Sport : Bundestrainer-Suche: Muss man Deutscher sein für diesen Job?

cc/ndo

Der Deutsche Fußball-Bund sucht und findet nicht. Hitzfeld, Daum, Heynckes - alle Wunschkandidaten für den Job des Bundestrainers haben abgesagt. Andere Namen kommen ins Gespräch: Gress, Trapattoni, van Gaal. Sollte der DFB jetzt, zum ersten Mal in seiner 100-jährigen Geschichte, einen ausländischen Fußballlehrer für seine Nationalmannschaft engagieren?



Franz Beckenbauer sagt, dass es keinen leichteren Job gebe als den des Bundestrainers. Recht hat er. Der Bundestrainer ruft die besten Fußballspieler des Landes zusammen, entscheidet über eine Vierer-Abwehrkette oder den Zwei-Mann-Sturm und macht sich über den nächsten Gegner, der angeblich immer der schwerste ist, sachkundig. Muss das ein Deutscher sein? Nein, muss er nicht.

Es muss ja nicht Giovanni Trapattoni sein. An der von ihm bevorzugten Betonmauer würden zwar sicher die Angriffe des Gegners abprallen, doch von Mauern haben wir genug. Und Trapattoni versteht sowieso kaum einer. Da könnten sich die Auserwählten immer rausreden, sie hätten ihn falsch verstanden. Die Gefahr besteht bei Johan Cruyff, Louis van Gaal und Gilbert Gress nicht. So ganz nebenbei würden sie den müden deutschen Fußballern das einhauchen, was sie am nötigsten brauchen: Esprit. Auf dass diese endlich begreifen, dass es außer Standfußball noch was anderes gibt.

Wäre noch die Sache mit dem Nationalstolz zu klären. Soll man vom Trainer fordern, was für die Spieler ein Fremdwort ist? Diese Zweckgemeinschaft kann auch ein Ausländer dirigieren. Das Risiko ist ohnehin gering. Schlechter kann es nach dieser Europameisterschaft nicht mehr kommen. Abgewirtschaftet hat der deutsche Fußball zuletzt unter zwei - Deutschen. Neue Gesichter braucht das Land.



Ein Ausländer als Bundestrainer? Vielleicht gar eine Kampagne "Inder statt Sir Erich"? Die Leute, die jetzt einen Ausländer als Bundestrainer fordern, tun geradewegs so, als sei mit dem Tode von Sepp Herberger und Helmut Schön hier zu Lande ein ganzer Berufsstand ausgestorben. Dem ist mitnichten so. Die Trainerausbildung in Deutschland zählt nach wie vor zu den besten weltweit. Wenn aus dieser Schule nicht wenigstens einer hervorgeht, der auch fähig ist, das Amt des Bundestrainers zu besetzen, dann kann der DFB wirklich einpacken.

Ein Argument der Befürworter eines ausländischen Trainers lautet ja immer, dass der deutschen Nationalmannschaft etwas internationales Flair, eine andere Mentalität bei der Herangehensweise an ihre Probleme gut tun würde. Wie fadenscheinig. Christoph Daum, Jupp Heynckes, Otto Rehagel - haben die nicht im Europapokal oder zum Teil durch ihre Tätigkeit im Ausland genügend Erfahrung über den eigenen Tellerand hinaus gesammelt?

Oder die Stilfrage. Deutschland spiele zu bieder Fußball, zu kraftmeierisch. Der Vorwurf mag berechtigt sein, aber kann solchem Missstand nicht auch ein deutscher Trainer abhelfen. Der Hamburger SV hat zum Beispiel in der vorigen Saison - bis auf eine kurze schlappe Phase zum Ende hin - den attraktivsten Fußball der Bundesliga gespielt. Offensiv, schnell, geradlinig. Verantwortlich dafür als Trainer: Frank Pagelsdorf, ein gebürtiger Hannoveraner. Von seiner Sorte gibt es mehr in deutschen Landen: Volker Finke, Ewald Lienen, Ralf Rangnick, Jürgen Röber. Warum also in die Ferne schweifen, der Gute ist doch so nah.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben