Champions League : Bayern verabschiedet sich mit Anstand

Immerhin ist es nicht wieder eine Blamage geworden. Die Bayern spielen 1:1 gegen Barcelona und sind im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden.

Christian Kunz,Michael Fox[dpa]
Bayern
Ze Roberto machte ein besseres Spiel gegen Barcelona als in der Vorwoche. -Foto: dpa

München Das Halbfinale der Champions League wie erwartet verpasst, aber eine erneute Blamage verhindert: Sechs Tage nach der 0:4-Schmach von Camp Nou lieferte sich der deutsche Meister FC Bayern München im Viertelfinal-Rückspiel gegen das Starensemble des FC Barcelona ein Duell auf Augenhöhe und verabschiedete sich beim 1:1 (0:0) mit Anstand aus der Königsklasse. Mit seinem vierten Tor im Wettbewerbs brachte Franck Ribéry (47. Minute) die Bayern vor 66.000 Zuschauern in der ausverkauften Allianz-Arena in Führung, ehe Seydou Keita (73.) die erhoffte Wiedergutmachung für das Debakel verdarb.

Zwar konnte das Remis die Position des am Ende wieder mit "Raus"- Rufen bedachten Trainers Jürgen Klinsmann nicht verbessern, dennoch dürften die Münchner mit ihrer kämpferisch tadellosen Vorstellung Selbstbewusstsein für den Titelkampf in der Bundesliga getankt haben. Dort gilt alle Konzentration der erneuten Qualifikation für die Champions League, um im kommenden Jahr einen neuen Anlauf zu nehmen.

An ein Fußball-Wunder gegen die zur Zeit wohl beste Vereinsmannschaft der Welt hatten nach der Abreibung der Vorwoche nur die allergrößten Optimisten geglaubt, doch dann legten die Bayern los, als wollten sie das schier Unmögliche wahr machen. Bissig in den Zweikämpfen war Klinsmanns Elf von Beginn an um Wiedergutmachung bemüht. Mit der Rückkehr der in Barcelona schmerzlich vermissten Lucio und Philipp Lahm kam wieder mehr Stabilität und Ruhe in die Abwehr der Münchner, die schon in den ersten Minuten mehr Zweikämpfe für sich entschieden als in der gesamten ersten Hälfte des Hinspiels. Lahm gelang es weitgehend, die Kreise von Superstar Lionel Messi einzuengen, und auch Barcas Mittelfeld-Asse Xavi und Andres Iniesta bekamen diesmal nicht den Raum für ihr gefürchtetes Kurzpassspiel.

Im Spiel nach vorne fehlte den Münchnern allerdings die letzte Entschlossenheit, nicht zuletzt deshalb, weil Luca Toni mangels personeller Alternativen auf sich alleine gestellt war. So mühten sich der spielfreudige Ribéry und Ze Roberto oft vergeblich, gefährlich in die Nähe des Tores von Victor Valdes zu kommen. Die Katalanen, die auf den gelb-gesperrten Abwehrchef Marquez und den an Grippe erkrankten Thierry Henry verzichten mussten, zeigten nur ansatzweise ihr im Hinspiel so erfolgreiches Kombinationsspiel. Doch wenn der Ball einmal blitzschnell nach vorne gespielt wurde, wurde es prompt gefährlich vor dem Kasten von Jörg Butt, der von Klinsmann erneut den Vorzug vor Michael Rensing erhalten hatte.

Toni hätte den Anfangsschwung der Bayern mit dem erhofften frühen Führungstor krönen können, doch der Weltmeister verfehlte trotz seiner Größe von 1,96 Metern eine Flanke von Jose Ernesto Sosa mit dem Kopf knapp (5.). Der Argentinier war für den an Knieproblemen laborierenden Bastian Schweinsteiger kurzfristig in die Mannschaft gekommen. Wenig später setzte der quirlige Ribéry einen Schuss von der Strafraumgrenze etwas zu hoch an (14.). Doch danach übernahm der FC Barcelona mehr und mehr das Kommando. Butt bekam in der 31. Minute bei einem Freistoß von Xavi erstmals Gelegenheit sich auszuzeichnen.

Franz Beckenbauer schlug zur Pause im Fernsehsender "Premiere" versöhnliche Töne an. "Sie spielen sehr gut mit. Der FC Bayern ist auf dem Weg, sich zu rehabilitieren", sagte der Klubchef zufrieden. Zwei Minuten nach Wiederbeginn hellte sich die Miene des "Kaisers" weiter auf. Ribéry nahm einen Steilpass von Ze Roberto auf, umspielte Schlussmann Valdes und schlenzte den Ball in die Torecke. Die Gäste stemmten sich danach mit Macht gegen die drohende erste Europacup- Auswärtsniederlage der Saison, aber die Münchner Abwehr hielt den Angriffen bis zur 73. Minute stand. Dann führte eine Traumkombination über fünf Stationen mit Keita als Schlusspunkt für das insgesamt verdiente 1:1 - und am Ende war für die Anhänger wieder Klinsmann der Sündenbock.

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