Sport : Calmund wird diese Woche vernommen

Erik Eggers

Leverkusen - Gegen seine einstigen Gewohnheiten hält sich Reiner Calmund, einst einer der größten Redner im deutschen Fußball, vornehm zurück. Womöglich haben Anwälte dem Ex-Manager von Bayer Leverkusen geraten, öffentliche Äußerungen in diesen Tagen besser zu dosieren. Schließlich liest die Kriminalpolizei Bielefeld, Abteilung Wirtschaftskriminalität, die gegen Calmund wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, mit. Noch in dieser Woche soll Calmund vernommen werden, und dann soll die Staatsanwaltschaft Köln, die letztlich zuständig ist, über den Fortgang der Dinge entscheiden. Am Donnerstag will Calmund, der im Juni 2004 wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten von Bayer Leverkusen entlassen wurde, in einer Pressekonferenz seine Sicht der Dinge darlegen.

Noch immer ist unklar, weshalb Calmund dem Gütersloher Spielerberater Volker Graul im Juni 2003 insgesamt 580 000 Euro in bar zahlte. Die erst Monate später von Graul ausgehändigte Rechnung über „Provisionen für Optionen“ für zwei Junioren-Nationalspieler, die Auslöser der Affäre gewesen war, erscheint nicht nur dem zuständigen Kripo-Mann Karl-Heinz Wallmeier als unglaubwürdig. Teilweise seien die Transfers der Spieler schon erledigt gewesen, „so dass diese Geschichte der falsche Grund für die Entnahme der Gelder ist“, ließ Wallmeier wissen.

Bayer-Vorstandschef Werner Wenning hat sich indes auf der Bilanzpressekonferenz des Konzerns zu dieser „sehr unerfreulichen Angelegenheit“, wie er sie nannte, geäußert. Das „Finanzgebaren in dem hier zur Diskussion stehenden Fall“ sei „nicht akzeptabel“ gewesen; zur Vermeidung öffentlicher Debatten habe man die „konzernübliche Abfindungsregelung angewandt“. Laut Wenning wird Calmund nach dem Ende seines Vertrages anno 2007 aber nicht 280 000 Euro Pension beziehen, sondern nur die Hälfte.

„Wegen gesellschaftlicher Zwänge ist Fußball zum lukrativen Geschäft geworden“ – das schrieb Calmund im Vorwort zum Buch „Geld schießt Tore“, das jüngst im Hanser-Verlag erschien. Dort heißt es weiter: Fußball sei ein Geschäft, „in dem Männerfreundschaften nicht selten einer harten Zerreißprobe unterworfen werden. Ich weiß das aus persönlicher Erfahrung“. Vielleicht hatte Calmund eine Ahnung.

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