Champions League : Bayern am Limit

Das glückliche 2:1 im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den AC Florenz zeigt die Schwierigkeiten der Bayern auf internationaler Ebene.

Thomas Becker[München]
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So geht Glück. Miroslav Klose (2. von links) bejubelt sein Tor, zu dem ihm nur ein Wort einfiel: "Abseits." -Foto: dpa

Miroslav Klose zog das Tempo an. Ließ zuerst die Fernsehmenschen stehen, passierte zügig den Tross der wartenden Radioreporter und ließ auch den Zeitungsjournalisten kaum eine Chance. Nur zwei flinke Schreiber konnten Schritt halten, aber die Konversation war eher flüchtig: „Herr Klose, Sie können doch als Matchwinner nicht einfach so abhauen!“ Sagt der Matchwinner: „Klar, geht doch.“ Fragt der Reporter: „Ja, aber was sagen Sie denn zu Ihrem Tor?“ Darauf Klose: „Abseits.“ Dann verschwand er.

Nun hat Klose vor der Kamera noch nie viel von sich preisgegeben. Eine eingehende Analyse, was dieses 2:1 im Achtelfinale der Champions League gegen den AC Florenz für den FC Bayern München nun bedeutet, war nur bedingt vom Siegtorschützen zu erwarten. Auch die Mannschaftskollegen, die über den glücklichen Sieg redeten, duckten sich vor dieser Frage weg, sprachen lieber von der taktischen Stärke des Gegners und der eigenen Ungeduld im Spielaufbau.

Damit trafen sie die Situation auf den Punkt. Florenz, in der Serie A nur auf Platz elf, brachte den nun 13 Mal hintereinander siegreichen FC Bayern mit einfachen Mitteln in Kalamitäten. Mit hoher Laufbereitschaft stellten sie der Flügelzange Robben/Ribery je zwei oder gar drei Mann entgegen – und hatten damit das Offensivspiel der Gastgeber unterbunden. Bastian Schweinsteiger und Mark van Bommel hatten jede Menge Aufräumarbeiten zu erledigen und besitzen auch nicht die Fähigkeiten, ein Spiel aus der Mitte heraus nach vorne zu tragen. Und von den Außenverteidigern ist nur Philipp Lahm in der Lage, auch in der Offensive Akzente zu setzen. So musste das Fazit nach dem erduselten Sieg lauten: Der FC Bayern ist auf internationaler Ebene limitiert. Wenn es gegen taktisch gut geschulte Teams geht, tun sich die Münchner schwer. Was in der Bundesliga genügt, genügt in der Champions League noch lange nicht. Oder gerade eben so, mit einem Abseitstor in letzter Minute.

Der Kader ist zu dünn

Wie dünn der Kader ist, nachdem in der Winterpause Luca Toni, Andreas Ottl, Breno, Alexander Baumjohann, Edson Braafheid abgegeben worden sind, zeigte sich nach der Pause. Daniel van Buyten musste mit einem Muskelfaserriss in der Kabine bleiben, ersetzt wurde der Belgier gegen Florenz vom 19-jährigen Diego Contento, einem begabten Linksfuß, der erst ein paar Tage zuvor sein Bundesligadebüt gegeben hatte. Gegen den enttäuschend schwachen Sturm der Fiorentina tat sich Contento nicht sonderlich schwer, doch ob er auch den höchsten Ansprüchen genügt, muss sich erst zeigen. Gelegenheit gibt es schon bald: Van Buyten wird zwei Wochen ausfallen. Holger Badstuber bildet nun mit Unruheherd Martin Demichelis die Innenverteidigung. Torwart Jörg Butt macht sich keine Sorgen: „Holger hat schon zu Beginn der Saison in der Innenverteidigung gespielt und das gut gemacht.“

Im Sturm kann man zwar nicht direkt von Sorgen sprechen, doch das Verhältnis von Franck Ribery zu Arjen Robben könnte sich noch zu einer heiklen Geschichte entwickeln. Der Spektakelfußball findet bei den Bayern längst auf der rechten Seite statt, der von Robben und Lahm. Die beiden harmonieren aufs Ansehnlichste, und die Robben-Dribblings sind das, was in den vergangenen beiden Jahren die Ribery-Dribblings auf der anderen Seite waren: Stadtgespräch. Robben hat sich mit seinem Hochgeschwindigkeitsfußball in den Mittelpunkt gespielt – Ribery wirkt ein wenig wie ein beleidigtes Kind, das plötzlich unbeachtet in der Ecke steht. Und das auf der großen Bühne Champions League, auf die ganz Europa schaut. Wie selbstverständlich schnappte sich Robben kurz vor der Pause den Ball zum Elfmeter. Schon ewig scheint es her zu sein, dass Ribery Tim Wiese mit einem frechen Lupfer vom Punkt lächerlich machte. All das wird dem wechselwilligen Franzosen nur bedingt gefallen.

Wie weit aber ist der FC Bayern des Prozesstrainers Louis van Gaal schon? In der Bundesliga wird diese Frage nicht beantwortet, sondern in der Champions League: in drei Wochen in Florenz. Und vielleicht noch im Viertelfinale. Alles andere scheint nach dem Auftritt vom Mittwoch doch noch recht weit weg zu sein.

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