Champions League : Dortmund will in St. Petersburg den Glanz zurück

Beim Champions-League-Spiel in St. Petersburg heute um 18 Uhr will sich die Borussia jene Strahlkraft zurückholen, die in der Bundesliga zuletzt verloren gegangen ist.

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Da steht das Tor. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp (links) weist Stürmer Robert Lewandowski ein.
Da steht das Tor. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp (links) weist Stürmer Robert Lewandowski ein.Foto: Imago

Zu Tausenden kamen die Bewohner von St. Petersburg am Sonntag ans Ufer der Newa. Nein, das war kein vorweggenommenes Begrüßungskomitee für die Mannschaft von Borussia Dortmund, die heute (18 Uhr, live auf Sky) beim Achtelfinal-Hinspiel in der Fünf-Millionen-Metropole vorspielt. Die Menschen feierten die 70-jährige Wiederkehr ihrer Befreiung vom Nazi-Terror. Die Deutschen hatten St. Petersburg im Zweiten Weltkrieg jahrelang belagert und ausgehungert.

Das ist zum Glück sehr lange vorbei, und deshalb trafen sich die Bürger auf der Straße und feierten das Leben. Der Fußballklub Zenit bringt den Menschen nicht so viel Freude. In diesen winterlichen Tagen ist er ohnehin eher selten zu bewundern, denn die Saison beginnt in Russland erst im März. Für die Dortmunder ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil, auch wenn das so explizit niemand formulieren mag. „Wir haben auch in der vorigen Saison einen guten Kaltstart hingelegt und Liverpool ausgeschaltet“, sagte Zenits Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer dem „Kicker“. Es sind ohnehin andere Dinge, die den BVB gerade beschäftigen.

Zum Beispiel die peinliche Nicht-Leistung beim 0:3 in Hamburg oder die nicht enden wollende Verletzungsmisere, die das Team seit Monaten heimsucht. 111 Siege hat Jürgen Klopp mit der Borussia in der Bundesliga gefeiert, seitdem er im Jahre 2008 aus Mainz kam. Damit hat er den Vereinsrekord von Ottmar Hitzfeld eingestellt. Doch Klopp sagt, es seien die Niederlagen, die ihn viel nachhaltiger geprägt hätten.

Der Auftritt in Hamburg muss ihn maßlos geärgert haben. Klopp hat sich dennoch gezügelt und den Blick lieber nach vorne gerichtet. „Das ist ein sehr unschöner Tag für uns, da muss man gar nicht drumherum reden“, sagte er in Hamburg. „Aber noch zwei Mal schlafen, dann wachen wir in einem anderen Land auf und spielen in einem anderen Wettbewerb“, in dem seine Mannschaft „völlig anders auftreten wird!“

In welcher Formation dies geschehen wird, kann Klopp wohl erst wenige Stunden vor dem Anpfiff definitiv sagen. Zu groß sind die personellen Unwägbarkeiten, die das Trainerteam immer wieder aufs Neue zum Improvisieren zwingt. Die Langzeitverletzten Ilkay Gündogan, Neven Subotic und Jakub Blaszczykowski spielen in den Planungen schon seit geraumer Zeit keine Rolle mehr. Dazu gesellt sich nun auch noch Sven Bender, der mit einer Schambeinreizung zehn Wochen ausfällt. Mats Hummels, Marco Reus und Robert Lewandowski haben die Dienstreise an den Finnischen Meerbusen erkrankt oder angeschlagen angetreten. Somit sind sieben Stammspieler der Mannschaft, die im vergangenen Mai in Wembley dem FC Bayern München im Champions-League-Finale gegenüberstand, nicht oder nur eingeschränkt spielfähig. Auch dies ist ein Grund dafür, dass der BVB in der Tabelle längst zwanzig Punkte hinter den Bayern liegt.

Der Dortmunder Ligaalltag hält zwar von Zeit zu Zeit immer noch schöne Erlebnisse bereit, doch die Zahl der grauen Stunden ist zuletzt signifikant gestiegen. Umso wichtiger erscheint es daher, die Darbietungen auf Europas Bühne zu nutzen, um die Strahlkraft zu entfalten, die der Klub in der Heimat verloren hat. Entsprechend kämpferisch gab sich Nuri Sahin vor dem Abflug nach St. Petersburg: „Wir werden nicht mit gesenkten Köpfen ins Flugzeug steigen“, kündigte der Mittelfeldspieler an. Schließlich sei es in der Vorrunde gelungen, sich gegen Mannschaften wie Arsenal und Neapel durchzusetzen und die K.-o.-Runde als Gruppensieger zu erreichen: „Die Niederlage gegen Hamburg haut uns nicht um“, sagte Sahin. „Wir sind mittlerweile gefestigt genug, um das zu verarbeiten und gegen Zenit ganz anders aufzutreten.“

Genauso hat es Jürgen Klopp wohl hören wollen.

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