Sport : Champions League: Drei Tore reichen nicht zu drei Punkten

Harald Irnberger

Trainer Cesar Luis Menotti vertritt die Theorie, guten Fußball spiele nur eine Mannschaft, hinter der eine Idee stehe. Der Argentinier schätzt deutsche Fußballer. Menotti stellte sogar mal fest: "Die Deutschen haben die Ordnung zu ihrer Idee gemacht." Bayer Leverkusen erzielte bei der 3:5 (1:2)-Niederlage in der Champions League bei Real Madrid seine drei Treffer im Anschluss an zwei Eckstöße und einen Einwurf - also von Situationen ausgehend, in denen die vorgesehene Ordnung in größtmöglichem Umfang hergestellt werden kann.

Menotti fand zudem zu der Einsicht, großer Fußball komme erst zustande, wenn Spielerpersönlichkeiten die Idee ihrer Mannschaft mit einem Schuss Genialität veredeln. Großen deutschen Fußball sah er dann, wenn ein Beckenbauer oder Netzer der Ordnung Glanz einhauchten. Leverkusens Michael Ballack ist zweifellos ein großes Talent, die Größe der Genannten besitzt er (noch) nicht. Damit sind die Grenzen dieser Bayer-Elf aufgezeigt. Sie schaffte mitunter nahezu große Momente, stets war dann Ballack zentral im Spiel.

In der Ordnung des deutschen Vizemeisters lag aber auch der Hase im Pfeffer. "Wir gehen viel zu großes Risiko, wenn wir hinten Mann gegen Mann spielen. Bei Fehlern fallen dann sofort Tore. Das ist bei einer Spielweise mit Libero nicht so", meinte Ballack und übte damit deutlich Kritik am System von Bayer-Trainer Christoph Daum. Auch Ballacks Kollege Carsten Ramelow kam angesichts der fünf Gegentreffer ins Grübeln. "Es liegt an der Defensivaufteilung. Die ganze Mannschaft arbeitet nach hinten schlecht", urteilte Ramelow.

Fußball beruht auf der Uridee, Ball und Gegner laufen lassen. Wie man das macht, führten die Madrider in ihren besseren Momenten vor. Es wurde ein offener Schlagabtausch, weil auch Bayer im Bernabeu-Stadion in Anbetracht der Konfusionen in der eigenen Abwehr die Flucht nach vorne antrat, dabei auch davon profitierend, dass der Gegner mit dem Kopf schon beim "Spiel des Jahrhunderts" am Wochenende war - zu einem solchen wird in Spanien zuverlässig zweimal im Jahr das Punktspiel Real gegen FC Barcelona ausgerufen.

Die Leverkusener treffen am Sonnabend in der Bundesliga auf Borussia Dortmund. Und so suchten sie hinterher sogleich Trost in den positiven Aspekten ihres Auftritts in Spanien. "Drei Tore in Madrid sind eigentlich eine Super-Sache", meinte Nationalspieler Paulo Rink. Auch Daum erkannte: "Vor zwei Jahren beim 0:3 waren wir chancenlos in Madrid, diesmal haben wir drei Tore geschossen und sind somit schon wieder ein Stückchen weiter gekommen." Nur das wichtige Weiterkommen, das in der Champions League nämlich, das kann Leverkusen nach dieser Niederlage nur noch durch ein kleines Wunder schaffen.

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