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Champions League : Borussia Dortmund dank André Schürrle 2:2 gegen Real Madrid

André Schürrle belohnt Borussia Dortmund gegen Real Madrid mit seinem 2:2 für eine starke Leistung. Für den BVB wäre sogar mehr drin gewesen.

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Dortmunds Raphael Guerreiro (l.) und Madrids Dani Carvajal versuchen an den Ball zu kommen.
Dortmunds Raphael Guerreiro (l.) und Madrids Dani Carvajal versuchen an den Ball zu kommen.Foto: dpa

Vier Minuten noch. 65 000 Zuschauer im Westfalenstadion brüllen und und singen und feuern Borussia Dortmund an. 1:2 liegt der BVB am zweiten Spieltag der Champions League zurück, gegen Real Madrid den Titelverteidiger, aber der kommt kaum noch aus der eigenen Hälfte heraus. Auf dem rechten Flügel kommt Christian Pulisic an den Ball. Er ist spät eingewechselt worden, wie auch André Schürrle, auf den er jetzt flankt. Schürrle überlegte nicht lang, er drischt den Ball mit Urgewalt ins linke obere Tordreieck, und im Westfalenstadion bricht die Hölle los. Am Ende heißt es 2:2 (1:1) und das Bemerkenswerte daran ist, dass dieses Unentschieden für Real Madrid als ein kaum verdientes Erfolgserlebnis gewertet werden war.

"Wenn man zwei Mal nach einem Rückstand gegen Real Madrid zurückkommt und den Gegner so gut bespielt, ist es ein gutes Gefühl. Wir sind auf jedem Niveau in der Lage, großen Teams Paroli zu bieten", sagte der Torschütze nach dem Spiel. Nicht ganz so euphorisch äußerte sich Trainer Thomas Tuchel: "Wir wollten die Gelegenheit nutzen, um auszuprobieren, ob wir auf hohem Niveau mit dem gleichen Tempo und Mut spielen können wie zuletzt in der Bundesliga. Das ist uns teilweise gelungen."

Mit Schürrles spektakulärem Ausgleich endete dieses Spiel, wie es begonnen hat – als eine Auseinandersetzung mit höchsten Unterhaltungswert. Dortmunds Torhüter Roman Bürki musste schon nach zwei Minuten einen von Cristiano Ronaldo gezirkelten Freistoß aus der rechten Ecke boxen, im Gegenzug gelang Reals Keylor Navas das gleiche Kunststück gegen Gonzalo Castro. Kurz darauf hielt Ronaldo seine Hand in einen Schuss von Pierre-Emerick Aubameyang, aber Schiedsrichter Mark Clattenburg mochte nicht in seine Pfeife blasen, was den Dortmundern eine weitere verführerische Freistoß-Chance eingebracht hätte.

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Das Dortmunder Spiel lebte von Schönheit und Leidenschaft, aber große Mannschaften definieren sich auch über ihre Effizienz, und die brachte Real geradezu meistergültig zur Geltung. Ein gelungener Spielzug reichte nach einer Viertelstunde zum Führungstor. Über Luka Modric und Gareth Bale und durch die Beine von Matthias Ginter kam der Ball zu Ronaldo, der gerade vom linken auf den rechten Flügel gewechselt war und mit der ihm eigenen Präzision ins lange Eck traf.

Ronaldos 1:0 war schon sein 94. Tor in der Champions League

Es war das 94. Tor des Portugiesen in der Champions League, und da Real in den kommenden beiden Wochen zweimal gegen den Außenseiter Legia Warschau spielt und die Saison ja gerade erst begonnen hat, dürfte da bald ein dreistelliges Jubiläum anstehen. Ronaldo steht nach seiner im EM-Finale erlittenen Knieverletzung in dieser Saison erst seit kurzem wieder unter voller Belastung. Seine Bewegungen wirkten noch ein wenig eckig, selten nur setzte er zum Sprint an. Aber wenn es vor dem Dortmunder mal gefährlich wurde, waren stets Ronaldos Füße im Spiel.

Und Dortmund? Haderte nach dem 0:1 ein paar Minuten mit dem Spielglück, fand aber schnell wieder die zuvor demonstrierte Selbstsicherheit zurück und zeigte, was diese Mannschaft in dieser Saison bisher so auszeichnet. Höchstes Tempo, veredelt durch individuelle Klasse. Es tat sich dabei vor allem der Franzose Dembélé vor, ein 19-jähriges Bürschlein, der auch gegen den Champions-League-Sieger kein Dribbling scheute. Sein Schuss nach feiner Einzelleistung hätte Mitte der ersten Halbzeit vielleicht den Weg ins Tor gefunden hätte, wäre nicht im letzten Moment Sergio Ramos dazwischen gegrätscht.

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Das Ausgleichstor fiel dann kurz vor dem Halbzeitpfiff, es war hochverdient und kam doch ein wenig glücklich zustande. Raphael Guerreiros Freistoß flog in die Mitte des Tores, wo Navas ein wenig desorientiert wirkte und den Ball mit beiden Fäusten frontal abwehrte. Er traf dabei seinen Verteidiger Raphael Varane, und der Ball wäre gewiss auch ohne Aubameyangs Dazutun ins Tor geflogen, aber Sicherheit ging vor und der Dortmunder Stürmer ließ sich feiern. Real steigerte aber im weiteren Verlauf des Spiels seine Präsenz in der Dortmunder Hälfte. Der Titelverteidiger schaffte es, das Spiel ausgeglichen zu gestalten – diese Feststellung sagte einiges über die Dortmunder. Und sie hatten weiterhin die besseren Chancen. Dembélé schoss aus halbrechter Position knapp über das Tor, Aubameyang scheiterte mit einem Drehschuss an Navas.

Dass die Madrider zwischenzeitlich doch noch von einem Sieg träumen dürfen, verdankten sie abermals Cristiano Ronaldo. Es war seine Flanke, nach der Karim Benzema den Pfosten traf, Varane musste den zurückprallenden Ball nur noch ins leere Tor schieben. Dortmund mühte sich um den Ausgleich, Guerrero und Christian Pulisic hatten ihn schon auf dem Fuß, aber Navas parierte beide Male großartig.
Und dann kam André Schürrle.

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