Sport : Bundespräsident Rau nennt Folgen der Kommerzialisierung grotesk

Beim Festakt anlässlich seines 100. Gründungstages in Leipzig erhielt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) viel Lob, aber auch Tadel. Bundespräsident Johannes Rau würdigte in seiner Festrede die herausragende Rolle des Fußballs in der Gesellschaft, warnte aber zugleich besorgt vor Fehlentwicklungen. "Fußball ist eine gesellschaftliche Tatsache ersten Ranges", sagte Rau vor 1200 Gästen im Gewandhaus und betonte die "enorme soziale Bedeutung des Fußballs". Vor dem Hintergrund fortschreitender Kommerzialisierung nahm Rau eine Forderung von DFB-Präsident Egidius Braun auf, die an Fifa-Präsident Joseph Blatter gerichtet schien. "Macht den Fußball nicht kaputt", sagte das Staatsoberhaupt. "Das große Geld, das verdient wird, hat den Fußball schon entscheidend verändert. Ich hoffe, es wird ihn nicht so verändern, dass wir ihn bald nicht mehr wiedererkennen können", meinte Rau. Manche Folgen der Kommerzialisierung halte er für "grotesk". Es wäre der falsche Weg, einen attraktiven Wettbewerb wie die WM wie von Blatter geplant, alle zwei statt alle vier Jahre durchzuführen. Kritisch nahm der Bundespräsident auch die Fußball-Profis ins Visier: "Ich weiß nicht, ob es den jungen Millionären immer klar genug ist, aber sie tragen auch Mitverantwortung für hunderttausende junge Menschen."

Bundeskanzler Gerhard Schröder, der vor dem Festakt mit Braun den Grundstein für den Umbau des Leipziger Zentralstadions in eine moderne Arena für die WM 2006 gelegt hatte, sagte, dass der größte nationale Sportfachverband der Welt "vor allem in den vergangenen 50 Jahren eine geradezu unglaubliche Erfolgsgeschichte geschrieben hat".

Fifa-Präsident Blatter sagte, dem DFB "gebührt ein dickes Lob. Im Klartext: Toll gemacht, weiter so". Das Kürzel DFB könne anders interpretiert werden: "Deutscher Fußball bewegt". DFB könne auch bedeuten "Dynamik, Fairplay, Begeisterung".

DFB-Chef Braun dankte für die Unterstützung der Politik bei der DFB-Bewerbung um die WM 2006, die am 6. Juli vergeben wird. "Wir wissen, dass wir uns auf Sie verlassen können", sagte Braun zu Schröder.

0 Kommentare

Neuester Kommentar