Sport : Caramba, Wolfsburgo!

Sven Goldmann

über eine neue Fußball-Großmacht Das Beste an Wolfsburg ist der Intercity-Express nach Berlin. In knapp einer Stunde mit Tempo 250 an den Kurfürstendamm, das war ein Argument, mit dem sich mancher Fußballprofi davon überzeugen ließ, einen Vertrag bei der grünen Maus der Bundesliga zu unterzeichnen. Ein zweites war das Geld. Dank der Zuwendungen des VW-Konzerns ist in Wolfsburg mittelmäßige Leistung stets sehr gut bezahlt worden. „Wenn einer nicht zu uns kommen will, drohen wir ihm mit Geld“, hat ein ehemaliger Wolfsburger Trainer mal gesagt. Jetzt gibt es noch ein drittes Argument: Es wird ganz ausgezeichneter Fußball gespielt in Wolfsburg. So guter, dass dem VfL am Samstag der Sprung an die Tabellenspitze der Bundesliga gelang, zum ersten Mal übrigens seit dem Aufstieg vor sieben Jahren.

Fußball macht Meinung, ganz im Sinne der Image-Offensive der Auto-Konstrukteure, die ihre Stadt auch schon mal in Golfsburg umbenannt hatten. Wolfsburg soll mehr sein als eine langweilige Retorten-Stadt, in der alle in selben Werk arbeiten und dasselbe Auto fahren. Caramba, Wolfsburgo ist eine Stadt mit südamerikanischen Fußballflair, mit argentinischen Ballkünstlern, angeführt vom genialen Andres D’Alessandro, den der große Diego Maradona schon mal als seinen Nachfolger bezeichnet.

Auch Pablo Thiam gehört zu den Repräsentanten des neuen Wolfsburg. Am Samstag schoss der Mann aus Äquatorial-Guinea den VfL mit seinem Siegtor in Rostock an die Tabellenspitze. Später hat er dann von den nächtlichen Streifzügen mit seinen Kollegen durch das angeblich so langweilige Wolfsburg geschwärmt – und ein kleines Detail unterschlagen. Denn Pablo Thiam wohnt nicht in Wolfsburg, sondern eine Stadt weiter. Zum Training fährt er eine knappe Stunde, mit Tempo 250 im ICE.

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