Sport : Carl Lewis: Zwischen Beachvolleyball und den Williams-Sistern

Ursula Kaiser

Er hat sich überhaupt nicht verändert. Na ja, vielleicht ist er im Gesicht ein klein wenig voller geworden und hat ein paar Gramm zugenommen, aber wirklich nur geringfügig. Das breite Grinsen und das flotte Mundwerk sind geblieben und letzteres läuft wie geschmiert. Wenn man ihn nicht sieht, hört man ihn. Carl Lewis ist da. "Carl der Große", so lautet sein Spitzname aus vergangenen Tagen, reiste vor ein paar Tagen in Sydney an - doch die Sprintelite um Maurice Green braucht sich keine Sorgen zu machen. Der neunfache Goldmedaillengewinner bei Olympischen Spielen aus den USA packt seine Schuhe nicht noch einmal aus.

Der 39-Jährige hat Besseres zu tun. Er ist beispielsweise für die Fastfoodkette im Einsatz, die bei den Olympischen Spielen in Sydney als Hauptsponsor fungiert. Und er spielt noch einmal den alten Carl Lewis für 400 Teilnehmer des Internationalen Jugendlagers des IOC. Den jungen Leuten, die in verschiedenen Sportarten schon kleinere Erfolge verbuchen konnten, redet er ins Gewissen. "Es gibt kein Erfolgsgeheimnis. Ihr müsst einfach wissen, was ihr wollt und dann geht euren Weg und gebt euer Bestes." Ein bisschen konkreter hätten die Hinweise für eine große Karriere vielleicht doch ausfallen können. Aber den jungen Sporttreibenden schien das egal zu sein. Sie jubeln ihrem Idol zu. Schließlich bekommt man nicht jeden Tag einen Ratschlag von einem neunfachen Olympiasieger.

Wie war das noch einmal mit den Erfolgen? Viermal Gold im Weitsprung, dreimal im Sprint und zweimal mit der 4 x 100-Meter-Staffel. Dann wird Lewis ernst und sagt: "Das was man als Sportler auf seinen Reisen mitkriegt, die fremden Länder und Kulturen, die Erfahrungen und Kontakte, die nimmt einem niemand mehr. Verhaltet euch so, dass eure Eltern stolz auf euch sein können." Mit einem Augenzinkern schickt er noch den Satz hinterher: "Aber wenn ihr dann mal Präsident oder Minister seid, vergesst eure alten Freunde nicht".

Lewis will von der aktuellen Leichtathletik nicht mehr viel wissen. "Ich bereue keine Minute, es war eine großartige Zeit, aber die ist vorbei und ich leben ein anderes Leben, habe neue Herausforderungen". Zwar kam er zu den Spielen nach Sydney, doch zur Leichtathletik zieht es ihn erstaunlicherweise nicht. "200 Meter sind wahrscheinlich das Einzige, das ich mir ansehe, ansonsten würde ich gerne die Williams-Sisters beim Tennis sehen und Beachvolleyball gefällt mir auch ganz gut". Er selbst würde gerne mal einen Triathlon versuchen. "Ich kann ganz gut schwimmen, bin viel geschwommen, bevor ich mit der Leichtathletik begonnen habe". Doch für das Schwimmen war er nicht bestimmt. Auch wenn dies seinem lädierten Rücken ganz gut getan hätte.

Carl Lewis war schon immer für Überraschungen gut, so auch bei seinem Weitsprungsieg bei Olympia 1996. Doch Prognosen über seine Landsleute in den olympischen Leichtathletik-Wettbewerben in Sydney sind ihm absolut nicht zu entlocken, auch nicht nachdem zum zehnten Mal danach gefragt wird, ob er Marion Jones die erhofften fünf Goldmedaillen zutraut. "Dazu sage ich gar nichts. Ich will niemanden unter Druck setzen und man wird sehen, was rauskommt. Schaut es euch einfach an, dann wisst ihr es." Auch zum Thema Doping und zur aktuellen Situation im internationalen Männersprint schweigt er. "Ich bin hier, um mich mit den Kids zu beschäftigen, alles andere ist vorbei."

Über sein Leben nach der Leichtathletik spricht er dagegen gerne. Denn der populäre Athlet arbeitet an einer Schauspielkarierre. "Ich nehme Unterricht und hoffe auf Filmangebote", meint der 39-Jährige, der die meiste Zeit des Jahres in Los Angeles lebt, aber auch in Houston (Texas) ein Haus besitzt. Das Schauspielen wird ihm nicht schwerfallen. Er ist der geborene Entertainer.

Doch angewiesen auf eine Laufbahn vor der Kamera ist er wahrlich nicht. Seine Geschäfte florieren. Er besitzt die Rechte an einer Bekleidungs-Kollektion. Dabei handelt es sich um Desginer-Ware, die nur in speziellen Shops in den USA zu finden ist. Darüberhinaus gehört ihm das Restaurant "World Beat Grill" in Houston. Ach ja, Trainings- oder Jugend-Camps organisiert er auch noch, von diversen Kurztrips für Sponsoren einmal abgesehen. Und irgendwie scheint ihm alles zu gelingen, was er anfasst. So gesehen war seine einmalige Karriere das Sprungbrett zum heutigen Erfolg. Denn einen wie Carl Lewis lässt man nicht einfach links liegen, nur weil er seine Sportschuhe ausgezogen hat.

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