Champions League : Ein Punkt zum Ruhm

Der VfL Wolfsburg braucht nur ein Remis, um die nächste Runde der Champions League zu erreichen. Es wäre mehr als ein Prestigeerfolg für die einstige graue Maus.

Christian Otto[Moskau]
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Nichts zu holen. Benyamina und Union waren gegen Lautern ohne Chance. Foto: Königdpa

Seine Entscheidung, den Ausflug in die Kälte einen Tag früher als gewohnt beginnen zu lassen, hatte Armin Veh schnell getroffen. Schon seit Montag ergründen die Profis des VfL Wolfsburg in Moskau, wie sich Fußball bei unbehaglichen Temperaturen um den Nullpunkt und auf dem ungewohnten Kunstrasen des Luschniki-Stadions spielt. „Wir wollen jetzt mehr“, sagt VfL-Trainer Veh, der in der Champions League nichts dem Zufall überlassen will. Er meint nicht bloß die weiteren drei Millionen Euro, die die Uefa für das Erreichen des Achtelfinales zahlen würde. Es geht für den VfL heute bei ZSKA Moskau (18.30 Uhr, live bei Sky) vor allem darum, sich endlich aus dem Schatten des FC Bayern zu spielen.

Was in der Bundesliga zum Alltag geworden ist, bekommt in der Champions League eine besondere Komponente. Weil sich der Volkswagen-Konzern als Gobal Player versteht, erwarten seine Entscheider von der sportiven Tochtergesellschaft namens VfL, dass sie auch auf der internationalen Bühne des Fußballs erstklassige Werbung macht. Ein Teil der Freude über die gute Auslosung und schlagbare Gegner in Gruppe B, in der die Wolfsburger sogar noch Manchester United hinter sich lassen können, ist allerdings einer leichten Ernüchterung gewichen. Weil der Deutsche Meister in der Champions League immer am selben Tag wie der FC Bayern spielt, muss der bisherige mediale Ruhm als bescheiden eingestuft werden – obwohl die Ergebnisse besser waren als die des Rivalen.

Bei ZSKA Moskau reicht den Wolfsburgern im vorletzten Spiel der Gruppenphase schon ein Unentschieden, um als erste deutsche Mannschaft ins Achtelfinale einzuziehen und sich viel Ruhm zu sichern. Dass es durchaus hilfreich sein könnte, wenn Bayern und der VfB Stuttgart nicht nachziehen, liegt auf der Hand, wird aus Gründen der Höflichkeit aber verschwiegen. Die Vorzeichen, nach dem Meistertitel gleich den nächsten größten Erfolg in der noch jungen Vereinsgeschichte folgen zu lassen, sind denkbar günstig. Nach der 2:3-Heimniederlage gegen den Aufsteiger Nürnberg in der Bundesliga flogen die Verlierer mit viel Wut nach Moskau. Sie sind mit dem Wissen in Russland gelandet, dass ihr Team immer dann auftrumpft, wenn es ein wenig mehr Außenseiter als Favorit sein darf. „Auswärts tun wir uns in dieser Saison einfach leichter“, sagt Spielmacher Zvjezdan Misimovic und erinnert an den souveränen 3:0-Erfolg bei Besiktas Istanbul.

Spannung ruft die Frage hervor, ob Trainer Veh in Moskau aus den erschreckenden Schwächen seiner neu formierten Abwehr Konsequenzen zieht. „Wenn der Kunstrasen nass ist, geht der Ball da ab wie eine Rakete“, sagt Nationalspieler Marcel Schäfer, der als wendiger Verteidiger beste Voraussetzungen für das schnelle und technisch geprägte Spiel mitbringt. Schlechter sieht es in dieser Hinsicht für seinen rustikal agierenden Nebenmann Alexander Madlung aus.

Selbst Torjäger Edin Dzeko, dem schon auf Rasen derzeit nicht viel gelingen will, gilt auf Kunsthalmen nicht als ideale Besetzung. Aber weil Grafite in der Champions League noch gesperrt ist, gilt der formschwache Dzeko als gesetzt. „Edin muss den Kopf wieder hochnehmen und gelassen bleiben“, sagt der Brasilianer über den Bosnier. Mit unangenehmen Fragen wie der, ob heute Abend nur Regen oder sogar Schnee ins Spiel kommen, braucht sich Grafite nicht aufzuhalten. Für ihn ist kein Flug gebucht worden.

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