Sport : Bundestrainer auf Abruf

Michael Warm coacht die deutschen Volleyballer

Karsten Doneck

Berlin - Alles begann wie üblich. Stelian Moculescu gab die Kommandos, die Spieler gehorchten. Doch nach der ersten Trainingseinheit des Lehrgangs in der Sportschule Kienbaum nahm der Volleyball-Bundestrainer seinen Assistenten Michael Warm beiseite und eröffnete ihm in wenigen Worten, dass er, Michael Warm, die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft bis Mitte Juni allein durch die ersten Spiele der Europaliga führen müsse. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, sagte ein überraschter Michael Warm. Und packte die Sache sogleich an: In den ersten vier Spielen der Europaliga unter seiner Führung schnitt das deutsche Team mit zwei Siegen, darunter ein 3:2 gegen die starken Niederländer, und zwei Niederlagen gar nicht mal schlecht ab.

Hoffnungen, auf Dauer Bundestrainer zu bleiben, braucht sich Warm aber nicht zu machen. Stelian Moculescu, zugleich auch Vereinstrainer beim Deutschen Meister VfB Friedrichshafen, wird nach seiner selbstgewählten Auszeit zur Nationalmannschaft zurückkehren. Er hatte lediglich für sich geltend gemacht, dass er nach einer überaus strapaziösen Saison nun restlos erschöpft sei, er brauche jetzt einfach mal drei, vier Wochen Pause, zumal auch noch wegen einiger familiärer Probleme zu Hause bei ihm Klärungsbedarf besteht. Um sich nicht noch mehr aufzuhalsen, hat er unlängst sogar ein höchst lukratives Angebot, beim italienischen Spitzenklub Sisley Treviso als Trainer anzuheuern, abgelehnt.

Auf Moculescu warten auch in der Heimat genügend Herausforderungen. Im September finden in Moskau die Europameisterschaften statt, und dann will der gebürtige Rumäne die deutsche Nationalmannschaft unbedingt zu den Olympischen Spielen nach Peking führen. Und sein Klub, der VfB Friedrichshafen, tritt in der Champions League auch noch als Pokalverteidiger an.

Michael Warms Dienstzeit als Bundestrainer dauert also voraussichtlich nur vier Wochen. Aber er ist ja ohnehin „hauptberuflich“, wie er selbst sagt, Trainer beim Bundesligisten SC Charlottenburg. Der Verein unterstützt seine derzeitige Nebentätigkeit nach Kräften. „Dass er jetzt bei der Nationalmannschaft ist, schadet nicht. Andere Spieler, andere Länder, andere Taktiken - das erweitert nur den Erfahrungsschatz“, sagt SCC-Manager Kaweh Niroomand. Verwundert waren die Charlottenburger allerdings darüber, dass es vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV) keinerlei Anfrage gab, ob der Verein überhaupt bereit sei, Warm als Bundestrainer freizustellen. „Der Verband macht nichts ordentlich, auch das nicht“, grollt Niroomand.

Warm wird in seiner begrenzten Zeit als verantwortlicher Bundestrainer nicht gleich alles umkrempeln, obwohl Moculescu und er recht unterschiedlich sind. „Er lebt vom Bauch her, ich mehr vom Kopf her“, sagt Warm. Und fügt dann hinzu: „Sicher kopiere ich ihn nicht, das geht gar nicht. Aber ich mache auch keine Dinge, die Stelians Philosophie zuwiderlaufen.“ Ein bisschen bringt Warm aber trotzdem seinen eigenen Stil ein, denn: „Ich kann mich ja nicht verbiegen und jetzt den ,kleinen Stelian’ mimen.“

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