Bundesligisten im Test (3) : Borussia Mönchengladbach wurde erweckt

Nach dem Nicht-Abstiegs-Wunder herrscht bei Borussia Mönchengladbach immer noch helle Freude. Nur ist es möglich, dass die Fan nun vielleicht zu viel erwarten.

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Bald wieder auf dem Bundesligarasen: die Mannschaft von Borussia Mönchengladbach.
Bald wieder auf dem Bundesligarasen: die Mannschaft von Borussia Mönchengladbach.Foto: dpa

Am 5. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir täglich Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Heute: Borussia Mönchengladbach.

Was hat sich verbessert?

In Mönchengladbach ist man schon froh, dass sich die Situation nicht verschlechtert hat. Bei normalem Lauf der Dinge hätte die Mannschaft schon am Wochenende den Spielbetrieb wieder aufgenommen – in der Zweiten Liga. Seit dem Winter war sie de facto abgestiegen, die Rettung in der Relegation gilt immer noch als Wunder und wird von den Verantwortlichen zu Recht als Akt der Gnade empfunden. Doch so aufreibend die Rückrunde am Abgrund auch gewesen sein mag, der glückliche Ausgang der Geschichte scheint den Klub aus dem Zustand der Lethargie gerissen zu haben. „Ich habe das Gefühl, dass unsere Jungs viel mitnehmen von diesen Erlebnissen“, sagt Sportdirektor Max Eberl. Das sollte als Verbesserung eigentlich reichen.

Wer hat das Sagen im Verein?

Stefan Effenberg jedenfalls nicht. Dass die Revolte des einstigen Fanlieblings krachend gescheitert ist, hat die Vereinsführung vor allem Trainer Lucien Favre und seiner erfolgreichen Mission Klassenerhalt zu verdanken. Der Schweizer hat sich damit en passant eine solide Machtposition geschaffen. Favre darf die Mannschaft nun in seinem Sinne verändern – sofern es die Finanzen zulassen (siehe unten). Das bedeutet: Wer nicht mindestens gehobene technische Fertigkeiten mitbringt, wird es schwer haben. Tobias Levels, der eher über den Kampf kommt, und Mohamadou Idrissou, bei dem Fußball schnell zum Glücksspiel wird, sind offiziell zum Verkauf freigegeben. Proteste gab es nicht.

Wer sind die Stars?

Neben Favre (siehe oben) und dem Beim-nächsten- Mal-klappt-es-bestimmt-Nationalspieler Marco Reus besitzt Torhüter Marc-André ter Stegen beste Perspektiven. Der 19-Jährige ist nach gerade sechs Bundesligaspielen von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke bereits in die Nähe der Nationalmannschaft gerückt worden. Ter Stegens Wert könnte sogar noch steigen: Wenn die Gladbacher ihre Probleme im Offensivspiel nicht beheben, wird der Erfolg in noch größerem Maße von ihrem Jung-Siegfried im Tor abhängen.

Wie steht es um die Finanzen? Was Klaus Wowereit sein „Arm, aber sexy“, ist bei den Gladbachern: „Wir sind nicht reich, aber gesund.“ In diesem Sommer aber sind leichte Bedenken am Wohlbefinden des Klubs aufgekommen, weil er zum ersten Mal seit Jahren nicht nennenswert in die Mannschaft investieren konnte. „Bei Transfers kommt es nicht darauf an, möglichst viel Geld auszugeben, sondern intelligent zu handeln“, sagt Geschäftsführer Stephan Schippers. Dass man aber nur bedingt von einer stringenten Einkaufspolitik sprechen kann, zeigt der Fall Yuki Otsu. Nach seinem Probetraining wurde der Japaner zunächst wieder nach Hause geschickt, jetzt kommt er doch, obwohl Favre nicht vollständig von ihm überzeugt war. Doch das muss nichts heißen. Bei Hertha befand der überanspruchsvolle Favre einst auch Ibrahima Traoré, Manuel Schmiedebach und den Testspieler Ivan Perisic für nicht gut genug.

Was erwarten die Fans?

Vielleicht zu viel. Die wundersame Rettung des Monsieur F. hat eine Euphorie ausgelöst, die in keinem Verhältnis zum realen Tabellenplatz der Vorsaison (zur Erinnerung: 16) steht. Die lange vorherrschende Wut auf das eigene Team ist einer Aufbruchstimmung gewichen. 27 500 Dauerkarten hat der Verein verkauft und damit sogar den Rekord aus der Saison 2006/07 übertroffen. Das ist ebenso bemerkenswert wie besorgniserregend: 2007 stieg der Verein zum zweiten Mal in die Zweite Liga ab.

Was ist in dieser Saison möglich?

Die Gladbacher haben das Ziel der vergangenen Saison auf Wiedervorlage gesetzt. Sie wollen das Wort Abstieg nicht mehr in den Mund nehmen, was ihnen im ersten Versuch nicht ganz so überzeugend gelungen ist. Dass Sportdirektor Eberl „endlich mal wieder die 40-Punkte-Marke knacken“ will, ist nach der Vorgeschichte durchaus ambitioniert, andererseits aber auch sehr bescheiden – wenn man die Rückrunde zum Maßstab nimmt. Da holte die Mannschaft 26 Punkte, mal zwei macht 52 und hätte für Platz sechs gereicht. Aber wie hat ein großer bayerischer Philosoph einmal gesagt: „Fußball ist keine Mathematik.“

Und sonst?

Mit 21 Jahren hat Dennis Dowidat nun endlich seinen ersten Profivertrag bei den Gladbachern unterschrieben. Dabei sollte der junge Mann längst ein Star sein. Die Borussen haben so sehr an den früheren Junioren-Nationalspieler geglaubt, dass sie in der U 15 seinem internen Konkurrenten, einem gewissen Lewis Holtby, nachdrücklich einen Vereinswechsel empfahlen. Weil Dowidat in der Folge aber mit langwierigen Verletzungen zu kämpfen hatte, ist die Geschichte etwas anders verlaufen als geplant.

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