Sport : Champion mit links

Felix Sturm aus Leverkusen schlägt den Spanier Javier Castillejo und wird zum dritten Mal Box-Weltmeister im Mittelgewicht

Hartmut Scherzer[Oberhausen]

Beide fühlten sich als Sieger. Felix Sturms linker Jab wurde zur Beckerfaust. Mit dem Fuß kickte der Boxer aus Leverkusen seinen Mundschutz ins begeisterte Publikum. Javier Castillejo kletterte derweil an den Ringpfosten hoch und schlug sich an die Brust: Ich bin der Champion. Beide wurden von ihren Betreuern geschultert und nebeneinander in Siegerpose durch den Ring getragen. Dann das Punkturteil nach zwölf mitreißenden Runden eines Duells zwischen einem draufgängerischen Fighter (Castillejo) und einem defensiven Stilisten (Sturm): Einstimmiger Punktsieger und damit neuer WBA-Weltmeister im Mittelgewicht ist Felix Sturm (28) alias Adnan Catic.

Zum dritten Mal wurde der in Deutschland geborene Bosnier Weltmeister in der populärsten Gewichtsklasse nach dem Schwergewicht. Vor neun Monaten hatte er den Titel durch K. o. an den nun 39 Jahre alten Madrilenen verloren. Diesen Schock zu überwinden war die eigentliche Leistung Sturms und seines Trainers Michael Timm. „Ich habe aus den Fehlern gelernt“, sagte Sturm. „Es ist besser, mit Köpfchen zu boxen als mit Gewalt.“

Diese Taktik hatte ihm Timm wochenlang eingehämmert: „Mit Intelligenz und Schnelligkeit musst du boxen.“ Timm hat sich zum Meistertaktiker im Boxstall Universum entwickelt. Zuvor hatte der Coach bereits den Kroaten Stipe Drews zum Punktsieg über den Italiener Silvio Branco und zur WBA-Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht geführt. Timm hatte auch die List ersonnen, mit der David Ruslan Tschagajew den Goliath Nikolai Walujew zwei Wochen zuvor entzaubert hatte. Aus einer sicheren Deckung, mit konsequentem Rückzug auf schnellen Beinen und beweglichem Oberkörper hatte Sturm dem Ansturm zwölf Runden lang widerstanden und mit seinem linken Jab versucht, den Kampf zu kontrollieren.

Dennoch: Einstimmig heißt nicht gleich eindeutig. Der Weltmeister machte den Kampf, legte ein hohes Tempo vor, schlug harte Serien zum Körper, hatte den besseren Anfang und das stärkere Ende für sich, während Sturm im Mittelteil eindeutig Herr im Ring war. Wenn Sturm zuschlug, dann traf er auch klar mit dem Jubelecho der 5000 Besucher in der ausverkauften Arena in Oberhausen. Solche Aufschreie werden von den drei Punktrichtern nicht überhört. Es gab Heimvorteil. Keinen Championbonus. So mancher Journalist am Ring fragte sich daher, ob Sturm auch in Madrid gewonnen hätte.

Im Ring überraschte der entthronte Spanier mit den übersetzen Aussagen, Sturm sei verdient Champion geworden: „Ich hätte mehr machen müssen.“ Mehr machen als zwölf Runden pausenlos angreifen? Im Ring sprach Felix Sturm von einem dritten Duell. „Er hat mir Revanche gegeben. Es steht 1:1. Von mir aus können wir auch gerne einen dritten Kampf machen.“ Das Angebot nahm Javier Castillejo an: „Aber dann in Spanien.“

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