Sport : Cejka schafft den Cut

Überraschend sichern sich vier deutsche Profigolfer die Spielberechtigung für die Europa-Tour

Petra Himmel

Berlin - Irgendwie endet eine Katastrophensaison dann doch hoffnungsvoll: Wer geunkt hatte, Deutschlands Profigolf werde 2007 nur einen Vertreter mit Spielberechtigung auf der US-Tour oder der Europa-Tour aufweisen können, sieht sich in diesen Tagen angenehm überrascht. In die erste europäische Liga haben es mit Marcel Siem, Martin Kaymer, Alexander Cejka und Sven Strüver vier Profis geschafft. Die Möglichkeit, sich eine Tourkarte für die USA zu erspielen, hat in der kommenden Woche noch Cejka, der bei der Qualifying School in Palm Springs bereits im vergangenen Jahr als Zweiter erfolgreich war.

Ein Quartett auf der Europa-Tour wäre – rein rechnerisch betrachtet – eigentlich ein Grund für etwas Euphorie. Bei genauerem Hinsehen allerdings mischt sich der Optimismus hinsichtlich des Zustands des deutschen Profigolfs mit viel Skepsis. Die Herren Cejka und Strüver haben den Umweg über die Qualifying School im spanischen San Roque genommen, sozusagen die letzte Chance, um in den Besitz einer Tourkarte zu gelangen. Diese Aufgabe – mit sechs Runden bei katastrophalem Wetter eine reichlich anspruchsvolle – lösten die beiden allerdings souverän. Von Cejka hatte man eine Top-Ten-Platzierung durchaus erwartet. Der Münchner ist seit 2003 regelmäßig auf der US-Tour zu Hause, wo das durchschnittliche Spielniveau eben doch ein Stückchen höher ist.

Den Auftritt in San Roque verstand der 35-Jährige eher als Absicherung und Training denn als ernsthaften Richtungswechsel in Richtung Europa. Sollte es mit der Qualifying School in Palm Springs allerdings nicht klappen, wird man ihn wieder regelmäßig in Europa spielen sehen. Ansonsten bleiben Las Vegas und die USA der Lebensmittelpunkt von Cejka. Eine Option, die Sven Strüver nicht hat. Der gebürtige Bremer schloss die Saison 2006 in San Roque aufregend wechselvoll ab: mit einem Auf und Ab der Leistungen. Bei Runden von 76, 65, 78, 68 und 69 Schlägen bewies der gebürtige Bremer wieder einmal, dass er zwar einerseits zu sehr tiefen Rundenergebnissen fähig ist, ihm diese andererseits im Moment aber auch gleichermaßen oft nach oben entgleiten. Wie lange der 39-Jährige sich die Mühsal der Qualifying School noch antun will, bleibt ohnehin die Frage. Die letzte Top-Ten-Platzierung reicht ins Jahr 2004 zurück. Seitdem kämpft Strüver mit Verletzungen, Trainingsmangel, Schwungproblemen.

Solche Schwierigkeiten sind den jüngeren Kollegen noch weitaus unbekannt. Sowohl der 26-jährige Marcel Siem als auch der gerade erst 21 Jahre junge Martin Kaymer stecken die Belastungen des ewigen Reisens und Trainierens noch locker weg. Trotzdem hat auch Siem in diesem Jahr Probleme gezeigt: Nach Schwungänderungen im vergangenen Winter benötigte er fast die komplette erste Hälfte der Saison, um überhaupt ins Spiel zu finden. Dann allerdings bewies der Ratinger mit einem zweiten Platz beim European Masters und Rang neun beim abschließenden Volvo-Masters, dass er zu Recht unter den Top 50 Europas geführt wird. Auch deshalb vertritt er Deutschland im Dezember beim World Cup auf Barbados. Es ist seine erste Gelegenheit, mit Bernhard Langer ein paar Runden zu drehen, mit dem er als Team an den Start geht.

Womöglich ist es das erste und letzte Mal, weil sich der 49-jährige Langer, der fast ausschließlich auf der US-Tour spielt, ab 2008 ohnehin weitgehend auf der Champions Tour aufhalten wird. Es wird also höchste Zeit für einen Generationenwechsel. Hier setzt das deutsche Profigolf am meisten auf Martin Kaymer. Wie Marcel Siem hat der ruhige junge Mann innerhalb von zwölf Monaten den Weg aus dem Amateurlager in die Europa-Tour zurückgelegt. Eine Leistung, wie sie vor ihm keinem anderen deutschen Profi gelang.

Dass die Verhältnisse in der ersten Liga etwas härter sind, hat der 21 Jahre alte Newcomer allerdings bereits registriert. Bei den Hongkong Open, die am Sonntag zu Ende gehen, verpasste Kaymer den Cut.

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