BVB verliert gegen Leverkusen : Herbst ohne Sonne

Dortmund verliert die Verfolgerrolle an Leverkusen – und wichtige Spieler. Das normale Erfolgsrezept funktioniert nicht, und im Champions-League-Spiel am Mittwoch bei Marseille fällt auch Sven Bender aus.

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Nicht zu fassen. Der Dortmunder Mittelfeldspieler Kevin Großkreutz am Ende eines trüben Arbeitstages seiner Borussia.
Nicht zu fassen. Der Dortmunder Mittelfeldspieler Kevin Großkreutz am Ende eines trüben Arbeitstages seiner Borussia.Foto: dpa

Die Kräfteverhältnisse im deutschen Fußball sind zementiert: Vorne weg marschieren die Bayern, dahinter können die Dortmunder das Tempo des davoneilenden Branchenprimus von der Isar noch in etwa halten, es folgt in gebührendem Abstand Bayer Leverkusen und dann der Rest der Liga. So in etwa hat auch Nuri Sahin bis Samstagabend den Ist-Zustand eingeordnet: „Wir können aufgrund der letzten Jahre sagen, wir sind die Nummer zwei in Deutschland“, verkündete der Mittelfeldspieler des BVB: „Das haben wir uns erarbeitet.“

Im Herbst des Jahres stellen sich die Dinge allerdings anders dar: Nicht, dass an der Dominanz des FC Bayern zu zweifeln sei, die ist in Stein gemeißelt. Doch dahinter haben sich mittlerweile die Leverkusener als erster Verfolger in Stellung gebracht. Der Klub aus dem Rheinland gewann das Duell des Tabellenzweiten beim Dritten in Dortmund hochverdient 1:0. Auffällig war, dass die Leverkusener ihre Widersacher mit deren eigenen Mitteln bekämpften: Laufstark, hart am Mann und mit überfallartigen Gegenangriffen – normalerweise sieht so das Erfolgsrezept der Dortmunder aus. Er könne sich nicht erinnern, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp, „schon mal so viele Zweikämpfe verloren zu haben“. Leverkusens starker Kapitän Simon Rolfes beschrieb das Spiel der eigenen Mannschaft so: „Kontrolliert, beweglich, aggressiv – wir hatten eine verdammt gute Ordnung auf dem Platz.“

Dass es die Gäste aus dem Rheinland dabei zuweilen mit der Härte übertrieben und ihr bosnischer Manndecker Emir Spahic nach einer Roten Karte sogar des Feldes verwiesen wurde, war zweitrangig. Vielmehr zählte nach all den zermürbenden Diskussionen der letzten Wochen, den Nachweis erbracht zu haben, gegen einen Topklub bestehen zu können. Genau diese Qualität war den Leverkusenern nach der 0:5-Klatsche in der Champions League gegen Manchester United noch abgesprochen worden. „Es ist gerade mal zehn Tage her, da waren wir alle am Boden“, sagte Sportdirektor Rudi Völler: „Seitdem haben wir drei Siege eingefahren und das tut unheimlich gut.“

Während die Leverkusener den für sie so wohligen Augenblick genossen, betrieben die Dortmunder Ursachenforschung und fanden dabei klare Worte. Kevin Großkreutz erlebte einen Gegner, „der zweikampfstärker und bissiger“ aufgetreten sei. Zudem konstatierte der Außenverteidiger Defizite im moralischen Bereich. „Wir haben die Köpfe hängen gelassen, das darf uns nicht passieren.“ Ausgerechnet die Dortmunder, die in den famosen letzten Jahren schon so viele Spiele mit niemals nachlassendem Kampfgeist gedreht haben. Es scheint, als werden die Dortmunder von einer veritablen Herbstdepression durchgeschüttelt, derzeit kommt es für den BVB knüppeldick. Auf den Klub prasseln derzeit viele Dinge ein, die nachdenklich stimmen. Nicht nur die Niederlage gegen Leverkusen schlug auf das Gemüt von Trainer Klopp, sondern auch der Umstand, dass der Krankenstand in der Belegschaft immer dramatischere Dimensionen annimmt. Die neuen Patienten tragen den Namen Sven Bender und Nuri Sahin. Bender wird mit einer Innenbanddehnung im rechten Sprunggelenk im wichtigen Gruppen-Endspiel in der Champions League am Mittwoch bei Olympique Marseille fehlen, Sahin kann wohl trotz eines Außenbandteilrisses im rechten Sprunggelenk auflaufen.

Dies sei „keine Situation, in der jeden Tag die Sonne scheint“, sagte Klopp zerknirscht. „Aber da müssen wir jetzt irgendwie durch.“ Wie das funktionieren kann, das gab Verteidiger Kevin Großkreutz in seiner bekannt pragmatischen Art vor: „Nachdenken, abhaken – und dann Marseille schlagen.“

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