Sport : Bundestrainer-Suche: Auch Heynckes scheidet aus

Die Bundestrainer-Suche entwickelt sich immer mehr zu einem Nervenkrieg der beiden deutschen Spitzenvereine aus München und Leverkusen - mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) als ohnmächtigem Zuschauer. Nachdem Ottmar Hitzfeld wie zuvor Christoph Daum seine Bereitschaft signalisiert hatte, die Nachfolge von Erich Ribbeck anzutreten, beide aber von ihren Vereinen zurückgepfiffen wurden, ist nun von einer Zwischenlösung die Rede. Leverkusens Manager Reiner Calmund kommentierte: "Wenn alle Denkmodelle scheitern, sind wir bereit für eine Notlösung." Dann müsste in der Übergangsphase ein Struktur greifen, in die Christoph Daum oder auch Ottmar Hitzfeld eingebunden seien. Bayern Münchens Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge, in Calmunds Modell als Teamdirektor vorgesehen, wiegelte bereits ab. "Ottmar Hitzfeld ist nicht interessiert an dem Posten, das hat er mir selbst heute Morgen am Telefon gesagt", behauptete Rummenigge.

Zuvor hatte Hitzefeld erklärt: "Aus meiner Sicht gibt es nur eine Lösung, dass Christoph Daum das sofort übernimmt. Denn er macht es 2001 sowieso." Damit machte der Bayern-Coach nach Gesprächen mit den DFB-Vizepräsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder und Franz Beckenbauer eine bereits getroffene Vorentscheidung des DFB publik. Gestern verschickte der unter großen Druck geratene deutsche Rekordmeister ein öffentliches Fax: "Der FC Bayern und sein Trainer erklären hiermit definitiv, dass Ottmar Hitzfeld nicht für die Position des deutschen Bundestrainers zur Verfügung steht." Hitzfeld hätte zu keinem Zeitpunkt vorgehabt, seine Tätigkeit vorzeitig zu beenden.

So wird derzeit die Variante wieder am heißesten gehandelt: Daum wird ein Jahr Bundestrainer und Vereinstrainer in Doppelfunktion und ab 1. Juli 2001 ausschließlich Bundestrainer. "Und ich betone noch mal, vom FC Bayern bekommt er jede Unterstützung", erklärte Rummenigge. Hitzfeld hatte eine von Bayer Leverkusen vorgeschlagene "große Trainer-Koalition" mit Daum als "praxisfremd" ebenso abgelehnt wie eine Übergangslösung als Vereins- und DFB-Trainer: "Das geht auch nicht. Das Amt des Bundestrainers ist zu wichtig."

Calmund warf dem DFB vor, die Verpflichtung von Daum verschlafen zu haben. "Mit Daum ist es wie mit einem Topmann von Mitte 40 in der Industrie - den kriegst du auch nicht in drei Monaten. Dafür muss man länger arbeiten." Calmund bestätigte nochmals, dass er mit dem 46 Jahre alten Fußball-Lehrer eine Freigabeklausel vereinbart hatte: "Das ist richtig. Dafür hätte der DFB sich bis zum Januar melden müssen. Diese Frist hat er verstreichen lassen."

Jupp Heynckes, der ebenfalls als Nachfolger Ribbecks im Gespräch ist, hat sein Interesse am Amt des Bundestrainer bestätigt, sieht aber keine Chance auf eine Freigabe durch seinen Verein Benfica Lissabon. "Mich würde die Aufgabe reizen. Nur habe ich einen Vertrag in Lissabon, und der läuft noch ein Jahr", erklärte Heynckes in einem "Spiegel"-Interview und fügte hinzu: "Ich habe hier gerade mit dem Präsidenten ein neues Konzept entworfen. Wir haben uns von 14 Spielern getrennt und 40 Millionen in die neue Saison investiert. Was glauben Sie, was der mir sagt, wenn ich jetzt gehen wollte? Der würde mich wahrscheinlich verklagen, und das zu Recht."

Calmund brachte als Übergangslösung Franz Beckenbauer ins Gespräch: "Franz wäre der idaele Kandidat für zwei Jahre." Ein Vorschlag, über den der "Kaiser" sicher wenig begeistert war: Vorsorglich hatte er angedroht, jeden zu erschießen, der seinen Namen ins Gespräch bringe. Außerdem gibt es die kuriosesten Vorschläge. Engelbert Nelle hat Holger Osieck als Bundestrainer vorgeschlagen, vergaß dabei aber offensichtlich, dass der ehemalige Beckenbauer-Assistent als Vereinstrainer in Bochum und in der Türkei gescheitert war. Als weiteren Kandidaten brachte DFB-Trainer Erich Rutemöller Jürgen Klinsmann ins Gespräch: "Jürgen Klinsmann hat kürzlich seine Fußballlehrer-Ausbildung erfolgreich absolviert und ist ein sehr erfahrener Spieler."

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