Sport : Bunter Drachen, hoch am Himmel

Robert Hartmann

Eberstadt. Schreckgespenster machen der deutschen Leichtathletik schwer zu schaffen. Sie tragen Namen wie "Randsportart" und "Meetingsterben". Mit den Sportfesten verschwinden die Sportler. In Eberstadt haben sie die Beschreibung vom schleichenden Niedergang auch gelesen, und sie fanden die Zeit günstig, gerade jetzt die Medien in die 3000-Einwohner-Gemeinde bei Heilbronn zu bitten. Denn nichts ist eindrucksvoller, als in einer allgemeinen Flaute einen bunten Drachen hoch in den Himmel steigen zu lassen.

"Wir erhöhen den Etat von 200 000 Mark vom vorigen Jahr auf 200 000 Euro" - für die Veranstaltung am 17./18. August. Der Chef des neuen Trägervereins, Harry Brunnet, sprach nonchalant. Martschreierei gehört sich an Plätzen nicht, wo jeder jeden kennt. Er ist der Bürgermeister der Nachbargemeinde Hardthausen und nebenbei noch für die regionale Wirtschaftsförderung verantwortlich.

Im Augenblick überblickt er in seinem neuen Amt neben 38 Einzel- schon 16 Firmenmitgliedschaften. Weitere kündigte er an. "Das Meeting Eberstadt ist ein hervorragendes Produkt", sagt Brunnet. Allein eine Zeitungsauswertung ergab für das Ereignis 2001 500 Veröffentlichungen bei einer Auflage von 16,6 Millionen Exemplaren. Die Sponsoren wurden in vier Kategorien eingeteilt, und allen ist ein zweitägiges Hochsprung- und Dorffest versprochen worden.

Eberstadt ist Hochsprung. Den Ruf dieses Solitärs in der deutschen Sportlandschaft begründete Peter Schramm, ein Sport- und früherer Religionslehrer vom Ort. Im Sommer 1978 begann er, die besten deutschen Flopper in die Weinbaugemeinde zu holen, und nur zwölf Monate später ging der Name schon um die ganze Welt, als Carlo Thränhardt, Dietmar Mögenburg und Gerd Nagel im Formationsflug über 2,30 m kreuzten, vier Zentimeter überm damaligen nationalen Rekord und nur vier Zentimeter unterm Weltrekord. Eine neue Ära begann, sie gipfelte in Mögenburgs Olympiasieg in Los Angeles 1984.

Weltklasse in der deutschen Provinz, in Eberstadt funktioniert es seit 23 Jahren, und plötzlich starten sie noch einmal neu durch: sogar mit einem weiteren Wettbewerb, nämlich dem Hochsprung der Frauen am Samstag. Die schwedische Hallenweltmeisterin Kajsa Bergqvist "hat gejubelt, als ich sie einlud", erzählte Schramm. Bei den Hallen-Europameisterschaften in Wien gewannen Bergqvists Landsleute Staffan Strand und Stefan Holm Gold und Silber. Natürlich wollen auch sie nach Eberstadt kommen.

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