Sport : Capitals: Kühler Kopf trotz Cocktails

Claus Vetter

Eigentlich sind Andrej Mezin Gefühlsausbrüche fremd. Doch am Freitagabend gab es auch bei dem weißrussischen Torhüter in Diensten der Capitals kein Halten. Mezin schlug Purzelbäume auf dem Eis, seine Kollegen zettelten eine Welle nach der anderen an und nach zwei Ehrenrunden wollte immer noch keiner in die Kabine. Ganz neue Gefühle hatten die Berliner Eishockeyspieler am Freitag in der Deutschlandhalle: ein Sieg, ausgerechnet gegen die favorisierten Pinguine aus Krefeld, nach einem 2:4-Rückstand und deutlich mit 7:4.

Mit denkbar ungünstigen Voraussetzungen in die Saison gestartet, waren die Capitals nach vier Spieltagen zum Gespött in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) geworden. Nach dem Theater um ihre Lizenz mit sechs Minuspunkten belastet und dann die ersten vier Spiele verloren: So richtig ernst nahm die Berliner niemand. Dies wurde den Pinguinen zum Verhängnis, was ihr Manager Karel Lang auch lange nach Spielschluss noch nicht verstand. "Nach dem Ausgleich zum 4:4 haben wir uns ungeschickt angestellt", sagte der ehemalige Torhüter der Pinguine, "natürlich hat da bei uns im Hinterkopf herumgeschwirrt, dass man gegen diese Capitals nicht verlieren darf. Wir wollten schnell das fünfte Tor schießen, damit wir unsere Ruhe haben."

Dazu kam es nicht, es wurde vielmehr unruhig vor dem Tor der Krefelder. Die ungestümen Pinuine wurden von den geduldigen Capitals ausgekontert, freilich hatten die das Glück auf ihrer Seite. "Natürlich läuft bei uns vieles noch nicht so, wie es laufen müsste", meinte Markus Pöttinger, "manchmal weiß man eben noch nicht, wo der Mitspieler rumläuft." Der Verteidiger der Capitals war am Freitag neben dem äußerst engagierten Kanadier François Leroux einer der wenigen, die im eigenen Drittel den Überblick behielten. Ansonsten wurde geschludert. "Aber das Schöne ist momentan, dass man als Spieler Fehler machen darf und nicht gleich auf der Bank sitzen muss", sagte Pöttinger.

Das war ein Lob für Trainer Gunnar Leidborg. Die Geduld des Schweden mag manchen Fan genervt haben, letztlich scheint sie sich auszuzahlen. Nach dem Erfolg blieb der Schwede kühl. Als einer der wenigen bei den Capitals, die in ihrem VIP-Raum schon Cocktails mit dem Namen "Play-off" ausschenkten. "Wir haben immer noch Probleme mit uns selbst", sagte Leidborg, "wir haben wieder versucht, uns selbst zu schlagen. Aber wir sind zurückgekommen, und vielleicht können wir etwas Positives mitnehmen." Denn heute bei den München Barons wird es nicht so leicht wie gegen Krefeld.

Die Art und Weise, wie der Lette Alexander Kercsz und der Russe Andrej Wassiliew herumzauberten, war imposant, konnte aber nicht alles übertünchen. Zum Beispiel nicht die Szene, als ein indisponierter Greg Andrusak an seinem hilflosen Torhüter vorbei den Puck ins Tor faustete. Für Chris Valentine war das kein Trost. Der Krefelder Trainer ist sich der Hypothek bewusst, als Erster in der DEL gegen den Außenseiter aus Berlin verloren zu haben. Doch den Blick für die Realität verlor der ehemalige Coach der Capitals nicht. "Natürlich bin ich enttäuscht", sagte Valentine. "Wichtig ist nur, wo man nach 60 Spielen steht. Die Saison ist kein Sprint, sondern ein Marathon." Das gilt auch für die Capitals. Denn die sind immer noch Tabellenletzter.

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