Champions League : Der Titel für die Tradition

Michael Ballack kämpft heute im Finale der Champions League auch um das Image des FC Chelsea.

Raphael Honingstein
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Kämpferisch und erfolgreich: Michael Ballack trifft für Chelsea. -Foto: dpa

MoskauMichael Ballack ist präsent beim Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Palma de Mallorca – auf dem Mannschaftsbus. Dort prangt ein Bild des deutschen Kapitäns. Physisch ist Ballack dagegen noch nicht in der Hauptstadt der Baleareninsel angekommen. Denn während seine Kollegen im Trainingslager schon für die Europameisterschaft üben, ist Michael Ballack in Moskau. Die Nationalmannschaftskollegen können den Auftritt ihres Kapitäns mit dem FC Chelsea heute Abend ab 20.45 Uhr im Fernsehen verfolgen, das sagte Oliver Bierhoff, der Teammanager der deutsche Mannschaft, gestern. Denn Ballack will versuchen, mit seinem englischen Klub den bislang größten sportlichen Erfolg seiner Karriere zu erreichen: im Finale der Champions League Manchester United zu besiegen.

Es ist schon nicht ganz frei von Ironie, dass die beiden englischen Spitzenmannschaften ausgerechnet in Moskau um den Titel des besten europäischen Klubteams streiten. Chelseas Klubeigner, der russische Oligarch Roman Abramowitsch, hatte seinem Team schon vor Monaten – natürlich mit einem Augenzwinkern – versprochen: „Ihr kommt dieses Jahr ganz sicher nach Russland. Ich weiß nur noch nicht, ob nach Moskau oder Sibirien.“

Chelsea-Kotrainer Steve Clarke gab die Anekdote vom Chef kürzlich zum Besten. Der frühere Chelsea-Spieler hat großen Anteil daran, dass sein Klub erstmals im Champions-League-Finale steht. Seit Cheftrainer José Mourinho im September vergangenen Jahres entlassen wurde, leitet Clarke zusammen mit dem Niederländer Henk ten Cate das Training bei den Londonern. Der neue Chefcoach Avram Grant, den Ballack als „mehr den beobachtenden Typ“ charakterisiert, schaut bei den Übungseinheiten nur zu.

Für Michael Ballack war Grant allerdings ein Glücksfall. Im September kämpfte der 31-jährige Deutsche mit einer langwierigen Knöchelverletzung, Mourinho verbannte ihn ungerührt in die zweite Reihe. Der deutsche Nationalmannschaftskapitän wurde nicht einmal für die Spiele der Gruppenphase der Champions League nominiert. Michael Ballack musste wieder „bei Null anfangen“, wie er sagt. Als er im Dezember endlich zurückkam, hatte er das Glück, dass die alten Hierarchien im Team unter Grants passiver Führung zusammengebrochen waren. Mourinhos taktische Fassade stand noch, dahinter aber tat sich das Nichts auf. „Die Spieler haben sich ohne den Trainer zusammengesetzt und über die Situation nachgedacht“, erzählt Ballack. „Und dann haben wir beschlossen, alle zusammen härter zu arbeiten.“

Der Görlitzer traf in den Rückspielen des Achtel- und Viertelfinales der Champions League jeweils zum 1:0. Und er spielte dabei auch bisschen für die Zuschauer. „Man muss sich an den englischen Stil anpassen und den Fans bieten, was sie sehen wollen“, hat er erkannt. „Präsenz, Einsatz, Kampfgeist. Der feine Pass ist dabei manchmal nicht so gefragt.“

England, dessen Fußball traditionell wenig Nuancen kennt, feiert ihn nun in Anspielung auf Franz Beckenbauer als „Kaiser junior“ („Evening Standard“) und „Michael Schumacher des Fußballs“ („The Sun“) – seine Siegermentalität hat es den Engländern besonders angetan. Moskau, sein zweites Endspiel im zehnten Jahr Champions League, bezeichnet Ballack als „Meilenstein“.

Was Michael Ballack und dem FC Chelsea fehlt, ist der letzte, ganz große Schritt. Mit Bayer Leverkusen hat Ballack schon 2002 ein Finale der Champions League verloren. Und sein englischer Klub steht seit dem Einstieg von Eigner Abramowitsch im Jahr 2003 unter dem Druck, den Titel der Champions League zu gewinnen – um endlich in der Gruppe der ganz Großen Europas anzukommen. Die zwei englischen Meistertitel 2005 und 2006 sind dem Klubeigner natürlich noch nicht genug. „Roman Abramowitsch hat völlig recht“, sagt Michael Ballack, „man muss einen Titel nach dem andern holen, um eine Tradition aufzubauen.“

Und Ballack sieht sich mit seinem Team da auf einem guten Wege. Mental sei die Mannschaft bestens auf Manchester United eingestellt, sagt er. Auch wenn die Mannschaft von Alex Fergusson als Favorit gegen Chelsea ins Endspiel geht und nach dem nationalen Titelgewinn weniger unter Druck zu sein scheint. „Aber wir wollen es, mit aller Macht“, sagt Ballack, „das Gefühl, wie es wäre, die Trophäe in den Händen zu haben, wird jeden Tag stärker. Es besitzt dich total und bestimmt deine ganzen Gedanken. Und genau so muss es sein.“

Michael Ballacks Kollegen aus der Nationalmannschaft werden jedenfalls heute in Palma verfolgen, was ihr Kapitän in Moskau macht. Teammanager Oliver Bierhoff sagte gestern: „Es ist klar, dass wir Michael die Daumen drücken. Das wäre schon schön, dann müsste er hier auch eine Runde ausgeben.“ Frühestens am späten Montagabend hätte Michael Ballack dazu übrigens Gelegenheit. Dann wird er direkt zum Länderspiel der deutschen Mannschaft gegen Weißrussland nach Kaiserslautern kommen. Erst einen Tag später wird Michael Ballack dann mit der Nationalmannschaft nach Mallorca zum Trainingslager reisen. Bis dahin muss das Bild auf dem deutschen Mannschaftsbus reichen.

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