Champions League : Cristiano Ronaldo: Zwischen beleidigt und beeindruckend

Beim Champions-League-Spiel von Real Madrid beim AS Rom lieferte Cristiano Ronaldo wieder besten Stoff für seine eigene widersprüchliche Legende.

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Cristiano Ronaldo feiert die Führung gegen Rom, aber vor allem feiert er sich.
Cristiano Ronaldo feiert die Führung gegen Rom, aber vor allem feiert er sich.Foto: Reuters

Er spaltet wie kein anderer. Geht es um die Bewertung von Cristiano Ronaldo als Fußballer gibt es nur zwei Lager: diejenigen, die ihn und seine fabelhaften Fähigkeiten am Ball abgöttisch verehren. Und diejenigen, die ihn wegen seiner gockelhaften Auftritte auf und abseits des Feldes nicht ausstehen können. Dazwischen gibt es nichts. Und letztere Gruppe bekam am Dienstag wieder neues Futter. Ronaldo hatte die Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel beim AS Rom erbost verlassen. Warum? Weil er sich in seiner Ehre gekränkt fühlte.

Ein Journalist hatte sich erdreistet, darauf hinzuweisen, dass der Portugiese auswärts seit dem 2:0-Sieg von Real Madrid beim SD Eibar am 29. November nicht mehr getroffen hatte. Und so wollte er wissen, woran das liege. Daraufhin echauffierte sich der 29-Jährige immens. Wütend blaffte er zurück: "Nennen Sie mir einen Spieler, der mehr Auswärtstore geschossen hat als ich, seit ich in Spanien bin!" Nur um dann selbst zu ergänzen: "Es gibt keinen." Als der Journalist seine Frage erklären wollte, ignorierte der beleidigte Ronaldo ihn, sagte "Tschüss" und "Danke" und ging.

Welch ein übertriebener Auftritt! Welch ein großes Ego! Und welch mangelnde Souveränität! Typisch Ronaldo, konnten diejenigen sagen, die nicht so positiv auf ihn zu sprechen sind. Für Ronaldo selbst - und für seine Fans - war die Aktion vollkommen verhältnismäßig. Jemand hatte Majestätsbeleidigung begangen. Und warum diese Frage für ihn so niederschmetternd war, zeigte er dann am Mittwochabend beim 2:0 gegen den AS Rom.

Ronaldo bekam in der zweiten Halbzeit den Ball, legte ihn sich mit der linken Hacke vor, spielte so einen gegnerischen Verteidiger aus und schoss den Ball aus 16 Metern traumhaft schön ins lange Eck. Welch ein überragender Auftritt! Welch große Kunst! Es war Ronaldos 89. Tor im 122. Champions-League-Spiel. Und seine Auswärtstorflaute beendete er eindrucksvoll.

Der Star von Real Madrid hat auf seine kindliche Aktion bei der Pressekonferenz also mit einer grandiosen Leistung auf dem Platz geantwortet. Das ist perfekter Stoff für die weitere Legendenbildung um das Phänomen Ronaldo. Und genau weil er verlässlich weitere liefern wird, wird Ronaldo auch weiterhin die Fußballfans in zwei Lager spalten.

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