Sport : Champions League: "Das nervt nur noch"

Die Fußball-Feste in der Champions League sorgen beim Hamburger SV für Katerstimmung. "Der Kopf ist leer, das nervt nur noch", klagte Mittelfeldspieler Marcel Ketelaer und gab damit die Gemütsverfassung der Hanseaten nach der 0:1 (0:1)-Heimpleite gegen Panathinaikos Athen wider. Denn nach verschenkten Punkten gegen Juventus Turin (4:4) und bei Deportivo La Coruna (1:2) steht der Europapokalsieger von 1983 vor dem Aus.

Der Spagat zwischen der europäischen Königsklasse und der Bundesliga hat sich für den HSV als zu groß erwiesen. Dennoch wollte HSV-Trainer Frank Pagelsdorf die hohe Belastung nicht als Entschuldigung gelten lassen: "Vier Tage Pause zwischen den Spielen müssten eigentlich zur Erholung reichen. Ein Manko war vielmehr, dass wir im Training nicht das volle Programm absolvieren konnten."

Allerdings schienen die späten Gegentore der letzten vier Pflichtspiele und die häufigen Rückstände ihre Spuren hinterlassen zu haben. "Wenn man in sieben von zehn Spielen einem 0:1-Rückstand hinterherlaufen muss, kostet das natürlich unheimlich viel Kraft. Wir müssen einfach mal wieder in Führung gehen", sagte Pagelsdorf. Schon am vergangenen Sonnabend hatte der HSV eine Zitterpartie gegen den VfL Wolfsburg absolvieren müssen. Die Hamburger hatten bis zur 90. Minute 4:3 geführt, ehe Jonathan Akpoborie quasi in letzter Sekunde noch den 4:4-Ausgleich erzielte. "Ich hatte nicht gedacht, dass so etwas möglich ist. Aber man lernt nie aus", hatte HSV-Trainer Frank Pagelsdorf anschließend erklärt und dabei an das 4:4 gegen Juventus Turin gedacht, als die Italiener kurz vor Schluss noch zum Ausgleich gekommen waren, nachdem Sergej Barbarez seinen Gegenspieler im Strafraum am Trikot gezerrt hatte. Der HSV hatte damit eine große Überraschung verpasst.

Spielmacher Rodolfo Cardoso, der sich einen Muskelfaserriss zugezogen hatte und bereits nach vier Minuten aus dem Spiel genommen worden war, verfolgte die Partie von außen. "Der Mannschaft fehlt derzeit das Selbstvertrauen. Ein bisschen Herz, ein bisschen Kampf, aber keine Ideen - das war einfach zu wenig", meinte der Argentinier, dessen früher Ausfall das Team eindeutig geschwächt hatte. "Sein Fehlen war an allen Ecken und Enden zu spüren", meinte Pagelsdorf.

Die Platzherren wirkten vor 44 363 Zuschauern im Volksparkstadion zwar optisch überlegen, konnten aus ihrer Dominanz aber kein Kapital schlagen. Immer wieder blieben die Angriffsbemühungen in der Abwehr der Griechen stecken. Am Ende kam auch noch Pech hinzu, als Sergej Barbarez in der viel zu späten Schlussoffensive nur die Latte traf.

Besser hatte es in der 36. Minute Panathinaikos-Stürmer Giorgios Nasiopoulos gemacht, der seinen Bewacher Jochen Kientz stehen und Torwart Hans-Jörg Butt aussteigen ließ, um den Ball dann kaltschnäuzig über die Linie zu schieben. "Die wären anfangs wahrscheinlich auch mit einem Punkt zufrieden gewesen, aber dann haben sie uns gezeigt, wie man einen Sieg nach Hause schaukelt", meinte der Däne Stig Töfting verärgert.

Endgültig wollte der HSV die Champions League aber doch noch nicht abschreiben. "Jetzt ist der Druck weg, da kann es nur noch besser werden", meinte Töfting. Und Abwehrspieler Andrej Panadic gab schon mal die Parole für die drei verbleibenden Spiele aus. "Noch sind wir nicht ausgeschieden, wir leben noch." Und Totgesagte leben bekanntlich länger.

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