Bundesligisten im Test (15) : Hannover 96: Überfallfußball sucht Alternative

Hannover 96 übertraf in der letzten Saison die Erwartungen. Nun zeigen sich die Niedersachsen gerüstet für die schwierige Saison danach.

Auf den Kopf gestellt hat Hannover zuletzt die Rangfolge in der Bundesliga. Gelingt das auch in dieser Saison? Foto: dpa
Auf den Kopf gestellt hat Hannover zuletzt die Rangfolge in der Bundesliga. Gelingt das auch in dieser Saison?Foto: dpa

Am Freitag startet die Fußball-Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir täglich Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Heute: Hannover 96.

Was hat sich verbessert?

In der Vorbereitung perfektionierte Trainer Mirko Slomka mit seiner eingespielten Elf (abzüglich des verletzten Torjägers Didier Ya Konan) das überfallartige Konterspiel der vergangenen Saison und arbeitete zusätzlich auch an alternativen Spielideen. Nun sind die Roten schwerer auszumachen als der/die kommende Bürgermeister/in in Berlin. Auch gut: Manager Jörg Schmadtke konnte namhafte Abgänge verhindern (Ausnahme: Florian Fromlowitz) und erweiterte den Kader nur um einige vielversprechende Ergänzungsspieler (zum Beispiel um Artur Sobiech, Stürmer von Polonia Warschau).

Wer sind die Stars?

Der letzte Spieler mit Starallüren ist in Hannover wohl Thomas Brdaric gewesen. Aktuell gibt es nicht diesen einen Spieler. Es gibt nur diese eine Mannschaft. So entschied sich Linksverteidiger Christian Schulz im Frühjahr gegen die Millionen aus Wolfsburg und für die familiäre Stimmung in Hannover. Auch den zuletzt umworbenen Spielern wie Torwart Ron-Robert Zieler, Mittelfeld-Sechser Manuel Schmiedebach oder Stürmer Ya Konan wird es bei diesem außergewöhnlichen Zusammenhalt nicht schwerfallen, auf die Millionen noch ein wenig zu warten.

Wer hat das Sagen im Verein?

Vor einem Jahr erweckte es den Anschein, als würden sich der Trainer und der Manager genau wegen dieser Frage in den Haaren liegen. Doch übergeordnet beansprucht Präsident Martin Kind ohne Wenn und Aber das letzte Wort. Das begriffen auch die beiden Streithähne und besprechen Meinungsverschiedenheiten seither unter vier Augen. Denn am Ende hätte sich der Präsident für einen der beiden entschieden. So macht er das schon seit Jahren.

Wie steht es um die Finanzen?

Allein ein Budget reichte letzte Saison nicht aus. Bereits im März war der geplante Prämienetat ausgeschöpft und musste aufgestockt werden. Doch generell wird seit dem Amtsantritt von Martin Kind seriös gewirtschaftet. Der Verein gibt nur so viel Geld aus, wie zur Verfügung steht bzw. der Präsident bereit ist dazuzugeben. In die neue Saison gehen die Niedersachsen mit einem Etat von 27 Millionen Euro und liegen damit im Ligavergleich im unteren Drittel.

Was erwarten die Fans?

Der heimische Anhang wurde in der vergangenen Spielzeit mit zwölf Heimsiegen verwöhnt. Am Ende sangen die Fans nur noch: „Erste Runde Bukarest, zweite Runde Rom!“ Denn nach 20 Jahren kann Zeugwart Mille Gorgas endlich auch wieder mitten in der Woche die Schraubstollen polieren und die Stadiontore öffnen. Und dann kommen nicht wie sonst die Grönemeyer-Fans zum Stadionrock. Nein. Dann kommen die Fußballfans und die Ü-Wagen, und dann kommen vielleicht tatsächlich Bukarest oder Rom.

Was ist in dieser Saison möglich?

Um ein weiteres Mal auf dem vierten Platz zu landen, müssten die anderen Mannschaften schon mitspielen. Beziehungsweise nicht mitspielen. Unter normalen Umständen ist ein solcher Lauf nicht zu wiederholen. Vereine wie Schalke 04 und der Hamburger SV, aber auch Kandidaten wie Werder Bremen, der VfL Wolfsburg und der VfB Stuttgart müssten Hannover 96 eigentlich wieder zurückdrängen ins Mittelfeld der Tabelle. Vielleicht gelingt zumindest mit den Nordrivalen eine dauerhafte Wachablösung. Wenn die Mannschaft an der Dreifachbelastung aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Europa League nicht zerbricht, sondern wächst, dann ist auch in dieser Spielzeit ein Platz unter den ersten acht Mannschaften möglich. Ansonsten fallen sie zurück ins Niemandsland der Tabelle.

Und sonst?

Hannover 96 geht wieder mit einer echten Nummer eins in die Saison. Und Ron-Robert Zieler ist nicht nur ein Torwart mit Potenzial für die Nationalmannschaft, er darf auch wieder die traditionelle Rückennummer des Tormanns tragen. Nach dem Tod von Robert Enke sollte die „1“ eigentlich nie wieder vergeben werden, doch Mirko Slomka holt die Ziffer nun zurück auf den Spielberichtsbogen.

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