Champions League : Ein halber Abschied

Wieder ein Rückschlag für die Bremer: Werder enttäuscht in Rom und steht vor dem Aus in der Champions League.

Werder
Kontrollverlust. Werders Torwart Wiese konnte nach nach Rocchis Elfmeter den Ball nicht festhalten. -Foto: dpa

Mit gefrorenen Gesichtszügen stapften Thomas Schaaf und Klaus Allofs am Mittwochmorgen durch den Sicherheitscheck am Flughafen Ciampino in Rom. Der gedeckte Anzug und die getönte Krawatte saßen wieder akkurat, doch an den Bittermienen der beiden war abzulesen: Hier ist nichts in Ordnung. Schaaf und Allofs, Trainer und Manager bei Werder Bremen, hatten schon am Vorabend sichtbar Mühe, die deprimierende Niederlage in der italienischen Hauptstadt zu verarbeiten. Sie waren von ihren Fußballprofis im Stich gelassen worden, die sich mit dem 1:2 bei Lazio Rom beinahe um alle Chancen in der Champions League gebracht haben.

Die vierte aufeinanderfolgende Saison in Europas höchster Spielklasse, in der die Grün-Weißen in der Vergangenheit gewaltig Reputation gewonnen hatten und dank guter Resultate in den Kreis der Gesetzten vorgedrungen sind, droht zur Blamage zu werden. An Siege gegen Real Madrid und Olympiakos Piräus glaubt selbst Allofs nicht mehr: „Das ist auf europäischem Niveau zu wenig. Wenn wir so spielen, gewinnen wir in der Champions League kein Spiel mehr.“ Der 50-Jährige sprach an, woran es im halb vollen Olympiastadion mangelte. „Das war naiv, ohne Pepp, ohne die letzte Bereitschaft.“

Konterkariert ist nun das Bestreben, das Bremer Team auch international voranzubringen, das nach der Überraschungsmeisterschaft 2004 immerhin 2005 und 2006 bis ins Champions-League-Achtelfinale vordrang und 2007 im Uefa-Cup-Halbfinale stand. Wenn es nun ganz dumm läuft, ist diesmal die Europapokalsaison zur Jahreswende beendet. Allofs stellte auch deshalb grundsätzliche Defizite am Bremer Behauptungswillen fest: „Es ist schade, dass es eine Diskrepanz gibt, was man will und kann und was man davon umsetzt.“

Umso grotesker, dass gerade Werders Großverdiener, deren Bezüge jüngst üppig aufgestockt wurden, die größten Verlierer waren gegen ein ersatzgeschwächtes Lazio-Ensemble, das längst keine Stars von Weltruf, sondern italienische Durchschnittsprofis beschäftigt, deren Gehaltsobergrenze bei einer halben Million Euro netto liegt. Torwart Tim Wiese und Verteidiger Naldo zum Beispiel, die als Duo in Verkettung unglücklicher Fehleinschätzungen beide Tore durch Tommasso Rocchi herschenkten. „Katastrophale Gegentore“, mäkelte der katastrophal schwache Tim Borowski. Und dann war da noch der komplett desillusionierte Diego, der mit einer Sperre im Spiel gegen Real Madrid in zwei Wochen fehlen wird. Ein Schubser im Gedränge vor seinem verwandelten Elfmeter, ein frustrierter Fußtritt in die Werbebande in der Nachspielzeit – schon hielt ihm der kroatische Schiedsrichter Ivan Bebek Gelb-Rot entgegen. Diego versäumt nun den Auftritt gegen seinen Traumverein und ein Duell gegen Kumpel Robinho. „Das war ein Fehler von mir, aber ich kann es nicht mehr ändern. Ich war sauer, ich war verärgert, dass wir alles verloren hatten“, ließ der 22-Jährige seinen Dolmetscher übersetzen. „Ich bin froh, dass er nur gegen die Bande und nicht gegen einen Spieler getreten hat“, sagte Schaaf ironisch.

Warum sich sein Team bei einem Kandidaten, der in der Champions League gewiss keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen wird, eine blutige Nase – auch in Person von Kapitän Frank Baumann (Nasenbeinbruch) – holte, konnte der Trainer nicht wirklich erklären: „Wir haben immer gehofft, dass der Motor irgendwann anspringen würde, aber das war nicht der Fall.“ Allofs kam da schon weiter: „Wir haben nicht mit dem nötigen Herz und nicht mit dem nötigen Verstand gespielt.“ Und daran ist nach seiner Ansicht auch der im internationalen Maßstab eben doch nur zweitklassige nationale Wettspielbetrieb schuld. „Vielleicht fiel uns mancher Sieg in der Bundesliga zu leicht.“ Wenn gegen deutsche Kleinkaliber wie Bielefeld, Duisburg oder Rostock der Schongang reicht, genügt das gegen den Tabellenfünfzehnten der Serie A noch lange nicht. Eine Erkenntnis, zu der auch Clemens Fritz kam. „Wir haben über 90 Minuten fast alles falsch gemacht. Wir sind aufgetreten wie … – ich weiß auch nicht.“

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