Carl Zeiss Jena : Investor: unbekannt

Zweitligist Jena kommt nicht zur Ruhe. Der neue Trainer Ivanauskas erlebte ein Fiasko bei seinem Dienstantritt und nun muss der Verein heute der DFL den Einstieg russischer Finanziers erklären.

Elke Windisch[Moskau],Anke Myrrhe[Jena]
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Verpatztes Debüt. Der neue Coach Valdas Ivanauskaus kassierte eine 5:1-Niederlage in Wehen. -Foto. dpa

Der FC Carl Zeiss Jena spielt sich immer tiefer in die Krise. Am Sonntag unterlag der Tabellenletzte der Zweiten Liga desolat 1:5 (0:4) beim SV Wehen-Wiesbaden. Ein schlechter Einstand für den gerade erst geholten Trainer Valdas Ivanauskas. Und ein schlechtes Omen für die heutige Prüfung des Klubs vor der Deutschen Fußball-Liga (DFL)? Wenn die Vereinsführung beim Ligaverband in Frankfurt am Main antreten muss, geht es sogar um die Zukunft des FC Carl Zeiss – und um eine Grundsatzfrage für den deutschen Fußball: Dürfen Finanzinvestoren mit Macht in einen Klub einsteigen oder nicht?

Die DFL hat bislang erhebliche Zweifel am Vertragswerk Jenas mit zwei russischen Investoren. Demnach will Jena den Profispielbereich in eine Spielbetriebs-GmbH ausgliedern und 49 Prozent der Anteile an die Alpha Investment Group verkaufen. Dafür soll der Klub in fünf Jahren mindestens 20 Millionen Euro erhalten. „Wir werden den Vertrag in dieser Form nicht akzeptieren“, hatte DFL-Finanzgeschäftsführer Christian Müller bereits im Tagesspiegel angekündigt. Am Samstag sollen auch Jenas Mitglieder entscheiden. Die nötige Dreiviertelmehrheit ist keineswegs sicher.

Russische Medien halten den Einstieg der Investoren inzwischen für unwahrscheinlich. Die beiden Vertreter der Alpha Investment Group, Adlan Schischkanow und Murat Lujanow, würden laut der Online-Zeitung „dp.ru“ „alle Klischees des hässlichen Russen“ bedienen. Immer mehr Journalisten auch in Russland fragen: Wer sind die Investoren, deren Alpha Investment Group als Briefkastenfirma auf den Virgin Islands registriert ist, aber nicht im Moskauer Handelsregister steht und über keine Homepage verfügt? Und woher kommt das Geld? Laut Joachim Rain, Anwalt von Schischkanow und Lujanow, sind seine Mandanten verärgert über diesen Rummel. Sie wollten sich weiterhin nicht äußern.

Die einflussreiche Wirtschaftszeitung „Kommersant“ schreibt, Schischkanow gehöre die auf Zypern registrierte Moskauer Werbeagentur „Blackwool Investment“. Als jedoch Roman Schleinow, Starreporter der „Nowaja Gaseta“, wo auch die im Oktober 2006 erschossene Anna Politkowskaja arbeitete, dort anrief, meldete sich die BIN-Bank. Die aber gehört zum Finanzimperium des in Ungnade gefallenen Oligarchen Michail Gutzerijew. Der soll den Recherchen zufolge ein Verwandter des eventuellen Jenaer Investors Adlan Schischkanow sein. Der Oligarch, so die Hypothese des Journalisten Schleinow, wolle mit der Investition beim FC Carl Zeiss Teile von Gutzerijews Geld waschen. Gutzerijew wurde im Juli wegen Steuerhinterziehung angeklagt und weltweit zur Fahndung ausgeschrieben. Bis zum Ende eines Verfahrens, das ihm in Abwesenheit gemacht werden soll, wurden seine Aktiva in Russland eingefroren.

Beim FC Carl Zeiss Jena, klagte der kremlnahe Politologe Mark Urnow, sei Gutzerijews Geld bestens angelegt. Moskau käme leider an Auslandsaktiva flüchtiger Oligarchen nicht mehr heran. Das könnte erklären, warum die beiden Russen kaum eine Gegenleistung für ihr Engagement fordern. „Der Vertrag ist äußerst günstig für Jena“, sagt Anwalt Rain.

Die Verantwortlichen aus Jena sind sich dennoch sicher, dass „alle offenen Fragen bei der DFL geklärt werden können“. Die Verträge seien zwar fertig, aber man sei durchaus noch zu Änderungen bereit, so ein Vereinssprecher. Die DFL könnte den Vorgang bereits heute stoppen. Es ist zwar grundsätzlich erlaubt, 49 Prozent eines Vereins an Dritte abzugeben. Jedoch sieht die DFL insbesondere das Einsetzen eines zweiten Geschäftsführers von den Investoren an die Seite des bisherigen Geschäftsführers Lars Schauer mit großer Skepsis.

Der Rechtsanwalt der beiden Russen wird anders als bisher vorgesehen nicht an dem heutigen Treffen mit der DFL teilnehmen. „Sie wollen sich erst mal mit dem Verein einigen“, sagt Rain. Ob das klappt, ist so offen wie die Frage, ob Jena nicht bald sportlich aus der Zweiten Liga absteigt – und sich die Investoren von selbst zurückziehen.

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