Sport : Busch droht eine Sperre

Eishockey-Bund und Nada legen Streit bei

Katrin Schulze

Berlin - Dass Florian Busch nicht zu den unauffälligsten Eishockeyspielern gehört, ist bekannt. In seiner ironischen, zuweilen auch unbedarften Art gibt er schon mal gewöhnungsbedürftige Kommentare von sich. Hier ein Vergleich mit Paris Hilton, da der Hinweis auf ein ausgiebiges Besäufnis. Das größte Aufsehen erregte der beim EHC Eisbären beschäftigte Profi jedoch mit einer verweigerten Dopingprobe im März, die eine heftige Fehde zwischen der Nationalen-Anti-Doping-Agentur Nada und dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) auslöste. Busch wurde vom DEB entgegen der Nada-Richtlinien zunächst nur mit einer Geldstrafe belegt. Gestern kamen beide Parteien auf Initiative des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) zu einem „konstruktiven Gespräch“, wie DEB-Vizepräsident Uwe Harnos sagte, am Frankfurter Flughafen zusammen.

Dabei verständigten sich beide Seiten auf eine „enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit“ und beschlossen eine Wiederaufnahme des zuvor von der Nada gekündigten Kooperationsvertrages über Dopingkontrollen. Das Einlenken der Nada beruht darauf, dass der DEB im Fall Florian Busch einsieht, dass eine verweigerte Dopingkontrolle vorgelegen habe. Die Strafe für so ein Vergehen beläuft sich auf mindestens ein Jahr Sperre. DEB und Nada einigten sich nun darauf, das Urteil, das von einem Schiedsgericht des DOSB getroffen wird, im Fall Busch anzuerkennen und den Spieler bis zur Urteilsverkündung nicht mehr in der Nationalmannschaft einzusetzen. Rein theoretisch könnte es aber sein, dass das unabhängige Schiedsgericht auch eine Strafe ausspricht, die unter einem Jahr liegen könnte.

Außerdem kündigte der DEB eine mögliche Änderung des Vertrages mit der Deutschen Eishockey-Liga an, da die bisherige Vereinbarung „möglicherweise nicht ausreicht, um Sanktionen wegen Dopingvergehen für den Spielbetrieb der DEL durchzusetzen“.

Mit seinem WM-Auftritt in Kanada hat der 23-jährige Bayer Busch das Interesse der Nashville Predators aus der nordamerikanischen Profiliga NHL geweckt. „Es ist sehr gut, dass die sich für Busch interessieren“, sagte Eisbären-Manager Peter John Lee. Zwar hat Busch in Berlin noch einen Vertrag, doch ein lukratives Angebot würden die Eisbären wohl nicht ausschlagen. Selbst eine nachträgliche Dopingsperre würde sich für Busch in der NHL wahrscheinlich nicht nachteilig auswirken. Dopingvergehen, die bei internationalen Turnieren festgestellt worden waren, zogen in Nordamerika bisher keine Sperren für die Liga nach sich. So durften Bryan Berard (Columbus) und Jose Theodore (Colorado) 2005 nach Steroidmissbrauch in der NHL weiterspielen.

Erst danach initiierte die Liga ein Anti-Doping-Programm, das mindestens zwei unangemeldete Doping-Tests im Jahr und dann beim dritten Dopingvergehen einen lebenslangen Ausschluss des Profis vorsieht.

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