Champion des Jahres : Wenn Spitzensportler Urlaub machen

Einmal im Jahr treffen sich besten deutschen Sportler zum gemeinsamen Spaß-Urlaub. Möglich macht’s die Eventwoche "Champion des Jahres", an deren Ende es trotz aller Gaudi dennoch einen Sieger geben wird.

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Ihren "Champion des Jahres" wählen die Sportler selbst.
Ihren "Champion des Jahres" wählen die Sportler selbst.Foto: dpa

Portugal also. Hier im Süden, wo der Spätsommer seinen Namen aufgrund des durchschnittlichen Wetters nur bedingt verdient hat, tummeln sich die Sportler in diesem Jahr. Genau genommen ist es eine Bande von rund 70 Athleten plus Familien, die sich an der Algarve, in der Nähe des Städtchens Faro breit gemacht hat. Nein, nicht um sich sportlich zu bekämpfen; vielmehr geht es um Erholung, um Unternehmungen und Spaß - um Urlaub. Möglich macht’s die Eventwoche "Champion des Jahres", an deren Ende es trotz aller Gaudi dennoch einen Sieger geben wird.

Zum elften Mal küren die Sportler dann den Besten unter sich. Speerwerferin Steffi Nerius, die im vergangenen Jahr die Trophäe von der Türkischen Ägäis mit nach Hause nahm, wird am kommenden Dienstag ihren Nachfolger ehren. "Das Besondere ist, dass dich nicht Außenstehende, sondern Sportler wählen", sagt Nerius. "Die kennen die Strapazen und deshalb freut es einen umso mehr, wenn man am Ende vorn ist." Einer von fünf Kandidaten wird in diesem Jahr ganz vorne liegen. Das haben die Stimmen von insgesamt 1100 Athleten in einem Vorentscheid via Internet bereits ergeben. Nominiert sind Kanute Max Hoff, Wasserspringer Patrick Hausding, Bobfahrer André Lange, Weitspringer Christian Reif und Verena Bentele, die bei den Paralympischen Spielen in Vancouver fünf Goldmedaillen sammelte.

Doch bevor der Champion der Champions in Quinta da Ria ausgerufen wird, genießen die Athleten ihren Aufenthalt im ortsansässigen Robinson Club, den sich viele von ihnen selbst gar nicht hätten leisten könnten. Also springt eine illustre Riege von Sponsoren und Partnern ein – und bietet Luxus für Menschen, die sich sonst schon allein aus Gründen der Berufswahl oft eher in Bescheidenheit üben, weil sie ihre Wettkämpfe eben meist im Schatten der großen Sportarten austragen. Hier baggern Biathletinnen beim Beachvolleyball zusammen mit Schwimmern, da versuchen sich Skispringer und Leichtathleten beim Boccia. "Das Event ist zweierlei", sagt Michael Ilgner, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe, "Belohnung und Ansporn für die kommende Saison."

Eingeladen sind die Medaillengewinner der Europameisterschaften, der Weltmeisterschaften und der Olympischen Winterspiele des Jahres 2010. Rodel-Olympiasieger Felix Loch ist da und Betty Heidler, die Hammerwurf-Europameisterin, Eisschnellläuferin Jenny Wolf und wer nicht sonst noch alles. Auch neun der vergangenen zehn Sieger der Wahl haben den Weg an die Algarve gefunden. Nur Claudia Pechstein, die 2002 von ihren Kollegen ausgezeichnet wurde, jetzt allerdings gesperrt ist, fehlt. Alle anderen machen Golf-Schnupperkurse auf nahe gelegenen Grüns oder kämpfen in Tennis-, Beachvolleyballturnieren um Sieg, Schampus und Ehre. Nur Urlaub allein ist dann wohl doch nichts für Leistungssportler.

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