Chahed vs. Cicero : Ärger nach dem Elfmeterstreit von Dortmund

Sofian Chahed wollte schießen, Cicero durfte schießen: Beim Spiel in Dortmund zeigte sich einmal mehr, dass es Kommunikationsprobleme bei Hertha gibt.

Claus Vetter
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Streit am Punkt. Friedrich (li.), Chahed (Mitte) und Cicero.Foto: City-Press

Elfmeter für Hertha? Das ist doch ein Grund zur Freude, wenn einem Bundesligisten ein Strafstoß zugesprochen wird? Nein, bei den Berlinern ist es Anlass zum Zwist – jüngster Beleg dafür war das Spiel am Sonntag. Als Hertha in Dortmund nach einem Foul an Raffael einen Elfmeter schießen durfte, schritt Sofian Chahed zum Punkt. Dort aber schnappte sich der Kollege Cicero flink den Ball. Und Arne Friedrich hielt Chahed am linken Arm fest. Die Botschaft des Kapitäns war klar: du schießt nicht. Machte Chahed auch nicht, dafür schlich er frustriert von dannen und jubelte demonstrativ nicht, nachdem Cicero verwandelt hatte. Einen Tag später verhehlte er nicht, dass er in der Situation gelitten hat: „Man hat an meiner Reaktion gesehen, dass ich sauer war.“

Chahed will nun keine Elfmeter mehr schießen

Herthas Streit um den Ball beim Elfmeter fand also in Dortmund seine Fortsetzung. Beim Spiel gegen Wolfsburg war es schon zum Eklat gekommen, als Marko Pantelic Mitspieler Cicero den Ball klaute und verschoss. Am vierten Spieltag spielte Hertha 2:2 und Trainer Lucien Favre sagte: Cicero sei als Schütze vorgesehen gewesen. Ähnlich äußerte er sich nun in Dortmund. Die Frage, ob es eine klare Absprache mit der Mannschaft gegeben habe, beantwortete der Trainer aber ausweichend: „Lassen Sie uns lieber über den sportlichen Teil sprechen.“

Anscheinend also gab es keine Absprache. Chahed hatte in der vergangenen Saison vier Elfmeter in Folge verwandelt und sah sich bis Sonntag auch in der Rolle des Schützen vom Dienst – gegen Wolfsburg hatte er nicht gespielt. Der Verteidiger sagt: „Natürlich wollte ich gerne den Elfmeter schießen.“ Aber nach Dortmund habe sich das erledigt für ihn: „Ich gehe nicht mehr hin zum Punkt.“
Erstaunlich sind derlei Unzufriedenheiten bei Hertha schon: Da bleibt die Mannschaft zum dritten Mal ohne Niederlage und liegt nach dem 1:1 in Dortmund nach neun Spieltagen auf dem komfortablen sechsten Tabellenplatz und trotzdem knirschst es hier und da: Dauerbrenner Marko Pantelic loderte auch am Sonntag wieder. Nachdem Favre den Serben in der zweiten Halbzeit ausgewechselt hatte, verweigerte Pantelic dem Trainer den Handschlag.

Zwischen Trainer Favre und Marko Pantelic kriselt es weiterhin

Hertha, das Heer der erfolgreichen Unzufriedenen? Trainer Favre will davon nichts wissen. Aber offensichtlich scheint der Schweizer nicht der große Kommunikator zu sein. Auch Manager Dieter Hoeneß hat die Szene vor dem Elfmeter von Dortmund erschreckt, wie er zugibt. „Ich habe mir gedacht: Das kann doch nicht wahr sein.“ Klar seien die Querelen in der Mannschaft ein Thema. „Es ist nur die Frage, wie man damit umgeht“, sagt Hoeneß. „Wir wollen uns auf das Wesentliche konzentrieren, keine Reibungsverluste zulassen. Die Bundesliga ist dieses Jahr sehr eng.“

Hoeneß kommt dieser Tage aber nicht um die Rolle des Schlichters herum. Nachdem Pantelic ein Training eigenmächtig hatte ausfallen lassen, hatte der Manager versucht, die Fronten zwischen Trainer und Stürmer einzureißen. Nebenbei bemüht sich Hoeneß dann auch, Zwistigkeiten in der Öffentlichkeit herunterzuspielen. Dann sagt er Dinge wie: Es gab da ein kleines Missverständnis“ oder „es macht keinen Sinn, das zu dramatisieren“.

Die Rolle des Managers scheint dabei recht umfangreich zu werden: Konfrontiert mit der Frage, warum denn der verletzt in Berlin gebliebene Andrej Woronin am Sonntagnachmittag in Hohenschönhausen Tischtennis gespielt und sich nicht Herthas Spiel im Fernsehen angeschaut habe, sagte Hoeneß: „Da müssen wir mal ein gutes Wort mit dem Andrej reden.“ Reden hilft sicher in jedem Fall, auch bei der Nominierung eines Elfmeterschützen. Immerhin glaubt Hoeneß. „dass beim nächsten Elfmeter für uns nur noch ein Spieler zum Punkt geht“.

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