Sport : Champions-League: Ein großer Trainer

Stefan Hermanns

Was zeichnet einen großen Trainer aus? Dass er viele Titel gewinnt? Dass er die Stars bei Laune hält? Junge Talente zu großen Stars macht? Ottmar Hitzfeld hat als Trainer fünf Deutsche Meistertitel geholt, zweimal die Champions League gewonnen, er war Pokalsieger in Deutschland und der Schweiz. Hitzfeld weiß, wie Stefan Effenberg zu handhaben ist, damit er der Mannschaft nicht schadet. Er hat es in Dortmund geschafft, zwei grundverschiedene Typen wie Matthias Sammer und Andreas Möller dem gemeinsamen Erfolg zu verpflichten, hat Lars Ricken zum Nationalspieler gemacht und mit Owen Hargreaves einen jungen Mann entdeckt, der noch vor kurzem mit Bayerns Amateuren gegen Schweinfurt 05 gespielt hat. Ein großer Trainer ist Ottmar Hitzfeld aber vor allem deshalb, weil er nicht zweimal die gleichen Fehler macht.

Zum Thema Hintergrund: Die Endspiele im Europapokal der Landesmeister Wer die Champions League gewinnt, darf sich ein bisschen wie ein Held fühlen: vom Fahrer des Mannschaftsbusses bis zum Zeugwart, vom Präsidenten bis zum Trainer. Die größten Helden sind natürlich die Spieler. So hat es vor vier Jahren Gerd Niebaum gesehen, der Präsident von Borussia Dortmund. Der Verein hatte gerade die Champions League gewonnen, aber der Triumph konnte nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass die besten Zeiten dieser Mannschaft vorüber waren. Im Finale gegen Turin lag das Durchschnittsalter des Teams bei 28,7 Jahren. Hitzfeld hatte die Probleme erkannt, er wollte eine neue Mannschaft, doch bei Niebaum war die Loyalität für die Spieler größer als die Dankbarkeit für den Erfolgstrainer, der aus einer Durchschnittself ein europäisches Spitzenteam geformt hatte.

Niebaum ließ zu, dass die Spieler Hitzfeld aus dem Amt mobbten. Dessen Autorität hatte im Kampf mit der Mannschaft Schaden genommen, seine Gesundheit ebenfalls. Um den Schein zu wahren, wurde Hitzfeld zum Sportdirektor befördert. Zu sagen hatte er fortan nichts mehr. Am Ende der ersten Saison ohne Hitzfeld belegte Dortmund in der Bundesliga nur noch Platz zehn.

"Die letzten Wochen, das war Raubbau. Jetzt müsste man eigentlich für ein halbes Jahr in ein Sanatorium", hat Hitzfeld nach seinem zweiten Erfolg in der Champions League gesagt. Der Hunger nach diesem Titel hat ihn aufgefressen. Doch nicht nur deshalb ist die Situation ähnlich wie 1997 mit Borussia Dortmund. Die Mannschaft, die den Bayern nach 25 Jahren einen historischen Traum erfüllt hat, gilt ebenfalls als nicht mehr ganz frisch. Oliver Kahn, Thomas Linke, Bixente Lizarazu und Paulo Sergio werden in diesem Jahr 32, Anführer Stefan Effenberg im August sogar 33. Doch anders als 1997 in Dortmund stehen die siegreichen Spieler der Bayern nicht unter Artenschutz. Hitzfeld genießt bei der Vereinsführung uneingeschränkten Rückhalt. "Ich will gerne länger bei Bayern bleiben", sagt er selbst. Manager Uli Hoeneß sieht die zukünftige Aufgabe des Trainers darin, "dass der FC Bayern das Niveau hält und da oben bleibt". Dazu, das weiß auch Hitzfeld, braucht die Mannschaft ein neues Gesicht.

Die bisher bekannten Neuzugänge - Pablo Thiam, Nico und Robert Kovac - haben in ihrer Karriere noch keine Titel gewonnen. Sie sollen den nötigen Eifer nach München mitbringen, damit die Bayern auch gegen Cottbus und Rostock gewinnen. Vermutlich werden einige Spieler den Verein verlassen: Giovane Elber hat in den letzten Tagen auffallend oft über ein vorzeitiges Ende seines Arbeitsverhältnisses in München nachgedacht, Bixente Lizarazu hat ähnliche Überlegungen geäußert. Andere werden über ihre nachlassende Wichtigkeit nicht gerade erbaut sein: Ciriaco Sforza, Carsten Jancker, Alexander Zickler oder Paulo Sergio zum Beispiel. Und was die Vertragsverhandlungen mit Stefan Effenberg angeht, da haben sich die Bayernbosse bisher nicht zur Eile drängen lassen. Wenn der Vertrag nächsten Sommer ausläuft, ist Effenberg fast 34. Seine Nachfolger - Michael Ballack und/oder Sebastian Deisler - sind längst ausgeguckt.

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