Champions League : Auf ungeliebtem Terrain

Die Füchse Berlin werden im zweiten Vorrundenspiel der Champions-League-Saison in alle Einzelteile zerlegt, weil sie viel zu schüchtern agieren. Am Ende steht eine 23:34-Niederlage beim FC Barcelona.

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Katalanischer Würgegriff. In Barcelona waren die Füchse völlig chancenlos. Foto: dpa
Katalanischer Würgegriff. In Barcelona waren die Füchse völlig chancenlos. Foto: dpaFoto: dpa

Ein bisschen Ballast hatten sie schon an Bord, als der Flieger am Freitagvormittag in Richtung Barcelona abhob. Champions League? In Spanien? War da nicht was? Den jüngsten Europapokal-Ausflug auf die iberische Halbinsel brachten sie bei den Füchsen Berlin nicht gerade mit netten Erinnerungen in Verbindung. Gegen Ademar Leon hatten die Berliner im Viertelfinal-Hinspiel Prügel kassiert, 23:34 hieß es damals im April. „Ich hoffe, dass wir dieses Mal besser ins Spiel finden“, hatte Berliners Spanier Iker Romero in dieser Woche vor dem Spiel beim FC Barcelona gesagt. So viel vorweg: Romeros Hoffnungen wurden nicht erfüllt. Gegen den spanischen Rekordmeister wirkten die Berliner über 60 Minuten viel zu schüchtern. Am Ende stand exakt jene 23:34-Niederlage, die die Füchse in der letzten Saison in Leon kassiert hatten. Im Palau Blaugrana, jener direkt neben dem legendären Camp Nou gelegenen Halle am Stadtrand Barcelonas, setzte es für die Berliner die erste Niederlage im zehnten Pflichtspiel der Saison.

Nach einer Schweigeminute für den am Donnerstagabend verstorbenen deutschen Jahrhundert-Handballer Erhard Wunderlich, der 1983 und 1984 das Trikot der Katalanen getragen hatte, hatten die Gäste große Probleme, ins Spiel zu finden. Bereits nach zwölf Minuten sah sich Trainer Dagur Sigurdsson gezwungen, die Grüne Karte beim Kampfgericht abzugeben – Auszeit. Der Coach brachte Iker Romero, dem es gegen seine alten Mannschaftskollegen allerdings auch nicht gelang, jenen 4:8-Rückstand zu verkürzen, den sich die Berliner wegen fehlender Gefahr aus dem Rückraum auf der einen und schläfriger Rückwärtsbewegung auf der anderen Seite schnell eingehandelt hatten. Diese Schwächen ermöglichten den Spaniern reihenweise einfache Gegenstoßtore, die Silvio Heinevetter im Füchse-Tor zur Weißglut trieben. Am eindrucksvollsten ließ sich die Dominanz des spanischen Tabellenführers an der Wurfquote illustrieren: Barcelonas Ausbeute lag phasenweise bei 70 Prozent, während die Berliner einen unterirdischen Wert von 32 Prozent aufwiesen. Wenn die Füchse das Bollwerk der Spanier tatsächlich mal auseinandergespielt hatten, scheiterten sie häufig am großartigen Arpad Sterbik im Barça-Kasten. Zur Pause lag der Bundesliga-Tabellenführer mit 10:15 in Rückstand.

Nach dem Seitenwechsel wurde es nicht besser. Die spanische Weltauswahl zerlegte die Berliner oftmals in alle Einzelteile. Rückhandpässe, feine Drehwürfe von den Außenpositionen, Treffer aus elf Metern Entfernung – beim Stand von 22:12 zeichnete sich ein Debakel ab. Auch Sigurdssons Intervention während einer Auszeit konnte das nicht mehr abwenden. Spanien bleibt ungeliebtes Terrain für Berlins Handballer. Christoph Dach

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