Sport : Capitals: Es fährt ein Zug nach Irgendwo

Claus Vetter

Geht die Reise nach Mannheim, Köln oder Nürnberg - oder fährt am Ende ein Zug nach Nirgendwo? Das Schicksal der Berlin Capitals in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist offen. Der 3:2-Sieg gegen die Iserlohn Roosters war am Freitag schon wenige Minuten nach Spielende Nebensache. Denn mit Egon Banghard war der Mann zugegen, an dessen Zukunft das Schicksal des mit rund sechs Millionen Mark verschuldeten Klubs hängt. "Ich sehe schon klarer", sagte der Hauptgesellschafter der Capitals. "Langsam kommt Licht ins Dickicht."

Der im Vorfeld angekündigte Finne Harry Harkimo war zwar nicht zugegen, aber Tags zuvor hatten zwei Herren aus dessen "Jokerit-Gruppe" die Capitals durchleuchtet. Banghard ist sich sicher, dass der Finne bei den Capitals in Kürze als Gesellschafter einsteigen wird. Dass Harkimo in Hamburg bereits die Genehmigung für den Bau einer Großarena sowie den Namen für ein Eishockey-Team (Hamburger SV) erworben hat, habe für das Berliner Engagement des Finnen keine Bedeutung. Banghard und Harkimo sind gemeinsam an der Errichtung einer Multifunktionsarena in Siemensstadt interessiert. "Und ohne die Capitals geht da nichts", sagte Banghard am Freitag.

Am kommenden Mittwoch, bei der außerordentlichen Gesellschafterversammlung, sollen bei den Capitals klare Fronten geschaffen werden. Wie sieht es denn aus bei der Aufarbeitung der finanziellen Misere? Banghard gibt sich optimistisch und verschlossen: "Wir werden da schon eine Lösung finden. Aber ich will jetzt keine Zwischenergebnisse vermelden." Es ist Banghard nicht verborgen geblieben, dass manche Spieler angesichts der momentanen Liquiditätsengpässe unruhig sind. Das Gehalt für Februar steht immer noch aus. Am Donnerstag hatte Banghard die Mannschaft in einem Gespräch zu beruhigen versucht. Wer sich aber mit Abwanderungsgedanken trage, könne einen neuen Arbeitgeber suchen.

Dass Wechselgelüste von Torwart Andrej Mezin bekannt wurden, gefällt den Capitals in diesem Zusammenhang überhaupt nicht. "Erst einmal müssen wir die finanziellen Angelegenheit in den Griff kriegen, dass ist das Wichtigste", sagt Prokurist Gerhard Brüderer. "Wenn die Spieler ihr Geld bekommen haben, wird sich schon alles beruhigen."

Auf dem Eis wirkte das Team zuletzt eher unruhig. Die Partie gegen Iserlohn gab jedenfalls nicht unbedingt Anlass zu Optimismus, dass die Berliner in den kommende Woche beginnenden Play-offs eine gute Rolle spielen können. Dank Huuskos Siegtreffer in der Schlussminute können die Capitals in der Tabelle noch einmal nach oben klettern. Bei einem Sieg heute im letzten Vorrundenspiel in Kassel müssten die Berliner im Viertelfinale nicht gegen Tabellenführer Mannheim, sondern gegen Köln, Nürnberg oder München spielen. Das würde die Gefahr eines abrupten Saisonendes doch deutlich einschränken.

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