Bundestrainer Löw : Lamentieren heißt verlieren

Joachim Löw erwartet eine WM unter erschwerten Bedingungen. Der Bundestrainer hat in den vergangenen Wochen immer wieder von den Herausforderungen berichtet, die europäischen Mannschaften in Brasilien zu bewältigen haben.

Nicht gerade einfach. Joachim Löw soll mit Deutschland in Brasilien siegen.
Nicht gerade einfach. Joachim Löw soll mit Deutschland in Brasilien siegen.Foto: dpa

Endlich wird es konkret für Joachim Löw. Mit dem Flug nach Salvador do Bahia an der brasilianischen Atlantikküste hat am Dienstag für den Bundestrainer die Mission WM-Titel 2014 begonnen. Für Löw ist zwar Gastgeber Brasilien der Favorit bei der Weltmeisterschaft im kommenden Sommer. Seine Mannschaft werde aber alles daran setzen, nach 18 Jahren wieder einen Titel nach Deutschland zu holen. „Die Spieler kämpfen verbissen darum. Sie sind ehrgeizig, das zu erreichen. Aber Weltmeister zu werden ist nicht gerade das Einfachste auf der Welt“, sagte Löw.

„Wer denkt, wir Deutschen müssen nur an den Zuckerhut fliegen und einfach den WM-Pokal abholen, verkennt die Situation“, warnte der Bundestrainer. „Es muss alles passen. Die Spieler müssen in einer hervorragenden Form sein. Wir müssen es schaffen, dass wir uns in den drei, vier Wochen Vorbereitung richtig einspielen. Dann müssen wir von Verletzungen verschont bleiben in den Monaten davor. Dazu braucht man das Quäntchen Glück.“ Die intensive Gegner-Vorbereitung soll unmittelbar nach der Auslosung an diesem Freitag in Costa do Sauipe beginnen.

Schon in der Vorrunde droht den Deutschen eine schwere Gruppe. „Aber es ist wie 2012 bei der EM, als wir auch drei starke Gegner in der Vorrunde hatten“, sagt Löw. „Manchmal ist es auch ein Vorteil, wenn du von Anfang an gleich in dem Turnier voll drin bist und die Konzentration hochfährst.“ Anders als vor acht oder zwölf Jahren könne man nicht mehr davon ausgehen, dass man in der WM-Vorrunde zwei oder sogar drei relativ einfache Gegner bekomme. „Man kann es sich eh nicht aussuchen“, sagt Nationalspieler Thomas Müller. Im schlimmsten Fall könnte Deutschland auf Italien, Holland oder England treffen sowie unbequeme Kontrahenten wie die Elfenbeinküste, Chile oder die USA.

Als klaren Favoriten sieht Joachim Löw seine Mannschaft ohnehin nicht. Diese Rolle kommt eher dem Gastgeber zu. „Zuletzt hat mich Brasilien beim Confed-Cup sehr beeindruckt. Gute Defensivarbeit, Ordnung, Organisation – das sieht man neben aller individuellen Klasse“, sagt der Bundestrainer. „Dazu bringen die Brasilianer im Vergleich zu den vorangegangen Jahren auch eine sehr gute Physis mit.“ Trotz der Vorteile für den Gastgeber freut sich Löw auf das Turnier in Brasilien: „Es wird nirgendwo Fußball intensiver gelebt und geliebt als in Brasilien.“ Das Land habe eine riesengroße Fußballgeschichte. „Schon die fünf WM-Titel sprechen eine klare Sprache. Man kennt ja die Bilder im Fernsehen, wenn die Kinder dort sozusagen mit dem Ball am Fuß aufwachsen“, schwärmt Löw. „Fußball hat bei den Menschen wahrscheinlich den höchsten Stellenwert nach der Religion.“ Und eine Weltmeisterschaft setze dem noch die Krone auf.

Der Bundestrainer hat in den vergangenen Wochen immer wieder von den besonderen Bedingungen in Brasilien berichtet – und auch vor den Herausforderungen, die gerade europäischen Mannschaften auf dem fremden Kontinent zu bewältigen haben. Löw sprach von einer Urgewalt; Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft, hat es als „Ding der Unmöglichkeit“ bezeichnet, in Brasilien den WM-Titel zu holen. Zumindest historisch ist dieser Schluss zulässig: Vier WM-Endrunden sind bisher in Südamerika ausgetragen worden, vier Mal gewann eine südamerikanische Mannschaft.

Allen Schwierigkeiten zum Trotz fordert der Bundestrainer von seinen Spielern, dass sie die Bedingungen in Brasilien ohne Lamentieren annehmen. „Lamentieren heißt verlieren“, sagt Joachim Löw. „Es werden viele Dinge kommen, die wir nicht gewohnt sind. Wenn man da mit dem Schicksal hadert, sich ärgert und das vielleicht aufs Spielfeld überträgt, dann hat man schon verloren. Mit einer solchen Einstellung kann man nicht Weltmeister werden.“ (dpa)

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