Sport : Bundestrainer Heß setzt auf Martin Schmitt

Die Organisatoren in Oberstdorf sind heilfroh, daß Orkan "Lothar" keine größeren Schäden angerichtet hat

Die schlimmsten Befürchtungen der Organisatoren des Auftaktspringens der 48. Vierschanzentournee am Mittwoch (13.45 Uhr/live im ZDF) in Oberstdorf haben sich nicht bewahrheitet: Lediglich zehn bereits aufgeflaggte und im Sturm abgeknickte Fahnenmasten aus Holz im Schattenberg-Skistadion mussten ersetzt, einige abgerissene Planen und Transparente wieder befestigt werden. Mehr richtete der Ausläufer des Orkans "Lothar" nicht an. Schadlos überstanden auch die deutschen Springer um den Topfavoriten Martin Schmitt aus Furtwangen die Wetterkapriolen an den Weihnachtsfeiertagen. "Alle sind gesund und munter", sagte Kotrainer Wolfgang Steiert, "allerdings hatten wir im Schwarzwald längere Zeit Stromausfall und saßen im Dunkeln."

Doppel-Weltmeister Schmitt, der als Favorit auf den Gesamtsieg gilt, schwitzte unter Steierts Aufsicht am Montagmorgen in Hinterzarten noch einmal im Kraftraum, um für die anstrengenden Tage gewappnet zu sein. Steiert: "Ernst war es schon die ganze Saison. Sicher werden wir Martin vor dem Medienrummel ein wenig zurücknehmen."

"Schanze und Tribüne sind in Ordnung, denen kann so ein Sturm nichts anhaben. Die Tournee kann beginnen", sagte Hans Schmid, Geschäftsleiter des Skiklubs Oberstdorf. Der Sachschaden im Skistadion beträgt schätzungsweise knapp 10 000 Mark. Das offizielle Training und die Qualifikation am heutigen Dienstag können wie geplant stattfinden. Vor dem ersten Springen konnte bereits ein Rekord gemeldet werden: Zum ersten Mal in der 48 Jahre langen Geschichte der Vierschanzentournee ist der Auftaktwettbewerb in Oberstdorf bereits im Vorfeld ausverkauft. "Wir haben keine einzige Karte mehr", sagte Schatzmeister Ernst Mayer vom Skiklub Oberstdorf. Insgesamt gingen 15 000 Tickets in den Verkauf.

Neben Martin Schmitt gelten vor allem Titelverteidiger Janne Ahonen aus Finnland und der Österreicher Andreas Widhölzl als heiße Anwärter auf den Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee. Das Duo will den bei der letzten Tournee nach seinem Doppelsieg in Deutschland in Österreich mit seinen Nerven kämpfenden Schmitt erneut aus dem Konzept bringen. "Bei der letzten Tournee war der Druck für Martin zu groß, mal sehen, wie er es diesmal packt. Für mich ist es besser, dass die Springen in Deutschland und nicht in Finnland stattfinden", sagt der dreimalige Weltmeister Ahonen. Im vergangenen Winter schnappte er dem Deutschen den greifbar nahen Sieg in Bischofshofen noch weg. Schmitt revanchierte sich anschließend mit zweimal WM-Gold an gleicher Stelle und dem Gewinn des Gesamtweltcups, den er Ahonen noch beim Finale entriss. Jetzt liegt der 22 Jahre alte Finne, der wegen seines Vollgesichtshelms und des starren Gesichtsausdrucks "die Maske" genannt wird, wieder in Lauerposition. Beim letzten Weltcup in Zakopane belegte er zweimal Rang zwei hinter Doppelsieger Schmitt. Ahonen: "Aber ich kann mich noch steigern."

Als möglichen deutschen Anwärter auf Plätze auf dem "Stockerl" sieht Cheftrainer Reinhard Heß aber auch den wieder erstarkten Sven Hannawald, auch wenn er natürlich vor allem auf Schmitt setzt. "Zwei von uns können aufs Treppchen springen", sagte der Bundestrainer. Ähnliche Erwartungen haben die ausländischen Trainer. Bei einer Umfrage nannten sieben von acht Trainern als ersten Sieg-Anwärter Martin Schmitt, der zudem auch bei den Sportwetten-Anbietern als 1:1,7-Favorit genannt wird. Doch kein Trainer ließ den Namen Schmitt allein stehen.

Von seiner ursprünglichen Idee, "Schmitt die Ski abzusägen", um selbst zum Erfolg zu kommen, ist der Österreicher Andreas Goldberger abgerückt, stattdessen hofft der zweimalige Tournee-Gesamtsieger, "dass bei mir der Knopf aufgeht". Allerdings räumt ihm nicht einmal sein Trainer Alois Lippburger große Chancen ein: "Ich bin zu 95 Prozent sicher, dass der Sieger Schmitt, Ahonen oder Widhölzl heißt."

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