Sport : Butterweich und explosiv

Alba Berlins Julius Jenkins wird zum wertvollsten Spieler der Basketball-Bundesliga gewählt

Lars Spannagel

Berlin - Die Bonner Basketballer gaben sich wirklich alle Mühe. Eine Minute vor Spielende lagen sie am Sonntag mit nur einem Punkt beim Tabellenführer Alba Berlin zurück, ein Überraschungssieg war zum Greifen nah. Doch dann übernahm Julius Jenkins: Erst traf der Berliner Aufbauspieler einen Sprungwurf im Zurückfallen, obwohl sein Gegenspieler Winsome Frazier an ihm klebte. Im nächsten Angriff umdribbelte Jenkins an der Grundlinie einen Bonner und sprang ab, als sich ihm ein zweiter in den Weg stellte. Butterweich schickte Jenkins den Ball auf eine hohe Flugbahn, die ihr Ziel genauso butterweich im Korb fand. Das Spiel war entschieden.

Mehr als einmal hat Julius Jenkins in dieser Saison in einer wichtigen Phase Verantwortung übernommen und Spiele für seine Mannschaft gewonnen, folgerichtig wurde der Aufbauspieler von Alba Berlin am Mittwoch von den 18 Trainern der Bundesligaklubs und Fachjournalisten zum „Most Valuable Player“ (wertvollsten Spieler) der regulären Saison gewählt. Jenkins ist kein Brechertyp, der Mann mit den langen Rastalocken erzielt seine Körbe mit Schnelligkeit, Spielintelligenz und Explosivität.

„Ich bin wirklich überrascht, das ist eine große Ehre“, sagte der 27-jährige US-Amerikaner, der bei Alba im Schnitt 33 von 40 Spielminuten auf dem Feld steht. „Den Titel widme ich der ganzen Mannschaft, ohne die großartige Hilfe meiner Mitspieler wäre diese Auszeichnung nicht möglich gewesen.“ Bereits am Montag war Jenkins zum besten Offensiv-Spieler gewählt worden, seine durchschnittlich 18,1 Punkte pro Spiel machen ihn zum drittbesten Werfer der Liga. Am Mittwochabend wollte Jenkins in Ludwigsburg an seine gute Leistung gegen Bonn anknüpfen (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe beendet).

Auch wenn Alba momentan die Bundesliga-Tabelle anführt, ist Jenkins keineswegs vollauf zufrieden. „Bei der Niederlage in Frankfurt haben wir einfach nicht intelligent gespielt. Wir müssen noch lernen, nicht nur ab und zu alles richtig zu machen, sondern immer“, sagte er. Die Hauptrunde ist fast beendet, Alba will unbedingt vom ersten Platz aus in die Play-offs gehen, und vorher noch den Pokal gewinnen. „In den Play-offs darf man sich keine Durchhänger erlauben. Wir müssen in den nächsten Wochen an unserem gesamten Spiel arbeiten, an Angriff und Verteidigung.“

Dann könnten noch andere gegnerische Trainer so urteilen, wie Bonns Coach Michael Koch am Sonntag: „Alba hat heute die richtigen Entscheidungen getroffen“, sagte er nüchtern. „Und sie hatten Julius Jenkins.“ Lars Spannagel

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