Champions League : An der Grenze des Wachstums

Kuranyi, Altintop, Ernst, das sind Spieler, die gegen Gladbach, Frankfurt oder Hannover durchaus den Unterschied machen können; auf gehobenem europäischen Niveau aber machen sie ihn allenfalls zu Ungunsten der Schalker. Stefan Hermanns über Schalke 04 und das Aus in der Champions League.

Stefan Hermanns

Als die Delegation des FC Schalke 04 gestern wieder in Deutschland gelandet ist, müssen sich ihre Mitglieder wie bei der Rückkehr in ein fremdes Land vorgekommen sein. In ein Land, in dem der Fußball noch massenweise Geld ausgeben kann. Während der zweitägigen Schalker Abwesenheit hat der Hamburger SV mal eben 22 Millionen Euro in seinen Kader investiert. Davon kann Schalke im Moment nicht mal träumen.

Der Klub hat in Madrid mehr verspielt als einen Platz in der Champions League, eine Einnahme von 15 Millionen Euro und internationales Renommee. Er hat vor allem die Chance verspielt, schneller richtig groß zu werden.

Die Niederlage gegen Atletico hat den Schalkern die Grenzen ihres Wachstums gezeigt: Kuranyi, Altintop, Ernst, das sind Spieler, die gegen Gladbach, Frankfurt oder Hannover durchaus den Unterschied machen können; auf gehobenem europäischen Niveau aber machen sie ihn allenfalls zu Ungunsten der Schalker. Die weitere qualitative Aufforstung des Kaders, die mit Orlando Engelaar und Jefferson Farfan hoffnungsvoll begonnen hat, muss mangels finanzieller Mittel erst einmal für ein Jahr ausgesetzt werden.

An diesem Problem sind schon andere Klubs gescheitert. Die Dortmunder zum Beispiel, die Geld ausgaben, das sie noch gar nicht hatten. Oder der HSV, der die mangelnde Planungssicherheit in Sachen Champions League mit dem Rückfall in den Abstiegskampf bezahlte.

Die Schalker müssen weder finanziell noch tabellarisch den Absturz fürchten. Und den schlimmsten aller Fälle, das Verpassen der Champions League, scheinen sie intuitiv schon einkalkuliert zu haben. Nicht Engelaar war die wichtigste Verpflichtung des Sommers, nicht Farfan, sondern Fred Rutten, der Trainer, der im Ruf steht, dass er eine Mannschaft besser machen kann. Bei Schalke darf er das jetzt mal beweisen.

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