Bundesligisten im Test (7) : VfB Stuttgart: Start ins Ungewisse

Beim VfB Stuttgart hat sich im Vergleich zur letzten Saison einiges verändert. Ob zum Positiven, muss sich allerdings erst noch zeigen.

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Nach oben offen. Labbadia (l.) und Bobic wollen zurück zu alten Erfolgen.
Nach oben offen. Labbadia (l.) und Bobic wollen zurück zu alten Erfolgen.Foto: dapd

Am 5. August startet die Fußball-Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir täglich Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Heute: VfB Stuttgart.

Was hat sich verbessert?

Das Stadion. Das Bauwerk, das 1933 als Adolf-Hitler-Kampfbahn das Licht der Welt erblickte, ist endlich keine Baustelle mehr, sondern ist für rund 60 Millionen Euro in ein reines Fußballstadion umgebaut worden. Die Fans trennen nur wenige Meter vom Feld.  Sogar aus der Herren-Toilette in der Cannstatter Kurve kann man noch auf das Spielfeld blicken.

Wer sind die Stars?

Ob der champions-league-erfahrene Däne William Kvist in eine derartige Rolle hineinwachsen kann, muss sich zeigen. Da Christian Träsch für rund acht Millionen Euro nach Wolfsburg wechselt, bleibt diese Rolle an Cacau, Tamas Hajnal und Shinji Okazaki hängen – die alle kaum Starpotential besitzen. Zdravko Kuzmanovic muss seinen Aufwärtstrend zum Ende der vergangenen Saison bestätigen. Torwart Sven Ulreich wird genug zu tun haben, die wacklige Abwehr zu organisieren.

Wer hat das Sagen im Verein?

Das ist die große Streitfrage, die den Klub noch eine Weile begleiten wird. Der neue Präsident, Gerd Mäuser, muss schnell an Profil gewinnen und dabei auf sportliche Erfolge hoffen. Viele in Stuttgart sind weiter der Meinung, Aufsichtsratschef Dieter Hundt regiere eigentlich den Klub. Er hatte Mäuser als Nachfolger von Erwin Staudt durchgesetzt. Der ehemalige Porsche-Manager Mäuser will die kritischen Fans zurück ins Boot holen. Arbeitgeberpräsident Hundt sollte seinen Kurs als kompromissloser Hardliner aufgeben, sonst droht dem Klub in einem Jahr neuer Ärger bei der nächsten Mitgliederversammlung. Positiv für den VfB: Manager Fredi Bobic hat stark an Profil gewonnen.

Wie steht es um die Finanzen?

Bobic muss den Sparkurs des Vorstandes und Aufsichtsrates umsetzen, der ihm wenig Spielraum lässt. Der VfB ist gesund, muss aber das neue Stadion bezahlen und ohne Einnahmen aus einem internationalen Wettbewerb auskommen. Deshalb wurde der Etat von rund 65 Millionen Euro auf rund 50 Millionen zurückgefahren.

Was erwarten die Fans?

Die Fangemeinde ist in zwei Lager gespalten. Nach der teilweise niveaulosen Mitgliederversammlung stehen sich die Fraktion der Gegner von Aufsichtsratschef Hundt und der moderatere Teil (Hundt-Fans dürfte es wenige geben) misstrauisch gegenüber. Das Selbstverständnis des schwäbischen Fußballfans beinhaltet normalerweise eine internationale Beteiligung des VfB, nach der schwachen Saison sind die Erwartungen vorerst gedämpft – ein Fehlstart könnte für neue Unruhe sorgen. Es ist auch für den Anhang schwer einzuschätzen, was die Mannschaft leisten kann.

Was ist in dieser Saison möglich?

Offiziell wird von einem Jahr der Konsolidierung gesprochen. Manager Fredi Bobic weigert sich, ein konkretes Saisonziel auszugeben. Auch ihm sitzt die vergangene Horror-Saison noch in den Knochen, in der der Abstieg knapp vermieden werden konnte. Ziel ist Konstanz und nicht wieder eine so schwache Vorrunde wie in den vergangenen drei Jahren.

Und sonst?

Hansi Müller kehrt zurück. Diesmal in den Aufsichtsrat. Eine sinnvolle Maßnahme. Müller verfügt über ein großes Netzwerk und besitzt integrative Kraft, die das unruhige Innenleben des VfB befrieden helfen könnte.

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