Sport : Burschi, Perego und die Molli

Benedikt Voigt

Es gibt im deutschen Olympiateam einige Spitznamen, die dem unbedarften Zuhörer Rätsel aufgeben. So hört der Arzt der alpinen Ski-Nationalmannschaft auf den Namen „Burschi“ Münch, obwohl er mit Vornamen eigentlich Ernst-Otto heißt. Gemeinhin werden in Bayern kleine Jungs „Burschi“ genannt, aber ein 55-jähriger Chirurg mit spärlichem Haarwuchs? „Meine Mutter hat mich in meiner Jugend immer so genannt“, erklärt Ernst-Otto Münch, „der Name ist mir geblieben.“ Den seltsamsten Spitznamen in der deutschen Mannschaft aber trägt ein Snowboarder. Er heißt Michael Layer – und wird „Perego“ genannt.

Und das kam so: Vor einigen Jahren nahm Michael Layer an einem Lehrgang des deutschen Snowboardverbands teil. Man traf sich am Stilfzer Joch, doch man kannte sich noch nicht gut. Layer hatte als Einziger ein Zimmer in einem Hotel gebucht, das etwas abseits lag und von dem ihn seine Kollegen immer abholen mussten. Dieses Hotel hieß „Perego“. Immer, wenn die anderen Snowboarder von ihrem Hotel losfuhren und ihnen der Name des Neuen nicht einfiel, sagten sie: „Jetzt holen wir den Perego.“

Schließlich gibt es noch die Biathletin Martina Glagow, die von ihren Kolleginnen „Molli“ gerufen wird. Das stammt aus einer Zeit, als es zwei bis drei Biathletinnen mit dem Vornamen Martina gab. Zur besseren Unterscheidung erhielt sie einen Spitznamen. Aber warum „Molli“? Glagow ist mit einer Größe von 1,58 Meter und einem Gewicht von 48 Kilogramm die zierlichste im Team. Ist ihr Spitzname also ein Scherz? Stefan Schwarzbach, Sprecher der deutschen Biathleten sagt: „Sie weiß wirklich nicht, woher ihr Spitzname kommt.“ Dies ist folglich ein Turiner Rätsel, das ungelöst bleiben muss.

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