Champions League : Bayern rettet sich mit Dusel zum Sieg

Im Achtelfinal-Hinspiel gegen den AC Florenz tut sich der FC Bayern lange schwer. Erst ein Treffer von Miroslav Klose kurz vor Schluss bringt doch noch den Erfolg - allerdings stand der Nationalspieler dabei klar im Abseits.

Thomas Becker[München]
Champions League - FC Bayern München - AC Florenz 2:1
Klose trifft,... steht dabei aber rund einen Meter im Abseits. Sein 2:1 zählt trotzdem. -Foto: dpa

Tom Henning Övrebö ist in der Fußballszene spätestens seit dem vergangenen Frühjahr eine berüchtigte Persönlichkeit. Damals hatte der Schiedsrichter aus Norwegen im Halbfinale der Champions League zwischen dem FC Chelsea und dem FC Barcelona einige seltsame Entscheidungen getroffen und damit vor allem Michael Ballack gegen sich aufgebracht. Auch gestern, im Achtelfinal-Hinspiel des Wettbewerbs zwischen Bayern München und dem AC Florenz, nahm Övrebö erheblichen Einfluss auf den Ausgang der Partie, wieder mit einer klaren Fehlentscheidung. In der 89. Minute gab der Norweger den Siegtreffer zum 2:1 (1:0) für Bayern. Er hätte nie und nimmer zählen dürfen. Miroslav Klose stand beim Zuspiel von Ivica Olic einen guten Meter im Abseits.

Der knappe Sieg lässt den Münchnern für das Rückspiel noch alle Chancen. Dass sie in drei Wochen in Florenz allerdings eine hitzige Atmosphäre erwartet, ließ sich schon gestern erahnen. 6000 Tifosi entwickelten in der Münchner Arena einen Lärm, gegen den die 60.000 Bayern- Anhänger dezibelmäßig nicht ankamen. Auch auf dem Feld ließen sich die Gäste nicht vom Anfangsschwung der selbstbewussten Münchner beeindrucken. Mit hoher Lauf- und Zweikampfbereitschaft sowie flinkem Passspiel ließen sie die Gastgeber nicht zur Entfaltung kommen.

Florenz hält gut dagegen

Die schon beinahe chronisch unsichere Innenverteidigung der Bayern lieferte nach zehn Minuten Anlass zur Sorge. Daniel van Buyten lag bei einem langen Ball Richtung Torwart Jörg Butt im Laufduell klar vor Torjäger Alberto Gilardino und wartete, bis Butt aus dem Tor eilen und den Ball aufnehmen würde. Nur: Butt kam nicht. Schon sah man den Stürmer am kantigen Belgier vorbei eilen und mit gestrecktem Bein einschießen, so wie es der Dortmunder Zidan am vergangenen Samstag getan hatte. Doch Gilardino hatte wohl die Sportschau verpasst, und so blieb es bei einem Wortgefecht zwischen van Buyten und Butt.

Auf der anderen Seite tat sich eher wenig. Bis Mitte der ersten Hälfte musste Sebastien Frey nur zwei Mal eingreifen. Zunächst hatte Mario Gomez aus spitzem Winkel auf die Fäuste des Keepers geschossen, ehe Franck Ribéry zehn Minuten später von der Strafraumgrenze mit links abzog – beides stellte Frey vor keine größeren Probleme, ebenso wenig wie der Schuss Arjen Robbens kurz vor der Pause. Erst als Cesare Natali Ribery im Strafraum zu Boden drückte, wurde es ernst für Frey: Elfmeter in der Nachspielzeit. Robben ließ dem Franzosen keine Chance und verwandelte sicher zum etwas schmeichelhaften 1:0. Überhaupt Robben: Die Spektakeldribblings finden längst auf seiner Seite statt. Ribery läuft auf der linken Seite mäßig motiviert mit, wirkt ein wenig wie ein beleidigtes Kind, das nicht länger im Mittelpunkt steht.

Am Ende muss der Schiedsrichter helfen

Nach der Pause blieb van Buyten in der Kabine, Diego Contento rückte nach hinten links, Holger Badstuber in die Innenverteidigung der Bayern. Fünf Minuten später nutzte Per Kröldrup nach einem Eckball eine Konfusion in der Abwehr und schob zum 1:1 ein. Prompt legten die Tifosi wieder an Lautstärke zu: „Forza Ragazzi!“ Bayern mühte sich, den Druck zu erhöhen – mit mäßigem Erfolg, selbst nach der Einwechslung von Olic und Klose für Gomez und Müller. Erst nachdem Massimo Gobbi nach einem rüden Foul an Robben die Rote Karte gesehen hatte, kamen die Münchner zu mehr Chancen. Ein Tor aber hätten sie ohne die Hilfe des Schiedsrichters wohl nicht mehr geschossen.

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