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CEV-Pokalfinale gegen Surgut : BR Volleys: Historischer Pokalsieg mit Fragezeichen

Die BR Volleys haben Vereinsgeschichte geschrieben. Und dass dies so einfach ging, hatte viel mit den auf rätselhafte Weise ferngebliebenen Stars des Gegners zu tun.

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Die BR Volleys haben den ersten europäischen Vereinspokal ihrer Vereinsgeschichte eingefahren.
Die BR Volleys haben den ersten europäischen Vereinspokal ihrer Vereinsgeschichte eingefahren.Foto: Matthias Koch

Wenn große, starke Kerle sich lange um den Hals fallen und gar nicht voneinander lassen wollen, wenn sie sogar ihrem treuesten Fan einen dicken Kuss auf die Wange geben, muss schon etwas Besonderes passiert sein. Es war aufrüttelnd, es war ein langer Weg und vor allem war es, bis auf dieses letzte Spiel, anstrengend: der erste Sieg der BR Volleys in einem europäischen Pokalwettbewerb. Die Berliner haben am Samstag mit dem Gewinn des CEV-Cups gegen die russische Mannschaft aus Surgut, nach der Champions League der wichtigste europäische Pokal auf Klubebene, Vereinsgeschichte und auch ein wenig deutsche Volleyballgeschichte geschrieben. Glatt mit 3:0 (25:18, 25:18, 25:18) besiegten sie Surgut. Es ist dies erst das vierte Mal, dass eine deutsche Mannschaft einen europäischen Vereinspokal gewonnen hat.

Dass die Volleys bei den heimstarken Russen nach dem knappen 3:2-Hinspielerfolg in der Max-Schmeling-Halle gute Chancen haben würden, zeichnete sich bereits ab, als noch kein einziger Ball in Surgut gespielt war. Denn ein russisches Online-Medium berichtete, dass Aleksa Brdjovic, Kostyantin Bakun und Nikolay Apalikov nicht für Surgut auflaufen würden. Brdjovic und Bakun sind die überragenden Akteure bei den Russen, und die Meldung erwies sich als richtig. Weshalb die drei Spieler nicht auflaufen konnten, darüber herrschte Unklarheit. Es machte schnell das Gerücht die Runde, dies könne mit den nach dem Spiel angekündigten Dopingproben zusammenhängen.

"Das ist ein Riesenerfolg"

„Das war ein unglaublich souveräner Auftritt von uns. Das ist ein Riesenerfolg“, freute sich Volleys-Manager Niroomand nach dem Spiel. Dabei war in keinem Fall zu erwarten, dass es so einfach werden würde. Die weite Hinreise mit wenig Zeit zum Akklimatisieren stellte ein großes Problem dar.

Doch die merkwürdige Abwesenheit der beiden besten gegnerischen Spieler machte die Partie zu einer überraschend klaren Angelegenheit. Die BR Volleys spielten sich im ersten Satz schnell eine deutliche Führung heraus, ehe die Russen doch noch einmal auf 13:15 herankamen. Dann aber gelang Volleys-Kapitän Robert Kromm eine eindrucksvolle Aufschlagsserie und auf einmal stand es 19:13 für die Berliner, die Vorentscheidung im ersten Satz, den die Mannschaft von Trainer Roberto Serniotti souverän mit 25:18 für sich entschied.

Hexenkessel war schnell abgekühlt

Der viel beschriebene Hexenkessel in Surgut war schnell abgekühlt, zumal die Zuschauer wohl rasch den Eindruck bekamen, dass ohne Brdjovic und Bakun gegen diese Volleys nicht viel zu machen war. Dieser Eindruck sollte sich auch im zweiten Satz verfestigen, als Volleys-Zuspieler Tsimafei Zhukouski die Bälle auflegen konnte, wem er wollte, mit ziemlicher Sicherheit fanden dann Nicolas Le Goff, Robert Kromm oder Paul Lotman einen Weg vorbei an den Händen des gegnerischen Blocks. So endete, nach einem wuchtigen Angriffsschlag von Kromm, der zweite Satz wie der erste mit 25:18 für die Volleys.

Und die Berliner waren in diesem Spiel auch nicht gewillt, es noch einmal spannend werden zu lassen. Schon nach dem Hinspiel hatten die Spieler um Robert Kromm selbstkritisch immer wieder bemängelt, dass sie es nur selten schaffen, den Rhythmus in einem Spiel konstant hoch zu halten. Am Samstag war dies aber anders, auch der dritte Satz ging recht locker mit 25:18 an die Volleys.

Für die Mannschaft von Manager Niroomand war dies nach dem nationalen Pokalsieg der zweite große Erfolg in dieser Saison. Es war ein großer Sieg, dem nur der kleine Makel anhaftete, dass der Gegner nicht viel dazu beigetragen hatte, ihn streitig zu machen.

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