Eventfans werden, kann sich Mainz auf seine Zuschauer nichts mehr einbilden.

Was ist in dieser Saison möglich?

Aus einem Überraschungsklub einen Dauerüberraschungsklub zu machen. Mit dem Erfolg der Vorsaison war nicht zu rechnen. Mit einer guten Platzierung jetzt noch weniger, gerade nach den vielen Abgängen, zu denen auch Christian Fuchs gehört, der ebenfalls nach Schalke gewechselt ist, und nach dem schwachen Auftakt in die Europa League. Der Klub hat Spieler wie Eric Maxim Chupo-Moting oder Elkin Soto verpflichtet. Fußballwissenschaftlich eine spannende Saison, denn Tuchel kann zeigen, dass sein Konzept auf andere Spieler übertragbar ist und sich dadurch wiederholen lässt.

Und sonst?

Hat Mainz 05 den Segen. Für die Eröffnung des Stadions unterbrach Kardinal Lehmann extra seine Reha und sprach ein ghanaisches Fußballgebet: „Lass unser ganzes Leben ein faires Spiel sein, eine Augenweide für dich und die Mitmenschen.“

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