Sport : Bundestrainer holt den Berliner Robert Huth

Raphael Honigstein[London]

Spät am Sonntagabend klingelte bei Robert Huth das Telefon. Es war der Zeugwart des FC Chelsea, der ihn über seine Berufung in die deutsche Nationalmannschaft informierte. „Ich bin morgens ins Flugzeug gestiegen. Jetzt bin ich in Frankfurt auf dem Weg ins Mannschaftshotel und weiß noch gar nicht, wie es weitergeht“, sagte der Innenverteidiger. „Ich hatte zwar immer gehofft, dass es eines Tages mit der Nationalmannschaft klappen würde, aber das es so schnell gehen würde, hätte ich nie gedacht. Außerdem ist das ein wunderbares Geburtstagsgeschenk.“ Am Mittwoch wird Robert Huth 20 Jahre alt. Freunde, Freundin und Familie werden nach Wien zur Feier des Tages einfliegen. Huth hofft, „ein, zwei Minuten“ gegen die Österreicher mitspielen zu dürfen.

Die Einladung von Jürgen Klinsmann ist der vorläufige Höhepunkt einer jungen Karriere, die beim 1. FC Union in Berlin begann. Nach einem U-16-Länderspiel wurde Huth im Winter 2000 von einem Späher des FC Chelsea entdeckt; der 1,87 Meter große Mann, in London auch als „die Berliner Mauer“ bekannt, überzeugte im Probetraining und bekam einen Profivertrag. Im Mai 2002 gab er sein Debüt in der Premier League, bis heute hat er in der Star-Mannschaft von Roman Abramowitsch 27 Spiele bestritten, 20 davon in der vergangenen Saison. Die Schuhe seiner Kollegen muss er, anders als in den Anfangsmonaten, nicht mehr putzen. Obwohl auch in diesem Sommer mit Ricardo Carvalho (30 Millionen Euro) und Paulo Ferreira (20 Millionen, beide FC Porto) zwei teure Spitzenspieler für die Abwehr an die Stamford Bridge geholt wurden, genießt Huth die Wertschätzung des neuen Trainers José Mourinho. Während der EM wurde sein Vertrag zu erheblich besseren Konditionen bis 2008 verlängert, Newcastle und Aston Villa hätten ihn gerne verpflichtet. Beim Auftaktsieg gegen Manchester United am Sonntag fehlte der Stopper allerdings. Nach einer Roten Karte in der abgelaufenen Spielzeit ist er noch gesperrt.

Lange Zeit fühlte sich Huth vom Deutschen Fußball-Bund stiefmütterlich behandelt. In der U-20-Nationalelf spielten Amateure mit, doch niemand kam nach London, um ihn spielen zu sehen. Bei der verkorksten U-21-EM im Juni war er jedoch einer der wenigen Gewinner, und auch wenn er zu bescheiden ist, es zuzugeben, schielt er auf die WM 2006. Die Bundesliga ist derzeit kein Thema für ihn. Huth fühlt sich „fast schon wie ein Engländer“, er schaut lieber Rugby als die Sportschau. „Nur dass es hier keinen guten Döner gibt, nervt ein bisschen.“ Vielleicht konnte der Roomservice im deutschen Mannschaftsquartier in Gravenbruch hier weiter helfen.

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