Champions League : Die Stuttgarter wollen endlich mal ein Fest

Der VfB Stuttgart sucht vor dem Champions-League-Spiel gegen die Glasgow Rangers am Mittwoch nach seiner Form. Unklar ist, ob Mittelfeldstar Alexander Hleb spielen kann.

Oliver Trust[Stuttgart]
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Nur die anderen feiern. In der Bundesliga enttäuschte der VfB Stuttgart mit Roberto Hilbert zuletzt.Foto: dpa

Es kommt nicht oft vor, dass ein Spieler für zwei so unterschiedliche Dinge steht wie Alexander Hleb. Auf der einen Seite verkörpert er wie kein anderer im Kader des VfB Stuttgart die Sehnsüchte, im internationalen Fußball groß aufzutrumpfen. Auf der anderen Seite steht der Weißrusse vor dem Auftaktspiel der Schwaben in der Champions League gegen die Glasgow Rangers (20.45 Uhr, live auf Sat 1 und Sky) auch für das schwäbische Zwischentief. Noch ist unklar, ob Hleb, der vom FC Barcelona für ein Jahr ausgeliehen wurde, überhaupt auflaufen kann. Den 28-Jährigen plagt eine Muskelverhärtung im Gesäß. Trotzdem hätten ihn die Stuttgarter liebend gerne dabei. Mit seinen besonderen Fähigkeiten das abzuwenden, was sich beim VfB nach dem schwachen Start in der Bundesliga zu einer ernsten Krise auswachsen könnte.

Mit Namen wie Hleb, Pawel Pogrebnjak und Zdravko Kuzmanovic setzten die Stuttgarter vor Saisonbeginn ein Zeichen und sprengten ihre bisherigen finanziellen Grenzen. An den Erwartungen des Umfelds lässt auch Horst Heldt keine Zweifel. „Wir haben kräftig investiert und uns weiterentwickelt“, sagte der VfB-Manager . „Jetzt haben wir den Anspruch, die Gruppe zu überstehen und die nächste Runde zu erreichen.“ Hleb blieb den medialen Verpflichtungen, den sich seine Kollegen vor dem wichtigen Spiel gegen die Rangers stellten, fern. Der Weißrusse wurde gepflegt.

Die Chefetage war währenddessen für die großen Worte verantwortlich. Wie ein Appell klang das, was sie zum Champions-League-Spiel zu sagen hatten. „In solchen Spielen sollte man spüren, dass man das als Festtag ansieht“, sagte Heldt. „Als Moment, den man in seinem Fußballerleben nicht oft erlebt.“ Ob man ein Fußballspiel genießen kann, hängt natürlich stark vom Ergebnis ab. Deshalb wagte der ehemalige Profi Heldt noch einmal einen Rückblick in die junge Vergangenheit, als Stuttgart schon einmal in der Champions League spielte – damals mit wenig Erfolg. „Ich hoffe“, sagte er und nahm hörbar Tempo aus der Stimme, „wir haben daraus gelernt und es geht anders als vor zwei Jahren.“ Dem Deutschen Meister gelang 2007 nur ein einziger Sieg. Als Gruppenletzter erreichte der VfB nicht einmal den Uefa-Cup.

Vor allem Alexander Hleb sollte seinen Mitspielern eigentlich vermitteln, wie sie eine Partie gegen die stärksten Teams Europas angehen sollen. Doch nun ist die anfängliche Aufbruchstimmung vorerst verschüttet gegangen – und die Stuttgarter suchen nach dem richtigen Festtagsgefühl für die Champions League. „Die Jungs sollen sich bewusst machen, wie viele andere jetzt gerne an unserer Stelle stünden“, sagte Teamchef Markus Babbel. Mit dieser Mentalität müssten seine Spieler ans Werk gehen. „Wir sind nicht der Verein XY, wir sind der VfB Stuttgart“. Und Babbels Profi Thomas Hitzlsperger forderte sich und seine Kollegen dazu auf, „die negativen Gedanken, die herumschwirren, aus dem Kopf zu fegen“.

Noch rätselt man in Stuttgart über die Gründe für das schwache Abschneiden in der Liga. Die Mannschaft scheint mit den häufigen Personalwechseln, die ihr Babbel verordnet hat, um die Belastung dreier Wettbewerbe abzufedern, nicht zurecht zu kommen. Und Hleb, erst spät in die Saisonvorbereitung eingestiegen, wirkt nach Aufbautraining im Schnelldurchgang, zig Länderspielterminen und der hohen Erwartung in Stuttgart müde und ausgebrannt. Abgesehen von der aktuellen Verletzung würde ihm eine Pause wohl generell entgegen kommen.

Rotation hin oder her: In Stuttgart sieht man derzeit mehr ernste Gesichter als welche, die Vorfreude ausstrahlen. „Wir haben etwas gut zu machen“, sagte Hitzlsperger. „Wir wollen zeigen, dass wir eine Mannschaft mit internationalem Format sind.“

Genau dafür hatte der VfB Alexander Hleb angeheuert. Der aber suchte am Montagabend erstmal eine intensive Besprechung mit seinem Berater Uli Ferber. Es sei an der Zeit gewesen, einmal grundsätzlich die Lage zu klären, hieß es. Ganz Stuttgart wartet auf die Ergebnisse der Sitzung.

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