Caroline Gülke : Ein Double will zu Olympia

Caroline Gülke spielte in einer Soap das Double einer Eisprinzessin. Übers TV kam sie wieder zum Eiskunstlauf. Bei den deutschen Meisterschaften in Oberstdorf im Dezember 2008 belegte sie Platz drei. Olympia 2010 ist das große Ziel.

Frank Bachner

BerlinEinmal lief sie mit Perücke. Aber das ging einfach nicht. Mit Perücke konnte Caroline Gülke nicht springen, weil „die so schwer auf dem Kopf lag“. Also haben die Leute von RTL auf die schwarze Perücke verzichtet. Caroline Gülke hat braunes Haar, da filmt man eben mit solchen Einstellungen, dass der Unterschied nicht auffällt. Ihr Gesicht taucht ohnehin nicht in der Kamera auf.

Sie soll nicht reden, sie soll springen, möglichst hoch, möglichst elegant, schließlich doubelt sie einen Eiskunstlauf-Star. Und eine Zicke natürlich. Ohne Zickenkrieg kommt eine Daily Soap nicht aus. Und bei der RTL-Serie „Alles was zählt“, die täglich um 19.05 Uhr läuft, ist Jenny Steinkamp eine der Hauptfiguren, ehrgeizige Eis-Prinzessin und schärfste Rivalin von Tanja Szewczenko. Szewczenko war dreimal Deutsche Meisterin, sie braucht kein Double. Silvia Maleen alias Jenny Steinkamp schon. Caroline Gülke vom SC Berlin ist ihr Double.

Mehr wollte sie ursprünglich auch nie sein. Aber dann machte sie eine der bemerkenswertesten Karrieren im deutschen Eiskunstlauf. Bei den deutschen Meisterschaften in Oberstdorf im Dezember 2008 belegte sie Platz drei. 2004 war sie zurückgetreten, oft verletzt, frustriert, weil sie nie Deutsche Meisterin wurde. Zwei Mal Platz drei, das war zu wenig für eine 22-jährige, ehrgeizige Läuferin. Ein Jahr später wurde Tochter Nele geboren, ein paar Monate danach rief RTL an. Der Sender benötigte ein Double für seine neue Soap. Caroline Gülke sagte sofort zu und benötigte zwei Monate Vorbereitung, um so in Form zu kommen, dass sie den RTL-Ansprüchen genügte. Dann spielte sie in einer abgesperrten öffentlichen Eislaufhalle in Köln den Eisstar Jenny Steinkamp. Doch der Dreh hatte wenig mit Wettkampf-Atmosphäre zu tun, „man konnte ja alles drei oder vier Mal wiederholen“. Aber die Sprünge, das Training, das reichte aus, um Gülkes Erinnerung an Wettkampfatmosphäre zu wecken. Im Oktober 2007 beschloss sie, härter zu trainieren. Sie wollte wieder echte Eiskunstläuferin werden.

Aber sie unterschätzte, wie hart sie Athletik trainieren musste. Ihren Plan, schon in der Saison 2007/2008 wieder bei Wettkämpfen zu laufen, ließ sie fallen. „Man hatte ja auch ein bisschen einen Ruf zu verlieren“, sagt Gülke. Zur Saison 2008/2009 war sie fit und unbeschwert genug, um in Oberstdorf viele Fachleute zu überraschen. Sie ist 26 Jahre alt, sie ist Mutter, ihre Prioritäten haben sich verschoben, der Druck ist geringer geworden. „Früher war der Sport mein Leben“, sagt sie, „jetzt geht die Familie vor.“

Aber der Sport kommt dicht dahinter. Olympia 2010 ist das große Ziel. Wenig spricht gegen große Chancen auf eine Teilnahme. Eine kleine Unbekannte könnte ihr Job für RTL sein. Vier Drehtage im Monat hat Gülke, jeweils zwei Tage pro Woche verbringt sie in Köln. In dieser Zeit kann sie nicht konzentriert trainieren, der Ausfall summiert sich. Zudem arbeitet ihr Freund an seiner Diplom-Arbeit und kann sich nur bedingt um Nele kümmern.

Caroline Gülke hat aber noch einen weiteren großen Traum: Sie möchte den deutschen Meistertitel. Die Generalprobe hat sie schon hinter sich: Bei „Alles was zählt“ hat sie bei den Titelkämpfen Platz eins belegt, ganz offiziell, nicht bloß als Jenny Steinkamp. Eine nette Geste von RTL: Caroline Gülke durfte unter ihrem echten Namen gewinnen.

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