Sport : Champions League der Leichtathleten

Florian Schwarthoff über die Zukunft des Stadionfestes Istaf

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Florian Schwarthoff ist neuer Sportlicher Leiter des Stadionfestes Istaf in Berlin. Der Leichtathlet, deutscher Rekordhalter über 110 m Hürden und 1996 OlympiaDritter, hatte seine aktive Karriere vor kurzem beendet.

Erst vor zwei Jahren kamen Sie nach Berlin – und zum OSC geholt hat Sie der frühere Istaf-Chef Rudi Thiel.

Das stimmt, aber der Wechsel nach Berlin hatte vor zwei Jahren rein sportliche Gründe. Ich war froh, nicht nur hier trainieren zu können, sondern auch für einen Berliner Verein starten zu können.

Sie haben auch den gleichen Beruf wie Rudi Thiel. Braucht das Istaf Architekten?

Das ist lustig, aber natürlich reiner Zufall. Sicherlich braucht das Istaf Personen, die die Fähigkeit haben, zu organisieren, die richtigen Fachleute zusammen zu bringen und sie entsprechend einzusetzen – das ist auch eine der Hauptaufgaben eines Architekten, aber das ist in anderen Berufen ebenfalls so.

Wie sehen Sie die Zukunft des Istaf?

Das Istaf ist das wichtigste Sportfest in Deutschland und eines der bedeutendsten weltweit. Diese Position wollen wir weiter ausbauen. Wir wollen das Istaf und die Golden League zu einem Begriff werden lassen. Jeder soll wissen, worum es geht – so wie bei der Champions League im Fußball. Unser Organisationsteam setzt sich jetzt aus sehr fähigen Mitarbeitern zusammen, so dass ich optimistisch in die Zukunft blicke.

Sie waren 15 Jahre lang ein internationaler Topathlet. Es heißt immer, die Leichtathletik stecke in einer Krise. Wie sehen Sie das?

Ich sehe eine dramatische und dynamische Entwicklung in der Leichtathletik. Neben dem Fußball konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nur noch auf wenige Sportarten - darunter leiden viele. Als ich anfing, wurden zum Beispiel Länderkämpfe noch stundenlang im Fernsehen übertragen. Das ist längst nicht mehr so. Die Leichtathletik hat sich einfach zu lange darauf ausgeruht, die olympische Kernsportart zu sein. Unsere Sportart muss sich weiter entwickeln, um wieder mehr Medienpräsenz zu bekommen. Und sie wird es tun - auch gegen Widerstände.

Es gibt viele Vorschläge – beispielsweise die neue Fehlstartregel, nach der nur noch ein Fehlstart pro Rennen erlaubt ist...

Dazu kann ich als Hürdensprinter sofort etwas sagen. Das ist eine sehr gute Regel. Wenn um 18 Uhr im Fernsehen das WM-Finale über 100 m übertragen werden soll und es gibt vier Fehlstarts, dann wird es plötzlich 18.15 Uhr. Dazwischen erzählen die Kommentatoren irgendwelche Geschichten, um die Zeit zu überbrücken - das geht nicht. Diese Regel ist ungeheuer wichtig, und ich bin jederzeit bereit, darüber zu diskutieren.

Andere Ideen sind ein K.o.-System bei den Wurfentscheidungen einzuführen oder Ausscheidungsrennen bei den Läufen, so dass in jeder Runde der Letzte ausscheiden müsste.

Man wird sicher experimentieren müssen, um dann sinnvolle Veränderungen zu erreichen. Wichtig ist aber, dass der Charakter der Disziplin beibehalten wird. Es gibt Läufer, die in den ersten Runden bewusst ganz hinten laufen und dann das Feld von hinten aufrollen. Das ist doch spannend. Insofern halte ich von einem Ausscheidungsrennen nichts. Es gibt viele Ideen. Auch Athleten, Medien und Organisatoren sollten die Möglichkeit haben, Vorschläge zu machen.

Was werden Sie beim Istaf anders machen?

Da haben wir keinen Spielraum, denn es gibt vom Weltverband IAAF sehr genaue Vorgaben, wie so ein Meeting organisiert werden muss. An diese Regelungen sind wir gebunden.

Innerhalb der Golden League werden verschiedene Disziplinen im Preisgeld unterschiedlich bewertet - ein Speerwerfer wird für einen Sieg bei einem Meeting nie so viel verdienen wie ein 100-m-Sieger. Ist das in Ordnung?

Generell muss man erkennen, dass einige Disziplinen attraktiver sind als andere. Ein 100-m-Weltrekordler ist der schnellste Mann der Welt - das lässt er sich zum Beispiel mit Startgagen entsprechend bezahlen, und das ist auch in Ordnung. Beim Preisgeld bin ich aber dafür, keine Unterschiede zu machen - ein erster Platz ist ein erster Platz.

Das Gespräch führte Jörg Wenig.

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