Sport : Center in Teilzeit

Beim Spitzenduell mit Bamberg zählt Alba auf die Stärken von Nadjefji

Helen Ruwald

Berlin - Seit zwei Monaten ist Aleksandar Nadjfeji in Berlin, und an eines kann er sich immer noch nicht gewöhnen: an immer wieder neue Meldungen von verletzten Kollegen. So wie unlängst die von Kapitän Patrick Femerling (Bänderriss im Sprunggelenk) und Aufbauspieler Aleksandar Rasic (Patellasehnenanriss). Ohne die beiden hat der Tabellenführer der Basketball-Bundesliga dreieinhalb Wochen vor Play-off-Beginn nur noch je einen gesunden gelernten Center und Spielmacher. „Für mich ist das hart“, sagt der Serbe, „aber der Trainer und die anderen meinen, dass sie nicht mehr überraschen kann und wir damit umgehen müssen.“ Diese fatalistische Denkweise muss sich Nadjfeji noch aneignen, während Coach Luka Pavicevic Kreuzbandrisse von zwei Spielmachern darin geschult haben, Unabänderliches einfach hinzunehmen.

Auch bei Aleksandar Nadjfeji ist in dieser Saison keineswegs alles nach Plan gelaufen. Als die Köln 99ers Insolvenz anmeldeten und nicht abzusehen war, ob sie die Saison zu Ende würden spielen können, unterschrieb der 31-Jährige bei den Berlinern. Beim knappen Sieg in Paderborn machte Nadjfeji, der normalerweise als so genannter Power Forward, ein Stück weiter entfernt vom Korb agiert, zuletzt 20 Punkte. Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi mag sich gar nicht ausmalen, was wäre, „wenn wir ohne Patrick spielen müssten ohne Nadjfeji als Option zu haben“.

Heute wird der Serbe im Spitzenspiel gegen den Deutschen Meister Brose Baskets Bamberg (17 Uhr, Max-Schmeling-Halle) erneut als Teilzeit-Center auflaufen. Femerling, der zum 80:60-Hinspielsieg 15 Punkte beisteuerte und dabei eines seiner besten Saisonspiele machte, konnte am Dienstag erstmals wieder leichtes Lauf- und Balltraining machen. Die Teilnahme an der Pokalendrunde in drei Wochen gibt er als „realistisches Ziel“ an. Gegenüber Pavicevic hat er sehr viel ehrgeizigere Ziele angedeutet. „Er möchte gegen Bamberg spielen“, sagte der Trainer, „aber auch er kann die zur Genesung nötige Zeit nicht verkürzen.“

Und selbst wenn er auflaufen könnte, ist nicht sofort Höchstleistung zu erwarten wie sie gegen die erstklassige Bamberger Centerriege notwendig ist. Neuzugang Jared Reiner, der schon in der NBA am Ball war, hat sich in nur zwei Monaten zu Bambergs Topscorer (11,6 Punkte im Schnitt) und besten Rebounder (8,5) entwickelt. Zusammen mit seinen Center-Kollegen Darren Fenn und Chris Ensminger erzielt er im Schnitt 30 Punkte.

Um die Bamberger niederzukämpfen, müssen auch die Center gestoppt werden, unter anderem von Nadjfeji. Auch wenn er noch an Feinheiten im Zusammenspiel arbeitet, ist er gut integriert. „Er hat Spielverständnis und kann Impulse setzten“, sagt Baldi. Allerdings sei es etwas anderes, das Alba-Trikot zu tragen als das irgendeines Bundesligavereins. „Der Druck ist hoch, man muss sich daran gewöhnen, dass auch nach einem Sieg nicht alles okay ist“, sagt Baldi. Das Spiel gegen Bamberg dürfte eine Ausnahme sein. Nach einem Erfolg gegen den großen Rivalen und seinen oft gegen Alba stichelnden Trainer Dirk Bauermann würde wohl alles Gemecker vorerst verstummen.

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