• Bundespräsident im Interview: Horst Köhler für gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern

Bundespräsident im Interview : Horst Köhler für gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern

Bundespräsident Horst Köhler hat sich im Gespräch mit der Paralympics-Zeitung des Tagesspiegel dafür ausgesprochen, dass Kinder mit und ohne Behinderung in Deutschland möglichst an Regelschulen gemeinsam unterrichtet werden.

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"Dazu verpflichtet auch das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Hier ist ein Umdenken im Gange, das den Forderungen und Wünschen vieler Eltern und Schüler entspricht", sagte Köhler der Paralympics-Zeitung des Tagesspiegel, die am 18. März dem gedruckten Tagesspiegel sowie der "Zeit" und dem "Handelsblatt" beiliegt.

Dennoch halte er es aber für richtig, dass diese Regel "natürlich auch Ausnahmen kennen darf", sagte Köhler. "Ich denke, wir sind dabei, das Können und Engagement unserer qualifizierten Förderpädagogen künftig deutlich mehr als bisher für den gemeinsamen Unterricht an Regelschulen zu nutzen", sagte Köhler.

Der Bundespräsident äußerte sich im Interview anlässlich der Paralympics in Kanada noch bis zum 21. März. Er engagiere sich für den Behindertenport, "weil ich helfen will, dass den Paralympioniken die öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wird, die sie verdienen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen selbstverständlich ist." Köhler habe bei seinen Besuchen stets erfahren, dass " Olympische Spiele und Paralympics beide sportliche Spitzenleistungen bieten. Aber bei den Paralympics geht es immer noch einen Tick fröhlicher, unverbrauchter, ja familiärer zu."


Köhler freue sich darüber, "dass die Berichterstattung von Spitzenereignissen im Behindertensport in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat.

Die paralympischen Spitzensportler machen anderen Menschen mit Behinderung Mut, den Weg zum Sport zu finden und ihr Leben aktiv zu gestalten. Mich haben der Wille und die Lebensfreude der Sportler angefasst. Davon kann man lernen:  Es geht um die Bewältigung schwieriger Lebenssituationen. Wie man sich nicht fallen lässt, wie man sich Ziele setzt."


Köhler war seit Athen  2004 das erste deutsche Staatsoberhaupt, das sowohl die Olympischen als auch die Paralympischen Spiele besuchte. In Kanada könne er leider wegen Terminproblemen nicht anwesend sein.


Für die dreisprachige Paralympics-Zeitung des Tagesspiegel, die in Deutschland und Kanada erscheint, und die er sonst immer persönlich besuchte, gab Köhler den Schülerredakteuren ein Interview. Auf die schulische Laufbahn seiner Tochter Ulrike, die als Teenager aufgrund einer Krankheit erblindete und ihr Abitur auf der Blindenstudienanstalt Blista in Marburg absolvierte, angesprochen, sagte der Bundespräsident:  "Wir waren froh, dass es die Blista gab. Die Regelschule meiner Tochter war leider auf einen Fall wie ihren überhaupt nicht eingestellt. Und meine Tochter sieht ihren Aufenthalt in der Blista sehr positiv. Dennoch halte ich es für richtig, dass Kinder mit und ohne Behinderung möglichst gemeinsam an einer allgemeinen Schule lernen, als Regel, die natürlich auch Ausnahmen kennen darf."

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